Wissen

Ursprung in der Militärmedizin Was bedeutet das Wort Triage?

imago0072465781h.jpg

Der Franzose Jean Larrey entwickelte während der Napoleonischen Kriege "fliegende Lazarette", die die Versorgung der Verwundeten verbesserte.

(Foto: imago/UIG)

Die hohen Corona-Fallzahlen bringen das deutsche Klinikwesen an seine Grenzen. Immer öfter wird in den Medien nun von Triage gesprochen. Doch was verbirgt sich hinter dem Begriff?

In der aktuellen Corona-Pandemie werden die Ressourcen in den deutschen Krankenhäusern knapp. Erst vor wenigen Tagen fanden Aussagen eines Klinikchefs in Sachsen Beachtung, wonach in seinem Haus bereits erste Triage-Entscheidungen bei Covid-19-Patienten getroffen wurden. Doch was bedeutet der Begriff überhaupt?

Das Wort Triage stammt vom französischen Verb "trier" ab, was "sortieren" oder "aussuchen" bedeutet. Es bezeichnet ein Verteilungssystem, bei dem Patienten nach bestimmten Kriterien eingeschätzt und ihre Behandlungen je nach Dringlichkeit und Erfolgsaussichten eingeordnet werden.

Seinen Ursprung hat die Triage in der Militärmedizin. Ende des 18. Jahrhunderts fanden sich im "Königlich-Preußischen Feldlazareth-Reglement" erste Angaben, wie Verwundete nach Schweregraden eingeteilt werden sollten. Unter Napoleon I. entwickelte der Militärchirurg Dominique Jean Larrey "fliegende Lazarette": Die Verwundeten wurden auf dem Schlachtfeld nach der Schwere ihrer Verletzungen sortiert und, wenn nötig, vor Ort behandelt. Priorisiert wurden die Soldaten, denen man eine rasche Erholung zutraute, um schnell wieder in die Schlacht zu ziehen.

Nach seinen Erfahrungen im Krimkrieg entwickelte der russische Chirurg Nikolai Pirogow Mitte des 19. Jahrhunderts das Prinzip der "Krankenzerstreuung". Dabei wurden die Verwundeten in fünf Stufen eingeteilt, um Ordnung auf überfüllten Verbandsplätzen zu schaffen. Die preußische Armee übernahm das Prinzip 1866, später fand es auch bei anderen europäischen Armeen Anwendung. Ausgehend vom französischen Sanitätsdienst etablierte sich der Begriff "Triage" ab den 1930er Jahren. Heute existieren weltweit verschiedene Triage-Systeme.

Weltweit gibt es verschiedene Triage-Systeme

In Deutschland werden Triage-Instrumente seit vielen Jahren vor allem in Notaufnahmen angewandt. Beim "Manchester Triage System" etwa wird der Patient nach den Kategorien Lebensgefahr, Bewusstsein, Blutverlust, Schmerzen, Temperatur und Krankheitsdauer einer von fünf Dringlichkeitsstufen zugewiesen. Allerdings geht man im Krankenhaus-Alltag gewöhnlich davon aus, dass alle Patienten bestmöglich behandelt werden können.

Hierzulande gibt es keine gesetzliche Regelung, wie Ärzte in Extremsituationen über Leben und Tod entscheiden müssen. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie haben allerdings sieben medizinische Fachgesellschaften im Frühling Leitlinien veröffentlicht, wie in Deutschland in Krisenfällen zu verfahren sei, wenn die medizinischen Kapazitäten nicht ausreichen, um alle Patienten zu behandeln. Bei ihrer Kategorisierung sollen die Ärzte die Schwere der Erkrankung, den Gesundheitszustand und mögliche Begleiterkrankungen des Patienten sowie dessen Willen berücksichtigen. Alter, Bildungsstand, Einkommen, sozialer Status, Behinderungen oder die Krankenversicherung sollen keine Rolle spielen.

In Italien sehen die Richtlinien anders aus. Dort ist das medizinische Personal dazu angehalten, auch das Alter des Patienten in den Blick zu nehmen. Es gilt: Nicht möglichst viele Menschen sollen gerettet werden, sondern möglichst viele Lebensjahre, die der Patient voraussichtlich noch vor sich hat. So kann eine zweifache Mutter im Alter von 38 Jahren bevorzugt behandelt werden, obwohl ihre Überlebenschancen schlechter sind, als die eines 80 Jahre alten Rentners.

Quelle: ntv.de, mit dpa