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Neurologische Komplikationen Zika könnte weitere Krankheit auslösen

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Das mikroskopische Bild des Zika-Virus.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Das Zika-Virus kann zu Schädelfehlbildungen bei Ungeborenen führen. Ansonsten verläuft eine Infektion unbemerkt oder nur mit milden Symptomen ab – außer, es treten Komplikationen auf.

Ein internationales Wissenschaftlerteam hat eine weitere neurologische Erkrankung als Folge einer akuten Zika-Infektion identifiziert. Die sogenannte sensorische Neuropathie reiht sich damit in eine Liste von neurologischen Komplikationen, die im Zusammenhang mit dem Zika-Virus auftreten können. Darunter das sogenannte Guillain-Barré-Syndrom, dessen Fallzahlen in 18 Ländern auffällig stark ansteigen.

"Eine Häufung von Fällen des Guillain-Barré-Syndromes im Zusammenhang mit Zika-Infektionen sind ebenso dokumentiert wie der dramatische Anstieg eines Syndroms, das sich vor allem bei der Ansteckung von Ungeborenen im Mutterleib entwickelt und das insbesondere mit Mikrozephalie und Fehlbildungen des Gehirns einhergeht. Auch andere neurologische Folgen von Zika-Infektionen wurden berichtet, etwa Fälle von Meningoenzephalitis oder akuter Myelitis", erklärt Professor John England von der School of Medicine in New Orleans und Vorsitzender der neue gebildeten Arbeitsgruppe der Weltförderation für Neurologie.

Der erste Fall seiner Art

Die Forscher haben zum Ziel, Behandler von Zika-Patienten weltweit bewusst zu machen, dass eine Zika-Infektion, die normalerweise ganz ohne oder nur mit milden Symptomen einhergeht, neurologische Komplikationen, wie zum Beispiel eine sensorische Polyneuropathie, auslösen kann. In dem gerade veröffentlichten Bericht der Wissenschaftler ist der erste Fall dieser Art beschrieben.

Aktuellen Zahlen der WHO zufolge meldeten zum 25. August 2016 bereits 70 Staaten und Territorien eine anhaltende Übertragung von Zika-Infektionen durch Stechmücken. Seit Februar 2016 haben elf Länder, darunter Deutschland, Frankreich und Spanien, Übertragungen von Mensch zu Mensch berichtet. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich dabei um sexuelle Übertragungen. Mikrozephalie und andere Missbildungen von Föten, die mit einer Zika-Infektion in Verbindung stehen können, wurden in mittlerweile bereits 20 Ländern registriert. Alle Zahlen steigen laufend an.

Auch in Deutschland immer mehr Zika-Fälle

Auch die Zahl der Zika-Infizierten in Deutschland erhöht sich ständig. 99 der insgesamt 146 bekannten Zika-Infektionen in Deutschland seien seit Beginn der Meldepflicht am 1. Mai dieses Jahres registriert worden, teilte das Robert Koch-Institut in Berlin auf Anfrage mit. Die übrigen Fälle stammen aus dem Zeitraum ab Oktober 2015.

"Die Infektion mit dem Zika-Virus entwickelt sich zunehmend zu einem neuen neuropathologischen Problem, weil ganz unterschiedliche Komplikationen auftreten können", fasst England die Ergebnisse der Untersuchung zusammen. Die Gruppe der Wissenschaftler aus Honduras, Venezuela und den USA hatte sich im Rahmen der Zika-Arbeitsgruppe der Weltförderation für Neurologie gebildet, um aufzuklären.

Quelle: ntv.de, jaz/dpa