Wissen
Der Gemeine Holzbock ist die häufigste Zeckenart in Deutschland. Hier ein hungriges Exemplar (links) und ein sattes (rechts).
Der Gemeine Holzbock ist die häufigste Zeckenart in Deutschland. Hier ein hungriges Exemplar (links) und ein sattes (rechts).(Foto: imago/Frank Sorge)
Montag, 02. April 2018

Sie krabbeln wieder: Zecken: alles, was man wissen sollte

Von Andrea Schorsch

Ab etwa 8 Grad Celsius werden sie wieder aktiv: Die Zeckenzeit beginnt. Die Winzlinge können es in sich haben. Sie sind als Überträger von FSME und Borreliose bekannt. Zehn Fragen, zehn Antworten zu den gefürchteten Blutsaugern.

1. Geht von jeder Zecke eine Gefahr aus?

Nein, nicht jede einzelne Zecke trägt Krankheitserreger in sich. Die am häufigsten durch Zecken übertragene Erkrankung ist die Lyme-Borreliose, die von bestimmten Bakterien, den Borrelien, ausgelöst wird. Schätzungen zufolge sind 5 bis 30 Prozent der Zecken mit Borrelien infiziert. Untersuchungen aus Deutschland und der Schweiz zeigen, dass nach einem Zeckenstich bei bis zu 5,6 Prozent der betroffenen Menschen eine Borrelien-Infektion nachgewiesen werden konnte. Bei ihnen hatte man entsprechende Antikörper im Blut gefunden. Erkrankt aber ist nur ein kleiner Teil der Infizierten: Insgesamt sei bei 0,3 bis 1,4 Prozent der Zeckenstiche mit Borreliose-Symptomen zu rechnen, heißt es beim Robert-Koch-Institut.

FSME-Viren werden von deutlich weniger Zecken übertragen. Selbst in den Risikogebieten für die Frühsommer-Meningoenzephalitis sind nur 0,1 bis 5 Prozent der Zecken von FSME-Viren befallen. Sollte es tatsächlich eine von diesen sein, die sich auf der eigenen Haut festgesetzt hat, heißt auch das nicht zwangsläufig, dass man krank wird. Bei 100 Menschen, die von einer FSME-infizierten Zecke gebissen werden, bricht die Krankheit Experten zufolge bei 30 aus. Im vergangenen Jahr waren laut Robert-Koch-Institut knapp 500 Menschen in Deutschland von FSME betroffen.

2. Wo sind die FSME-Risikogebiete in Deutschland?

In Baden-Württemberg und Bayern, aber auch im südlichen Hessen (Odenwald) und im südöstlichen Thüringen ist das Risiko einer Infektion mit FSME besonders hoch. Zu den aktuellen Gefahrenzonen gehören außerdem die Landkreise Marburg-Biedenkopf in Hessen, der Saar-Pfalz-Kreis im Saarland, Birkenfeld in Rheinland-Pfalz und der Vogtlandkreis in Sachsen. Allerdings wurden 2017 auch im westlichen Niedersachsen und in Berlin einzelne FSME-Erkrankungen registriert.

3. Hat auch Borreliose regionale Schwerpunkte?

Video

Nein, Borreliose übertragen Zecken deutschlandweit. Deswegen sollte man immer und überall ein waches Auge auf Zecken haben – auch wenn man nicht in einem FSME-Risikogebiet unterwegs ist.

4. Was können FSME-Viren und Borrelien beim Menschen anrichten?

Treten nach einem Zeckenbiss Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen oder Abgeschlagenheit auf, kann das auf eine Borreliose hindeuten. Charakteristisch ist zudem die Wanderröte: eine sich ringförmig ausbreitende Hautrötung. Später können Nervenlähmungen, Hirnhautentzündungen oder entzündliche Schwellungen der Knie- und Sprunggelenke auftreten. Gegen Borreliose kann man sich nicht impfen lassen, das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist: Borreliose lässt sich mit Antibiotika behandeln.

Auch eine FSME-Infektion äußert sich – wenn überhaupt Symptome auftreten – zunächst grippeähnlich. Bei schweren Verläufen können FSME-Viren eine Entzündung des Gehirns, der Hirnhäute oder des Rückenmarks hervorrufen. Die schlechte Nachricht hier: Es gibt kein Medikament, das gegen die Viruserkrankung hilft. Die gute Nachricht: Gegen FSME kann man sich impfen lassen.

