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Feinstaub durch FeuerwerkWo am Neujahrsmorgen dicke Luft herrscht

01.01.2026, 11:04 Uhr Laura-StresingVon Laura Stresing
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Rauchschwaden ziehen über einen mit abgebranntem Feuerwerk verdreckten Platz. (Foto: picture alliance / imageBROKER)

Der erste Tag des Jahres ist oft der Tag mit der höchsten Luftverschmutzung. Denn mit dem Silvester-Feuerwerk gelangt jede Menge Feinstaub in die Atmosphäre. Eine Auswertung von Luftqualitätsdaten zeigt, wo Stunden nach dem Jahreswechsel noch immer dicke Luft herrscht.

Viele Deutsche haben es zu Silvester wieder krachen lassen - mit ausgelassenen Partys und viel Feuerwerk. Die Spuren der Feierlichkeiten sind am Neujahrsmorgen kaum zu übersehen. Vor allem in den Städten bleiben die Überreste von abgebrannten Böllern und Raketen oft auf den Straßen liegen, bis die Einsatzteams der Stadtreinigung ausgerückt sind.

Auch in der Luft wirkt das Feuerwerk zum Teil noch lange nach, wie Daten des Umweltbundesamtes (UBA) zeigen. Demnach verzeichnen vor allem die Messstationen im Süden Deutschlands am Morgen des 1. Januar erhöhte Feinstaubwerte. Zum Beispiel Tübingen in Baden-Württemberg: An der Mühlstraße lag die PM10-Konzentration gegen 8 Uhr morgens noch immer bei 80 Mikrogramm pro Kubikmeter (µg/m³). Zum Vergleich: Die mittlere Konzentration in deutschen Städten betrug 2024 etwa 15 µg/m³.

Berücksichtigt man alle stündlich gemessenen Werte seit Mitternacht ergibt sich für den Standort in Tübingen ein rechnerischer Mittelwert von etwa 125 µg/m³. Das ist deutlich erhöht und gilt als potenziell gesundheitsschädlich: Ein Tagesmittel (über 24 Stunden) von mehr als 50 µg/m³ geht als Grenzwertüberschreitung in die Statistik des Umweltbundesamtes ein.

Dabei sind solche Spitzenwerte selten: An vielen Messstationen ist der 1. Januar einer der wenigen Tage im Jahr, an denen die Feinstaubbelastung mit PM10-Partikeln kurzzeitig auf ein bedenkliches Niveau ansteigt. Die Schwebeteilchen mit einem Durchmesser von weniger als zehn Mikrometern (also 0,01 Millimetern) entstehen unter anderem durch das Abbrennen von Feuerwerk und können bei einer ungünstigen Wetterlage lange in der Luft verbleiben.

Luft bleibt zum Jahreswechsel vergleichsweise sauber

Die unten stehenden Karten zeigen die Tagesmittelwerte, die nach dem Silvester-Feuerwerk in den Vorjahren gemessen wurden. Über das Dropdown-Menü lassen sich die unterschiedlichen Jahrgänge anwählen. Der Vergleich macht deutlich: Eine sehr hohe Feinstaubbelastung zu Neujahr ist in den meisten Jahren vor allem ein lokales Phänomen. Der Norden Deutschlands ist dabei seltener betroffen als der Süden und städtische Zentren leuchten öfter rot auf als ländliche Regionen.

Dass die Städte in ganz Deutschland zu Neujahr in einen stundenlangen Böllernebel eingehüllt waren, gab es zuletzt im Jahr 2020. Eine solche Dunstglocke blieb in diesem Jahr zum Glück aus: Die Nacht zum 1. Januar 2026 war recht windig. Vor allem im Norden und Osten wurden die Feuerwerksrückstände dadurch schnell verteilt.

In der stündlichen Auswertung wird deutlich, wie die PM10-Konzentration gegen Mitternacht extrem ansteigt. Am Messstandort im Münchener Stadtzentrum wurden kurzzeitig Werte von fast 800 µg/m³ verzeichnet. Wie schnell die Feinstaubbelastung wieder abklingt, hängt vor allem von den Wetterverhältnissen ab. In diesem Jahr hilft der Wind an vielen Orten, die Schadstoffe rasch zu verteilen. Spitzenwerte von 1000 µg/m³ und mehr, die in früheren Jahren keine Seltenheit waren, blieben dieses Mal weitgehend aus.

Das Umweltbundesamt schätzt, dass allein durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern pro Jahr rund 2050 Tonnen Feinstaub freigesetzt werden, der größte Teil davon in der Silvesternacht. Das entspricht knapp einem Prozent der jährlichen Gesamtemissionen, die sonst beispielsweise von Verkehr, Holzheizungen, Landwirtschaft und Industrie verursacht werden. Bei den noch kleineren PM2,5-Partikeln sind es rund zwei Prozent.

Dabei können die kurzen, aber extremen Feinstaubspitzen durch das Silvester-Feuerwerk durchaus gesundheitsschädlich sein und die Atemwege reizen. Gefährdet sind vor allem Kinder, Ältere und Menschen mit einer chronischen Erkrankung, wie etwa Asthmatiker. Hinzu kommen eine hohe Verletzungsgefahr, Lärm und Müll - was nicht nur die Mitmenschen, sondern auch Tiere und Umwelt belastet.

Es gibt gute Gründe, auf das Silvester-Feuerwerk zu verzichten. Zur Luftverschmutzung in Deutschland trägt die Pyrotechnik insgesamt aber nur zu einem kleinen Teil bei. Zum Vergleich: Allein durch den Straßenverkehr und Holzöfen fallen jeweils 10 bis 20 Prozent der jährlichen PM10-Emissionen an. Gerade in den Wintermonaten lässt sich immer wieder beobachten, wie sich die Luftqualität bei ungünstiger Wetterlage massiv verschlechtert - denn anders als das Silvester-Feuerwerk werden die Kaminöfen nicht nur an einem Tag im Jahr angezündet.

Quelle: ntv.de

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