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Philipp Ranitzsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter des "Katrin"-Experiments am KIT, vor dem Hauptspektrometer der Anlage. Mit dem Experiment soll die Masse von Neutrinos mit bisher nicht möglicher Genauigkeit gemessen werden.
Philipp Ranitzsch, wissenschaftlicher Mitarbeiter des "Katrin"-Experiments am KIT, vor dem Hauptspektrometer der Anlage. Mit dem Experiment soll die Masse von Neutrinos mit bisher nicht möglicher Genauigkeit gemessen werden.(Foto: Uli Deck/dpa)
Dienstag, 12. Juni 2018

Genaueste Waage der Welt startet: Was wiegen Geisterteilchen?

Wie schwer sind auch Geisterteilchen genannte Neutrinos? Das gehört zu den wichtigsten Fragestellungen in der Teilchenphysik und Kosmologie. Auf diesen Tag haben Physiker jahrelang hingearbeitet: Die genaueste Waage der Welt beginnt ihre Messungen.

Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) hat die Projektangaben zufolge genauste Waage der Welt ihre Messungen begonnen. Nach 15 Jahren Bauzeit wurde dort am Montag die Neutrino-Waage "Katrin" ("Karlsruhe Tritium Neutrino Experiment") gestartet. Sie soll das Gewicht der leichtesten Elementarteilchen bestimmen helfen.

Die auch Geisterteilchen genannten Neutrinos sind überall - mehrere Milliarden von ihnen durchströmen in jeder Sekunde den Finger eines Menschen. Von detaillierten Erkenntnissen über sie versprechen sich Physiker Rückschlüsse auf die Entstehungsgeschichte des Alls. "Das ist ein großer Tag fürs Universum - weil einer seiner Hauptbestandteile nun vermessen wird", sagte der KIT-Bereichsleiter Johannes Blümer bei der Einweihungsfeier.

Rund 200 Forscher von 20 Institutionen aus 7 Ländern sind an dem Projekt beteiligt. Im "Katrin"-Experiment entstehen beim Zerfall von Tritium Elektronen und Neutrinos. Der Aufbau hat immense Ausmaße: Allein der Vakuumtank hat rund zehn Meter Durchmesser und wiegt 200 Tonnen. "Der Druck dort drin ist so niedrig wie auf dem Mond", sagte KIT-Forscher Florian Heizmann.

Für detaillierte Erkenntnisse braucht es Geduld

Nach etwa fünf Jahren Messbetrieb erwarten die Forscher die genauesten Messergebnisse. Das Gewicht der Neutrinos zu bestimmen, gilt als wichtige Grundlagenforschung. Welche Rückschlüsse möglich sein werden, darüber lässt sich nur spekulieren. Heizmann: "Als die Kernspaltung entdeckt wurde, war auch noch völlig unklar, was daraus entstehen würde."

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sagte: "'Katrin' ist ein Experiment der Superlative und wird die Erkenntnisse über unser Universum um ein entscheidendes Puzzleteil ergänzen. Ich gratuliere dem KIT und der Forschungskollaboration zum erfolgreichen Aufbau dieses anspruchsvollen Experiments. Gemeinsam mit Ihnen freue ich mich auf den nun anstehenden Start der Messphase und die ersten Forschungsergebnisse. Ein derartig wichtiges Experiment auf deutschem Boden stärkt den Forschungsstandort Deutschland." Das Bundesforschungsministerium ist mit etwa 75 Prozent größter Geldgeber und investierte rund 50 Millionen Euro in den Bau von "Katrin".

Quelle: n-tv.de