5. Wer sollte sich impfen lassen?

Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in Köln, empfiehlt den Impfschutz gegen FSME allen Menschen, die in einem Risikogebiet wohnen oder arbeiten und sich in der Natur aufhalten. "Auch wer Urlaub in einem solchen Gebiet plant, sollte sich rechtzeitig impfen lassen", sagt sie.

6. Wann ist eine Impfung "rechtzeitig"?

Bilderserie

Der beste Zeitpunkt ist der Februar oder März, sagen Ärzte. Um längerfristig vor FSME geschützt zu sein, wird man innerhalb eines bestimmten Zeitraumes dreimal geimpft. Ein bis drei Monate nach dem ersten Pikser erfolgt der zweite, dann dauert es etwa zwei Wochen, bis der Impfschutz einsetzt. Zunächst besteht er aber nur kurzfristig. Für einen längeren Schutz ist fünf bis zwölf Monate später ein dritter Pikser fällig. Die erste Auffrischung steht dann nach drei Jahren an.

Will man allerdings nur mal eben die Ferien im Süden verbringen, lässt sich das Prozedere abkürzen. In diesem Fall ist eine Schnellimmunisierung möglich. Aber auch für die muss man mindestens drei Wochen einplanen. Dann geht man also spätestens drei Wochen vor dem Urlaub für die erste Impfung zum Arzt und erhält spätestens eine Woche vor dem Urlaub noch eine zweite.

7. Wie schützt man sich vor Zeckenstichen?

Da eine Impfung nur gegen FSME, nicht aber gegen Borreliose möglich ist, empfehlen sich lange Hosen und langärmlige Oberteile sowie Strümpfe und feste Schuhe, wenn man durch Wiesen und Wälder streift. Auch zeckenabweisende Mittel bieten einen kurzzeitigen Schutz. Dennoch kommt man nach einem solchen Ausflug nicht umhin, Körper und Kleidung nach Zecken abzusuchen.

8. Welche Körperstellen bevorzugen Zecken?

Nachdem sie eine Weile auf dem Körper herumgelaufen sind, fangen Zecken dort an zu saugen, wo sie sich geschützt fühlen. Das kann im Prinzip am ganzen Körper sein. Aber oft sind sie am Haaransatz oder an den Ohren zu finden oder auch an Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, im Genitalbereich oder in der Kniekehle.

9. Wie schnell sollten Zecken entfernt werden?

So schnell wie möglich. FSME-Viren können schon kurz nach dem Einstich übertragen werden, denn sie befinden sich in der Speicheldrüse der Zecke. Borreliose-Erreger hingegen wandern erst 12 bis 48 Stunden nach dem Einstich durch den Rüssel der Zecke in den menschlichen Körper. Die Gefahr einer Borreliose-Infektion lässt sich also stark reduzieren, wenn man die Zecke früh entdeckt und rasch entfernt.

10. Wie wird man Zecken am besten los? 

Mit einer Zeckenzange, Zeckenkarte oder auch einer Pinzette. Hat man nichts davon zur Hand, tun es auch die Fingernägel. Klebstoff und Öl hingegen empfehlen sich nicht. Denn bevor die Zecke an diesen Stoffen erstickt, gerät sie in Panik und erbricht sich. Etwaige Erreger gelangen dabei unmittelbar in die Stichstelle hinein. Wichtig ist, die Zecke in ihrem Kopfbereich möglichst nah an der Einstichstelle zu fassen. "Dehnen Sie die Haut vorsichtig im Bereich der Zecke, fassen Sie die Zecke im Kopfbereich so nah wie möglich an der Haut und ziehen Sie sie dann senkrecht vorsichtig heraus", rät Ulrich Fegeler vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Köln. Wenn der Zug eine gute Minute anhält, ist es meist geschafft und die Zecke löst sich. Auf Drehbewegungen sollte man verzichten, denn sie können dazu führen, dass die Zecke zerreißt und ihr Kopf in der Wunde verbleibt. Und noch etwas ist zu berücksichtigen: Der Zeckenkörper sollte nicht gedrückt oder gequetscht werden. Erregerhaltige Flüssigkeit würde sonst leicht aus dem Zeckenleib in die Stichstelle und damit in die menschliche Blutbahn gelangen.

Quelle: n-tv.de