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Viele Millionen Nester Weltweit größte Brutkolonie von Fischen entdeckt

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Die entdeckten Nester der Eisfische enthalten jeweils Hunderte Eier, die meist von einem ausgewachsenen Fisch bewacht werden.

(Foto: AWI - Tim Kavelage Foto: PS118, AWI OFOBS team/dpa)

Das Weddellmeer in der Antarktis wird bereits seit vielen Jahrzehnten erkundet. Nun machen deutsche Forscher während der "Polarstern"-Expedition dort einen "total überraschenden" Fund: die weltgrößte Brutkolonie von Fischen.

Am Grund des antarktischen Weddellmeeres brüten Eisfische in riesiger Zahl. Die Brutkolonie umfasst geschätzt 60 Millionen aktive Nester und bedeckt mindestens 240 Quadratkilometer, wie Forscher des Alfred-Wegener-Instituts (AWI) in Bremerhaven im Fachmagazin "Current Biology" berichten. Das entspricht etwa der Größe der Insel Malta. "Wir hatten nicht damit gerechnet, irgendeine Art von Fischnest-Ökosystem zu entdecken", sagt Studienleiter Autun Purser. Der Fund sei eine "totale Überraschung" gewesen.

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Das Forschungsschiff "Polarstern" im Weddellmeer.

(Foto: AWI - Tim Kavelage/dpa)

Das Team um Purser hatte nahe des Filchner-Schelfeises mehrere Fahrten mit dem Forschungsschiff "Polarstern" unternommen und dabei auch aus 1,5 bis 2 Metern Höhe den Meeresboden mit einem Kamerasystem untersucht. So entdeckten sie die Brutkolonie der Eisfisch-Art Neopagetopsis ionah. "Ansammlungen von einigen Dutzend Nestern wurden bereits in anderen Regionen der Antarktis gefunden, aber dieser Fund liegt um Größenordnungen darüber", sagte Purser. Die Kolonie sei seines Wissens die ausgedehnteste Brutkolonie von Fischen, die jemals auf der Welt beobachtet wurde. Die Biomasse der Kolonie schätzen die Forscher auf mehr als 60.000 Tonnen.

Nester werden von Fischen bewacht

Die überwiegend kreisförmigen Nester hatten einen Durchmesser von rund 75 Zentimetern und eine Tiefe von etwa 15 Zentimetern. Sie enthielten jeweils durchschnittlich mehr als 1700 Eier, die meist von einem ausgewachsenen Fisch bewacht wurden. Die Forscher fanden auch leere und unbewachte Nester. Im Schnitt befand sich ein Nest auf drei Quadratmetern.

Die Kolonie liegt in einem Bereich des Weddellmeeres, in dem aufgrund von aufsteigendem, warmem Tiefenwasser die Wassertemperatur am Boden etwa zwei Grad über der Temperatur in angrenzenden Bereichen liegt. Messungen ergaben zudem, dass die Primärproduktion in der Region überdurchschnittlich hoch ist - Pflanzen, Algen und Bakterien dort also besonders viel Biomasse aufbauten.

Wichtige Rolle im Nahrungsnetz der Region

Die Brutkolonie spiele vermutlich eine wichtige Rolle im Nahrungsnetz der Region, schreiben die Wissenschaftler. Sie sahen in der Umgebung der Nester zahlreiche tote Fische, die vermutlich anderen Meeresbewohnern als Nahrung dienen. Tatsächlich zeigen Daten, dass Weddellrobben in dem Meeresbereich häufig auf Jagd gehen.

"Wir wissen das aus historischen Daten und den aktuellen Daten unserer Expedition", erläutert Purser. "Die Nester befinden sich genau dort, wo das wärmere Wasser aufsteigt. Diese Tatsachen können Zufall sein, und es sind weitere Untersuchungen erforderlich, aber die aufgezeichneten Daten zeigen, dass die Robben tatsächlich in die Tiefen der Fischnester tauchen und sich von diesen Fischen ernähren."

Kameras zur weiteren Erforschung installiert

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Um die Biologie des Ökosystems weiter zu erforschen, haben die Wissenschaftler Kamerasysteme angebracht, die bis zur Rückkehr des Forschungsschiffs Aufnahmen von der Kolonie machen. Sie sehen ihre Entdeckung als weiteren Beleg für die Notwendigkeit, ein Meeresschutzgebiet im Weddellmeer einzurichten.

"Bisher haben die Abgeschiedenheit und die schwierigen Meereisbedingungen in diesem südlichsten Bereich des Weddellmeeres das Gebiet geschützt, aber angesichts des zunehmenden Drucks auf die Ozeane und die Polarregionen sollten wir beim Meeresschutz viel ehrgeiziger sein", sagt AWI-Direktorin Antje Boetius. Deutschland und andere Mitglieder der Kommission zur Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis (CCAMLR) sollten dafür sorgen, dass dort auch in Zukunft keine Fischerei und ausschließlich nicht-invasive Forschung stattfinde.

Quelle: ntv.de, Anja Garms, dpa

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