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Eine halbe Million Betroffene Zu viele Schmerzmittel verstärken Kopfweh

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Bei Kopfschmerzen versprechen Medikamente schnelle Linderung.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Jeder hat mal Kopfschmerzen. Da greift man schnell zur Tablette. Wer das allerdings zu oft tut, unterstützt sein Kopfweh damit und gerät in einen Teufelskreis. Doch das muss nicht sein, betonen Kopfschmerzexperten und raten zur Prävention.

Mindestens eine halbe Million Menschen in Deutschland haben durch Schmerz- oder Migränemittel verursachtes Kopfweh. Davon gehen zumindest die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) aus. "Die meisten Patienten ahnen nicht, dass Schmerztabletten die Schmerzursache sein können", sagte Hans-Christoph Diener, Kopfschmerzexperte der DGN, laut einer Mitteilung. Menschen, die häufig Kopfschmerzen haben, sollten vorbeugend aktiv werden, um nicht in einen Teufelskreis von Schmerzen und Medikation zu kommen.

Bei häufigen Kopfschmerzen und Migräne versprechen Medikamente schnelle Linderung. Zu häufig eingenommen oder zu hoch dosiert können sie das Leiden aber noch verstärken und eine chronische Krankheit verursachen. Von chronischem Kopfschmerz durch Übergebrauch von Medikamenten sprechen Ärzte unter anderem, wenn Kopfschmerz-Patienten über mindestens drei Monate an mindestens 15 Tagen im Monat Kopfschmerzen haben und an mehr als 14 Tagen Schmerzmittel einnehmen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Lieber vorher aktiv werden

DGN und DMKG stellten gemeinsam eine neue Leitlinie zudem Thema vor. "Unkomplizierte Migräne oder Kopfschmerz vom Spannungstyp können Patienten vielfach selbst behandeln", betont Stefanie Förderreuther, Präsidentin der DMKHG. Eine vorbeugenden Behandlung von Kopfschmerzen kann aus Ausdauersport, Entspannung und Stressmanagement, aber auch Medikamenten bestehen."Viele Patienten wissen schlicht nicht, dass man vorbeugend gegen Kopfschmerzen vorgehen kann. Das ist einfach nicht in den Köpfen der Menschen. Das liegt unter anderem daran, dass sie in der Werbung nur die Akutbehandlung von Kopfschmerzen sehen. Für vorbeugende, in der Regel verschreibungspflichtige Medikamente darf dagegen nicht geworben werden."

Tabletten sollten "nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat" eingenommen werden, riet die Neurologin. Die meisten Patienten könnten ihre Schmerzen mit ärztlicher oder psychotherapeutischer Hilfe in den Griff bekommen. Sind alle anderen Alternativen ausgeschöpft, kann auch ein Medikamentenentzug gemacht werden. Auch der Kopfschmerz, der durch Medikamentenübergebrauch hervorgerufen wird, sei behandelbar, schreiben die Mediziner.

Quelle: n-tv.de, jaz/dpa

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