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Einst Teil NorwegensWarum gehört Grönland überhaupt zu Dänemark?

20.01.2026, 19:40 Uhr
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Die Flaggen der Färöer-Inseln sowie von Dänemark und Grönland in der grönländischen Hauptstadt Nuuk. (Foto: picture alliance/dpa)

Die USA und Donald Trump wollen sich Grönland einverleiben. Das trifft auf laute Kritik, denn Grönland ist noch immer Teil des Königreichs Dänemarks - wenn auch mit weitgehender Autonomie. Doch wie genau ist diese Verbindung eigentlich entstanden?

Die heutige Beziehung zwischen Grönland und Dänemark erklärt ein Blick in die Geschichte der Insel:

Erste Besiedlung durch den Menschen

Vor rund 4500 Jahren kommen die ersten Menschen auf die Insel. Es sind sogenannte Paläo-Eskimos, die heute als ausgestorben gelten. Archäologen unterscheiden verschiedene Kulturen: Die Saqqaq leben hauptsächlich von der Jagd auf See, die Independence-Kultur hingegen jagen Moschusochsen. Auf sie folgte die Dorset-Kultur, die sich auf die Walross-Jagd spezialisiert.

Vorfahren der heutigen Inuit in Grönland treffen ein

Um das Jahr 1200 wandern Menschen der sogenannten Thule-Kultur aus Alaska ein. Sie gelten als die Vorfahren der heutigen Inuit in Grönland und breiten sich von Nordwesten über die Insel aus. Sie sind den Menschen der Dorset-Kultur wahrscheinlich technisch überlegen: Sie besitzen Hundeschlitten und große Boote, die in der Arktis überlebenswichtig sind.

Erste Europäer tauchen auf

Der aus Norwegen stammende Wikinger Erik der Rote (geb. um 950) ist einer der ersten Siedler. Er nennt die Insel Grönland, was auf Deutsch so viel wie "Grünland" bedeutet. Er will damit Siedler aus Island und Norwegen anlocken. Diese kommen auch tatsächlich und gründen Siedlungen an der Südwestküste, die mehrere Jahrhunderte bestehen.

Norwegen meldet erstmals Besitzansprüche an

Im Jahr 1261 stellen sich die nordischen Siedler in Grönland unter die Herrschaft des norwegischen Königs. Damit ist Grönland aus europäischer Sicht nicht mehr nur Siedlungsgebiet, sondern Teil eines Königreichs. Damals leben schätzungsweise 3000 bis 4000 Europäer in Grönland.

Dänische Könige übernehmen Norwegen - und damit Grönland

Im Jahr 1380 wird der dänische König Olaf auch König von Norwegen - und damit auch der Tributgebiete Islands, der Färöer und Grönlands. Ursache ist die familiäre Verbindung beider Königshäuser: Der Vater von Dänemarks König Olaf ist Hakon, der König von Norwegen. Mit dessen Tod 1380 erbt Olaf auch die Krone von Norwegen. Diese dänisch-norwegische Doppelmonarchie hält bis ins 19. Jahrhundert.

Kontakt nach Grönland reißt ab

Im späten Mittelalter verschlechterte sich das Klima. Handel und Versorgung im Nordatlantik werden schwieriger. Auf Grönland verschwinden die europäischen Siedlungen allmählich, die Inuit breiten sich jedoch entlang der Küsten weiter aus. Der Kontakt Europas zu Grönland reißt schließlich ab. Dennoch hält die dänische Krone den Anspruch als "Erbin" des norwegischen Erbes weiter fest - allerdings nur noch auf dem Papier.

Die Rückkehr der Dänen

1721 stellt der Missionar Hans Egede, unterstützt von der dänisch-norwegischen Monarchie, wieder eine dauerhafte Verbindung nach Grönland her. Es werden Stützpunkte gegründet, Handelsunternehmen wollen mit der Kolonie Geld verdienen, was sich jedoch als schwierig erweist. Dennoch nehmen die Aktivitäten der Dänen auf Grönland in den Folgejahren weiter zu.

