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Fiebermessen vs. Selbstisolation Was bringt welche Corona-Maßnahme?

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Mit dem Messen der Körpertemperatur sollen Sars-CoV-2-Infizierte erkannt werden.

(Foto: picture alliance/dpa)

Zu Beginn der Corona-Pandemie wusste keiner so genau, welcher Maßnahmen-Mix am besten vor einer Ausbreitung schützt. Mit einem systematischen Überblick können Forschende nun detaillierte Auskunft geben.

Angesichts steigender Infektionszahlen stellt sich die Frage, ob und welche Corona-Maßnahmen tatsächlich die Ausbreitung des Virus aufhalten können. Mehrere Übersichtsarbeiten sollen diese Fragen nun beantworten. Forschende der Stiftung RTI International in Research in North Carolina beispielsweise haben sich zur Klärung insgesamt 22 verschiedene Untersuchungen angeschaut und analysiert. Sie kommen zu dem Schluss, dass einmalige Screening-Maßnahmen wie Messen der Körpertemperatur und Befragungen zu Symptomen nicht geeignet sind, eine Ausbreitung von Sars-CoV-2 zu verhindern.

Das Team um Meera Viswanathan gibt in einem sogenannten Rapid-Review an, dass durch eine Befragung nach Symptomen zwischen 0 und 60 Prozent der Infizierten ermittelt werden kann. Für Temperaturmessungen, Reiseanamnesen und Befragungen nach Kontakten lag demnach die Spanne der tatsächlich erkannten Infizierten, in der Fachsprache auch als Sensitivität bezeichnet, zwischen 0 und 23 Prozent. Mit einer Kombination aus Temperaturmessungen und Symptombefragungen könnte man den Forschern zufolge 12 bis 69 Prozent der Infizierten erkennen, schreibt das Deutsche Ärzteblatt dazu.

Umverteilung von Ressourcen gefordert

PCR-Schnelltest

Diese Tests basieren auf der sogenannten Polymerasenkettenreaktion, kurz PCR genannt. Damit werden Anteile des Ergutes von Viren nachgewiesen. Ganz konkret geht es um Ribonukleinsäure, kurz RNA, den Träger der Erbinformation des Virus.

Wie beim Labortest auch, wird beim Schnelltest ein Abstrich aus dem Rachen oder der Nase verwendet. Der Test wird dann mit einer Art Mini-Labor, nach dem gleichen Prinzip wie bei einem normalen PCR-Test, vor Ort durchgeführt. So entfallen die Transportwege zu den Laboren. Ein Ergebnis gibt es nach ungefähr zweieinhalb Stunden. Allerdings sind Schnelltests weniger genau im Vergleich zu PCR-Tests in Laboren. Sie können lediglich positiv, negativ oder unklar als Ergebnis anzeigen. Zudem sind sie deutlich teurer, als PCR-Tests.

"Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Verwendung von Gesundheitspersonal, um Körpertemperatur zu messen, kein sinnvoller Einsatz von Ressourcen ist, um SARS-CoV-2 Infektionen zu vermeiden. Es wäre sinnvoller dieses Personal für Contact Tracing oder die raschere Durchführung von PCR-Screening-Tests bei Personen, die mit Sars-Cov-2-Infizierten Kontakt hatten, einzusetzen", erklärt Gerald Gartlehner, Koautor des Reviews und Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation an der Donau Universität Krems laut einer Mitteilung.

Wesentlicher effektiver als Symptombefragungen und Messen der Körpertemperatur zeigt sich der Analyse zufolge der Einsatz von sogenannten PCR-Schnelltests an Grenzen. Hier lag die Spanne bei 44 bis 96 Prozent. Die Sensitivität der Tests wurde durch die Forscher mit 80 Prozent angegeben. Auch an Kliniken könnten solche Tests in Form von wöchentlichen Screenings eingesetzt werden, denn so könnte die Ausbreitung des Sars-Cov-2 von Klinikpersonal auf Patienten verhindert werden.

Selbstisolierung wirkt

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Ganz anders schätzen die Forschenden die Wirkung der Selbstisolierung ein. Diese kann nach Kontakt zu Infizierten oder bei Verdachtsfällen der Analyse zufolge 44 bis 96 Prozent der Covid-19-Erkrankungen und 31 bis 76 Prozent der Todesfälle durch Covid-19 verhindern. Einem weiteren Rapid-Review zufolge kann die Wirksamkeit der Quarantäne durch andere Präventions- und Kontrollmaßnahmen noch gesteigert werden. Das Forscherteam um Barbara Nussbaumer-Streit stellte fest, dass Schulschließungen, Reisebeschränkungen und soziale Distanzierung im Kampf gegen die Ausbreitung wirken, zumindest zeigen das die mathematischen Modellrechnungen.

In Bezug auf Reisebeschränkungen können das auch Forschende der Ludwig-Maximilians-Universität bestätigen. Ein frühzeitiger Einreisestopp aus Risikogebieten könnte dem Rapid-Review des Teams um Jacob Burns zufolge, die Anzahl neuer Infektionsfälle um 26 bis 90 Prozent senken. Auch wenn sich so nicht unbedingt ein Ausbruch verhindern ließe, so könne doch der Beginn um 2 bis 26 Tage hinausgezögert werden. Die Übersichtsarbeit beruht jedoch auf 36 Untersuchungen, die sich mit der Verbreitung von Sars-Cov-1 und Mers-Cov befasst haben. Ob sie auch mit der Ausbreitung von Sars-Cov-2 vergleichbar sind, kann nur mit anderen Untersuchungen geklärt werden.

Quelle: ntv.de

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