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Entstehung des Schaltjahres Wie ein Papst den Kalender in Takt brachte

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Der Schalttag bringt den Lauf der Himmelskörper und unseren Kalender in Einklang.

(Foto: picture alliance / Rainer Jensen)

Bald ist es wieder so weit: Der Februar erhält einen zusätzlichen Tag. Ohne ihn käme unsere kosmische Ordnung ziemlich durcheinander. Dass wir Weihnachten nicht im Frühling feiern müssen, verdanken wir nicht nur Julius Cäsar, sondern auch einem Kirchenoberhaupt mit Reformgeist.

Nur alle vier Jahre steht er im Kalender: der 29. Februar. Seine Existenz hat kosmische Gründe. Der Schalttag bringt den Lauf der Himmelskörper und unseren Kalender in Einklang. Denn die Erde braucht nicht genau 365 Tage, um einmal die Sonne zu umrunden, sondern knapp sechs Stunden mehr. Nach vier Jahren summieren sich die übrig gebliebenen sechs Stunden zu einem vollen Tag, der irgendwo im kalendarischen Jahr untergebracht werden muss. Doch wie kam es dazu, dass gerade der 29. Februar zum Schalttag wurde?

Der Ursprung liegt in der Antike. Im alten Rom endete das Jahr lange Zeit im Februar, während es mit dem Martius (März) begann. Unser heutiger zwölfter Monat war der zehnte, daher heißt er auch Dezember - vom lateinischen Wort "decem", zehn. "Der alte römische Kalender war ein Mondkalender. Zwölf Mondmonate, jeweils von Vollmond zu Vollmond, ergeben 354 Tage", erklärt Astronom Manfred Gaida vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. "Da elf Tage zum Sonnenjahr fehlten, hat man damals alle zwei Jahre einen ganzen Schaltmonat eingefügt, abwechselnd mit 22 und 23 Tagen." Damit sollte der Kalender dem Sonnenstand angeglichen werden. Allerdings wurde mit dem Zeitpunkt des Schaltmonats willkürlich umgegangen. Heute wäre so eine Vorgehensweise unvorstellbar.

Der Julianische Kalender

Da es so aber auch damals zu Verwirrungen kam, reformierte Gaius Julius Cäsar im Jahr 45 vor Christus den römischen Kalender. Er legte den Jahresanfang auf den ersten Januar fest, bestimmte zudem, dass das Kalenderjahr 365 Tage haben soll und führte alle vier Jahre einen Schalttag ein. "Das war ursprünglich nicht der 29. Februar, sondern der 24. Februar in Anlehnung an den vorjulianischen römischen Kalender, bei dem der Februar am 23. Tag endete.", fügt Gaida hinzu.

Mit der Einführung des Julianischen Kalenders berücksichtigte Cäsar zwar, dass die Erde etwas mehr als 365 Tage braucht, um die Sonne einmal zu umrunden. Jedoch nicht, dass es nicht sechs Stunden, sondern nur fünf Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden sind. Die übrig gebliebenen 11 Minuten und 14 Sekunden wurden einfach ignoriert. Somit war der Julianische Kalender zu schnell.

Diese scheinbar kleine Abweichung summierte sich mit der Zeit: Bis ins Jahr 1582 hatte sich der Kalender um mehr als zehn Tage verschoben. Die Tagundnachtgleiche, die eigentlich auf den 21. März festgelegt war, fiel 1582 auf den 10. März.

Papst Gregor XIII. als Reformator

Das fiel besonders ins Gewicht, als das Christentum als Staatsreligion Fuß fasste. "Den Christen ist das Osterfest besonders wichtig", erklärt Astronom Gaida. Dieses sollte am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond gefeiert werden. "Dafür musste man allerdings genau wissen, wann Frühlingsanfang ist." Doch mit der alten Julianischen Kalenderregel wanderte der Frühlingsanfang und somit das von ihm zeitlich abhängige Osterfest immer weiter auf Weihnachten zu.

Abhilfe schaffte Papst Gregor XIII.: Er strich im Jahr 1582 zehn Tage aus dem Oktober (nach dem 4. Oktober kam direkt der 15. Oktober) und brachte so den Kalender wieder in seinen Takt. Außerdem legte Papst Gregor XIII. fest, dass in 400 Jahren drei Schaltjahre ausfallen - sonst hätte sich der Kalender langfristig erneut verschoben.

Somit gilt seitdem der Gregorianische Kalender: Das durchschnittliche Jahr ist mit 365,2425 Tagen nur noch wenige Sekunden zu kurz für die astronomische Realität. Erst im Jahr 3000 oder 4000 müsse man sich wieder Gedanken machen, ob man nicht einen zusätzlichen Tag einführt, sagt der Astronom.

Um herauszubekommen, bei welchem Jahr es sich um ein Schaltjahr handelt, kann man nach folgender Formel vorgehen:

  • Das Jahr muss durch vier teilbar sein.
  • Alle Jahre, die glatt durch 100 teilbar sind, gelten zum Ausgleich nicht als Schaltjahre. Dazu gehören zum Beispiel die Jahre 1700, 1800 und 1900.
  • Allerdings gibt es auch eine Ausnahme: Ist das Jahr durch 100 und durch 400 teilbar, dann handelt es sich um ein Schaltjahr. 1600, 2000 und 2400 sind somit Schaltjahre.

Quelle: ntv.de