Dänemark-Norwegen ist am Ende - Grönland bleibt dänisch

Während der Napoleonischen Kriege verbündet sich Dänemark mit Frankreich - nach der Niederlage Napoleons und dem Frieden von Kiel 1814 muss es dafür den Preis bezahlen: Das dänisch-norwegische Unionskonstrukt wird zerschlagen. Das Besondere: Grönland (wie auch Island und die Färöer) wird im Vertrag ausdrücklich herausgenommen und bleibt unter dänischer Hoheit.

Dänemark erhebt Anspruch auf die ganze Insel

Lange konzentriert sich die dänische Präsenz vorwiegend auf die Westküste. Im 19. Jahrhundert wird auch die Ostküste erforscht. Der dänisch-grönländische Polarforscher Knud Rasmussen gründete 1910 die Thule-Station und leitete zwischen 1912 und 1933 sieben Expeditionen entlang der Nordküste. 1921 erklärt Dänemark die Souveränität über ganz Grönland.

Norwegen will Grönland aufteilen - und verliert vor Gericht

1931 stellt Norwegen den dänischen Anspruch auf die gesamte Insel infrage und beanspruchte Teile Ostgrönlands. Norwegische Beamte setzten vor Ort sogar symbolisch staatliche Kontrolle durch - in einem Gebiet, das kaum besiedelt ist. Der Streit landet vor dem Ständigen Internationalen Gerichtshof in Den Haag. 1933 fällt das Urteil zugunsten Dänemarks, unter Verweis auf die mittelalterliche norwegische Zugehörigkeit bis zum Übergang an die dänische Krone.

Zweiter Weltkrieg: USA errichten Militärbasen

Dänemark wird 1940 von Deutschland besetzt. Aufgrund der britischen Blockade gegen alle von Deutschland besetzten Gebiete wird Grönland von Dänemark abgeschnitten. Basierend auf einer Notstandsklausel aus dem Jahr 1925 erklärt Grönland die Selbstverwaltung. Der dänische Botschafter in Washington vermittelte die Unterstützung der USA, welche im Krieg dort Militärbasen zur Kontrolle des Nordatlantiks und zum Kampf gegen deutsche U-Boote errichten.

Status als dänische Kolonie endet

Nach Ende des Krieges wollen die USA Grönland weiterhin nutzen und schlagen Dänemark 1946 erstmals den Kauf vor, was Dänemark ablehnt. Gleichzeitig führt die Phase der vorübergehenden Autonomie zu einem neuen Selbstbewusstsein Grönlands. 1953 ändert Dänemark seine Verfassung und macht Grönland zu einem dänischen Verwaltungsgebiet - die Insel ist damit keine Kolonie mehr. Dennoch bleibt das Verhältnis vom Machtgefälle geprägt.

Grönland bekommt die "Heimverwaltung"

1979 wird in Grönland die sogenannte Hjemmestyre (auf Deutsch "Heimverwaltung") eingeführt. Die Insel bekommt ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung. Dänemark bleibt aber weiterhin der Rahmenstaat. Diese Entwicklung zu mehr Autonomie wird unter anderem auf den Beitritt Dänemarks - und mit ihm Grönlands - zur Europäischen Gemeinschaft (EG) 1973 zurückgeführt. Diesen lehnen die Bewohner Grönlands mehrheitlich ab. Im Jahr 1985 tritt nur Grönland schließlich wieder aus der EG aus.

Partnerschaft auf Augenhöhe mit Dänemark

Seit 2009 gilt in Grönland schließlich die Selbstregierung, Selvstyre ("Selbstverwaltung") genannt. Das Gesetz erkennt die Grönländerinnen und Grönländer ausdrücklich als "Volk" mit Selbstbestimmungsrecht an und betont eine Partnerschaft auf Augenhöhe zwischen grönländischer und dänischer Regierung. Grönland regelt viele Bereiche selbst, einschließlich eigener Gesetze und Verwaltung. Dänemark bleibt aber zuständig für den Kern der Außen- und Sicherheitspolitik. Dennoch gibt es auch Debatten über eine vollkommene Unabhängigkeit Grönlands von Dänemark.

Quelle: ntv.de, kst

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