Nadelöhr Straße von HormusWelche Seeminen könnte der Iran einsetzen?

Der Iran versucht, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus zu kappen. Auch Seeminen könnten dabei zum Einsatz kommen, befürchten Experten. Doch wie funktionieren diese? Und welche Arten gibt es?
Die Straße von Hormus ist der weltweit größte Engpass für den Öltransit - das Regime in Teheran versucht seit Beginn des Iran-Kriegs, den Verkehr durch die Meeresenge an seiner Südküste zu stören. Militärexperten warnen, dass dabei auch Seeminen zum Einsatz kommen könnten. Wie funktionieren diese Waffen?
Seeminen wurden Ende des 18. Jahrhunderts erstmals im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eingesetzt. Es handelt sich um Sprengladungen, die gegnerische Schiffe durch Explosion versenken oder beschädigen sollen. In den beiden Weltkriegen wurden sie massenhaft eingesetzt, aber auch im Iran-Irak-Krieg in den 1980er Jahren - um Öltanker des Gegners zu zerstören und damit dessen wirtschaftliche Grundlage zu schwächen.
Welche Arten von Minen gibt es?
Seeminen lassen sich in mehrere Typen unterteilen:
Ankertauminen: Werden mit einem Anker am Meeresgrund befestigt und schwimmen selbst dicht unter der Wasseroberfläche.
Treibminen: Treiben unverankert an der Wasseroberfläche oder knapp darunter.
Grundminen: Liegen auf dem Meeresboden und werden vor allem in flacheren Meereszonen eingesetzt.
Steigminen: Steigen beim Erkennen eines Ziels vom Meeresboden in Richtung Wasseroberfläche.
Auch die Art der Zündung kann unterschiedlich sein: Manche Minen detonieren nach direkter Berührung durch ein Schiff. Andere können gezielt durch eine Fernsteuerung per Funk oder Kabel gezündet werden. Höher entwickelte Minen haben Sensoren, die gegnerische Schiffe durch eine Veränderung des Magnetfelds, des Wasserdrucks oder anhand bestimmter Geräuschsignaturen erkennen - und erst dann ihre Ladung zünden.
Welche Schäden richten Minen bei Schiffen an?
Treibminen sind so ausgelegt, dass ihre Explosion an der Wasseroberfläche den Rumpf eines Schiffs beschädigen soll. Als effektiver schätzen Experten jedoch die Wirkung von Grundminen ein: Bei der Unterwasserexplosion entsteht eine Gasblase, die an die Oberfläche steigt. Befindet sich dort ein Schiff, hebt die Gasblase es an, wodurch dessen Kiel zerbrechen kann. Aber bereits die Schockwelle der Explosion kann die Struktur des Schiffs oder seinen Antrieb beschädigen.
Die Höhe des Schadens durch eine Grundmine hängt laut Experten aber von verschiedenen Faktoren wie der Sprengkraft, der Tiefe und der Größe und Festigkeit des Schiffs ab. Bei Supertankern dürfte der Druck der vom Grund aufsteigenden Gasblase nicht ausreichen, um das Schiff anzuheben. Allerdings könnte das Schiff in den entstehenden Hohlraum unter seinem Kiel sacken und sich dadurch verformen. Auch könnte die Wucht des Wassers, das in den von der Gasblase hinterlassenen Hohlraum strömt, den Schiffsrumpf beschädigen.
Über welche Seeminen verfügt der Iran?
Verschiedene Quellen gehen davon aus, dass der Iran über mindestens 2000 Seeminen verfügt. Die genaue Anzahl und Art der Minen sind jedoch unbekannt. Experten gehen davon aus, dass der Iran vorrangig über Treibminen verfügt. Allerdings könnte Teheran auch moderne Seeminen besitzen, wie die russische MDM-6 oder die chinesische EM-52.
Bei der russischen MDM-6 handelt es sich laut dem Center for Strategic and International Studies (CSIS) um eine Grundmine, die auf magnetische und akustische Signale sowie Druckveränderungen reagiert. Sie soll mehr als eine Tonne Sprengstoff haben. Die MDM-6 wird demnach in einer Tiefe von 12 bis 120 Metern verlegt. Die chinesische EM-52 hingegen ist eine Steigmine: Laut verschiedener Quellen verfügt sie über einen Raketenantrieb und steigt vom Meeresboden aus zu einem passierenden Schiff auf, um dort zu detonieren.
Welche Szenarien sind denkbar?
Laut einer Analyse der US-Denkfabrik Center for Strategic and Budgetary Assessments (CSBA) könnte der Iran die Straße von Hormus mit einer Kombination verschiedener Seeminen sperren: Größere Mengen einfacher Treib- und Ankertauminen könnten mit Schiffen und Booten ausgelegt werden. Die technisch ausgefeilteren Grundminen russischer und chinesischer Bauart könnten in kleinerer Zahl von U-Booten verlegt werden. Allerdings ist unklar, wie viele U-Boote der Iran nach den Angriffen der USA noch zur Verfügung hat.
Zudem verfügen die USA über Minenräumschiffe, welche die Minen wieder beseitigen könnten. Es existieren für diese Aufgabe auch autonome Unterwasserdrohnen, die Minen aufspüren können - mit speziellen Bekämpfungsdrohnen werden die Minen dann zerstört. Nach Einschätzung der CSBA-Experten könnte die Räumung großflächiger Minenteppiche jedoch mehrere Wochen dauern.
Doch auch die Strömung in der Straße von Hormus stellt für den Iran eine Herausforderung dar: Alle nicht fest verankerten Minen werden weggetrieben - und die am Boden liegenden Grundminen werden mit der Zeit von Schlamm begraben, was ihre Wirkung einschränken dürfte.