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Stadt oder Land? Wo Ambrosia so richtig aggressiv sind

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Ambrosia kann selbst bei Menschen, die keine Allergie haben allergische Reaktionen wie Naselaufen und tränende Augen hervorrufen.

(Foto: imago/ITAR-TASS)

Im Juli beginnt die Ambrosia-Saison. Die Pollen der Pflanze gehören zu den stärksten Allergieauslösern. Um laufender Nase und geschwollen Augen zu entfliehen, favorisieren Allergiker meist eher das Stadtleben. Doch so sinnvoll ist das gar nicht.

Eigentlich klingt es so logisch: Ambrosia-Allergiker sollten besser in der Stadt leben als auf dem Land. Denn auf dem Land gibt es jede Menge ungemähte Wiesen und folglich etliche Exemplare der hoch allergenen Pflanze. Ihre Pollen lauern also an jeder Ecke. In der Stadt haben es die Pflanzen indes deutlicher schwerer, zu gedeihen. Eine Erleichterung also für Allergiker? "Nein", sagt Biologin Ulrike Frank im Gespräch mit n-tv.de. "Die Stadt bereitet Allergikern mehr Probleme." Denn ob eine Ambrosia-Pflanze in der Stadt oder auf dem Land wächst und Pollen produziert, ist ein Unterschied.

Frank arbeitet am Helmholtz-Zentrum in München und forscht dort mit der Pflanze. Das hat auch einen besonderen Grund: "Ambrosia ist das stärkste Pollenallergen, das wir kennen", erklärt sie. Sie gilt mittlerweile als Hauptauslöser für Allergien. Sie produziert bis zu 60.000 Samen, die bis zu 40 Jahre lang keimfähig bleiben. Sie kann bis zu eine Milliarde Pollen entwickeln. Mit dem Wind werden diese 100 Kilometer weit verbreitet. Die Pollen sind so aggressiv, dass sie nicht nur Allergikern das Leben schwer machen. Es sind auch Fälle von Nicht-Allergikern bekannt, bei denen durch Ambrosiapollen Asthma-Symptome auftraten.

In der Stadt bereitet Ambrosia noch mehr Probleme: Als Unkraut am Straßenrand wird die Pflanze so richtig aggressiv. Denn Stickstoffdioxid (NO2) aus Abgasen verursacht Stress bei dem Unkraut. Dadurch wird die Protein-Zusammensetzung der Pollen verändert, haben die Wissenschaftler des Helmholtz Zentrums herausgefunden. Ähnliches ergaben Studien an verschiedenen Baumarten, die auch dem Gemisch aus Luftschadstoffen ausgesetzt waren. Sie produzierten ebenfalls Pollen mit höherem allergenen Potential. Für den Allergiker bedeutet das: Er reagiert nicht nur schneller auf die umherfliegenden Pollen, sondern auch heftiger.

Klimawandel verschärft Problem

Solche Befunde, da ist sich Frank sicher, sprechen dafür, dass die Situation insbesondere in den Städten für Allergiker in Zukunft noch schlimmer werden wird. In Städten ist die Durchschnittstemperatur durch die versiegelten Böden ohnehin höher als auf dem Land.

Zudem wird sie weiter steigen, denn durch den Klimawandel wird es wärmer. Wissenschaftler gehen von einer Erderwärmung um 1,4 Grad bis 2050 aus. Forscher der Medizinischen Universität Wien haben diesen Wert zu Grunde gelegt, um herauszufinden, was das für Allergiker bedeutet. Sie kamen zu dem Schluss, dass sich die Zahl der Menschen, die wegen Ambrosia-Pollen an Heuschnupfen leiden, in 35 Jahren mehr als verdoppeln wird. Bislang gilt für Ambrosia eine Blütezeit von Juli bis Oktober. Doch aufgrund höherer Temperaturen gehen Wissenschaftler davon aus, dass die Blüte künftig früher beginnt und die Pollensaison insgesamt länger dauern wird.

Aufhalten können Allergiker die Entwicklung immer aggressiver werdender Pollen zwar nicht. Aber es gibt Möglichkeiten wenigstens die Symptome zu lindern. So können sie mehrfach täglich das Gesicht reinigen, Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer ausziehen und ein Mal täglich die Haare waschen. "Die Vermeidungsstrategie ist die beste Strategie", sagt Ulrike Frank. Die Biologin hat ebenfalls Tipps: "Allergiker sollten zum Beispiel Sport an vielbefahrenen Straßen meiden. Ansonsten helfen auch Partikelmasken." Und wer sein Fenster nicht den ganzen Tag über geschlossen halten möchte, könne zudem Pollenschutzflies an den Fenstern anbringen.

Quelle: n-tv.de

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