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Immunzellen opfern sichWie ein Parasit im Gehirn erfolgreich bekämpft wird

17.02.2026, 12:08 Uhr
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Die Grafik zeigt Toxoplasma gondii, die Erreger der potenziellen tödlichen Toxoplasmose. (Foto: picture alliance / Visually / Brain light)

Toxoplasmose ist weitverbreitet. Rund 80 Prozent der Menschen in Deutschland stecken sich im Laufe ihres Lebens mit dem Erreger an, der für immungeschwächte Personen tödlich sein kann. Ein Forschungsteam bekommt nun heraus, wie sich der Körper gegen den Parasiten wehrt, wenn er bereits im Gehirn ist.

Toxoplasmose-Erreger, die bis ins Gehirn vordringen können, werden mit einem ausgeklügelten Trick des Immunsystems in Schach gehalten. Das hat ein Forschungsteam der University of Virginia in Charlottesville herausgefunden. Durch den Mechanismus, der bei Mäusen beobachtet wurde, wird das Gehirn derer, die an Toxoplasmose erkranken, vor den potenziell tödlichen Parasiten geschützt.

Toxoplasma gondii infiziert Warmblüter und wird typischerweise von Katzen oder durch den Verzehr kontaminierter Lebensmittel oder unzureichend gegarten Fleisches auf den Menschen übertragen. Ist er einmal im Körper, breitet sich der Parasit aus und kann sich dauerhaft im Gehirn ansiedeln. Fachleuten zufolge ist ein Drittel der Weltbevölkerung mit Toxoplasma infiziert. Die meisten Menschen entwickeln jedoch keine oder nur milde Krankheitszeichen, die denen einer Grippe ähneln und schnell wieder abklingen. Danach ist man immun. Gefährlich ist Toxoplasmose vor allem für Personen mit geschwächtem Immunsystem und ungeborene Kinder.

Enzym zur Selbstzerstörung

Bei der Untersuchung mit Mäusen im Labor fanden die Forschenden einen Stoff mit dem Namen Caspase-8. Dieses bereits bekannte Enzym ist ein wichtiger Regulator des Immunsystems, das unter anderem die Aufgabe hat, Zellen zur Selbstzerstörung zu veranlassen. Es zeigte sich, dass Mäuse, denen dieser Stoff fehlte, wesentlich mehr Toxoplasmose-Parasiten im Gehirn hatten als Mäuse, die das Enzym in sich trugen. Die Mäuse ohne Enzym starben schließlich wegen des Erregers, während die anderen Mäuse weiter ein normales Leben führten.

Das Team wollte nun wissen, wie genau das Enzym wirkt. Sie sahen, dass die T-Zellen des Immunsystems Caspase-8 in sich trugen. Diese Immunzellen wurden zunächst von Toxoplasma gondii infiziert und starben schließlich mit ihm ab. Dieser spezielle Mechanismus war bisher nicht bekannt. Bisher wusste man, dass T-Zellen infizierte Zellen zerstören können oder andere Zellen dazu anregen, den Parasiten zu vernichten. "Da Toxoplasma-Parasiten auf das Überleben in Zellen angewiesen sind, bedeutet der Tod der Wirtszelle das Ende für den Parasiten", erklärte Tajie Harris, die an der Studie beteiligt war, laut einer Mitteilung der Uni.

Die Ergebnisse sind für die Forschenden ein wichtiger Hinweis darauf, welche Rolle dieses Enzyms für die allgemeine Bekämpfung von Krankheitserregern im Körper spielt. "Das Verständnis der Immunantwort gegen Toxoplasma ist aus mehreren Gründen wichtig. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sind anfällig für diese Infektion und wir verstehen nun besser, warum und wie wir Patienten im Kampf gegen diese Infektion unterstützen können", wird Harris zitiert. Die Ergebnisse der Untersuchung wurden im Fachmagazin "Science Advances" veröffentlicht.

Quelle: ntv.de, jaz

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