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Die "neuen sieben Naturwunder" stehen fest - und fest steht auch, dass schon die Auswahl der "Finalisten" ein wenig überraschend war.
Grönland und die Antarktis etwa waren ebenso wenig vertreten wie Russland oder die Volksrepublik China. Aus Afrika gab es ganze zwei Finalisten.
Wer wollte, konnte per Internet, Telefon und SMS in aller Welt über die sieben Sieger entscheiden. Ende der Abstimmung war, der Würde des Votings angemessen, am 11.11.2011 um - da kommen Sie nie drauf - 11.11 Uhr Greenwich-Zeit.
Die Auszählung, so wird auf der Internetseite der Kampagne betont, sei nur vorläufig. Die endgültigen Gewinner sollen erst Anfang 2012 bei der "offiziellen Inaugurationszeremonie" verkündet werden.
Wie dem auch sei. Unter den Gewinnern ist der Amazonas. Ihn braucht man kaum vorzustellen: längster Fluss Südamerikas, zweitlängster Fluss der Welt, sein Regenwald ist die "Lunge der Erde", bedroht ist sie dennoch - das gilt auch für einige der anderen Naturwunder.
Die Halong-Bucht im Golf von Tonkin in Vietnam besteht aus Hunderten von Kalkfelsen und Inseln. Der vietnamesische Name der Bucht lautet Vinh Ha Long: Bucht des untertauchenden Drachens. Ein passender Name, denn der Tourismus sorgt dafür, dass dieses einzigartige Ökosystem langsam zerstört wird.
An der Grenze zwischen Brasilien und Argentinien liegen die Iguazú-Wasserfälle - 20 größere, 255 kleinere Wasserfälle. "Arme Niagarafälle!", soll die US-amerikanische First Lady Eleanor Roosevelt ausgerufen haben, als sie die Wasserfälle zum ersten Mal sah.
Die Insel Jejudo ist die größte südkoreanische Insel. In ihrer Mitte liegt ein erloschener Vulkan mit Kratersee. Gut eine halbe Million Menschen leben auf der Insel.
Im indonesischen Nationalpark Komodo leben die berühmten Komodowarane, aber auch zahlreiche andere Tiere. Schließlich erstreckt sich der Nationalpark über drei Inseln.
Nur auf einer philippinischen Insel - auf Palawan - liegt der Puerto Princesa Subterranean River National Park. Vor allem wegen des Untergrundflusses strömen die Touristen hierher. Präsident Benigno Aquino höchstselbst rief die Bürger dazu auf, für Puerto Princesa abzustimmen.
In Südafrika warb Friedensnobelpreisträger und Bischof Desmond Tutu in ganzseitigen Zeitungsanzeigen und Fernsehspots für den Tafelberg. Tourismusminister Alan Winde sagte, "ein Sieg für den Tafelberg wäre ein enormer Gewinn für den südafrikanischen Tourismus". (Im Bild ist das WM-Stadion gut zu erkennen.)
Medienwirksam segelte der Politiker mit einem Gleitschirmflieger vom "Signal Hill" unterhalb des Berges herunter. Er rechnete bei einem Sieg mit zusätzlichen Einnahmen in Höhe von umgerechnet 130 Millionen Euro sowie Arbeitsplätzen für 11.000 Menschen.
Organisiert wurde die Abstimmung von dem Schweizer Abenteurer Bernard Weber. Bereits 2007 hatte Weber die "neuen Weltwunder" wählen lassen. Nach eigenen Angaben geht es ihm um den Schutz der Denkmäler und Naturschätze.
Damit kommen wir zu den Verlierern der Endrunde. Der Salto Angel in Venezuela ist der welthöchste Wasserfall. Benannt wurde er nach dem Bruchpiloten, der ihn 1933 entdeckte.
Das Besondere an der kanadischen Bay of Fundy ist der große Unterschied zwischen Ebbe und Flut - es sind 16 bis 21 Meter Differenz, der größte Tidenunterschied der Welt.
Die Insel Bu Tinah gehört zu Abu Dhabi und ist für Touristen gesperrt.
Die Cliffs of Moher an der irischen Westküste sind spektakulär. Wenn es nicht neblig ist und man sie sehen kann. Aber das gilt ja für das ganze wunderschöne Land.
Ebenfalls nicht genügend Stimmen bekam das Tote Meer. Hier eine Aktion des Fotografen Spencer Tunick.
Der Regenwald El Yunque liegt in Puerto Rico und ist eines der ältesten Schutzgebiete der Welt.
Auf den Galapagos-Inseln im Pazifik leben unter anderem diese zwei Blaufußtölpel.
Den Grand-Canyon-Nationalpark gibt es seit 1919. Die Schlucht im Norden des US-Bundesstaates Arizona ist 450 Kilometer lang.
Das Great Barrier Reef vor der nordöstlichen Küste Australiens ist gleich dreifach bedroht: durch die Erwärmung der Meere, von Schiffsankern und von Abwässern. Zum "Naturwunder" hat es dennoch nicht gereicht.
Die Jeita-Grotten im Libanon bestehen aus mehreren miteinander verbundenen Tropfsteinhöhlen.
Im Oktober waren Präsident Michel Suleiman und Premierminister Najib Mikati hier, um die Libanesen zur Teilnahme an der Wahl zu bewegen.
Der Kilimandscharo, der höchste Berg Afrikas, liegt im Norden von Tansania.
Das Staatsgebiet der Malediven besteht zu 90 Prozent aus Wasserfläche - Tendenz steigend. Die höchste Erhebung liegt nicht einmal zweieinhalb Meter über dem Meeresspiegel.
Im Vorfeld der Klimakonferenz von Kopenhagen veranstaltete Präsident Mohamed Nasheed die weltweit erste Unterwasserkabinettssitzung. Das Kabinett unterzeichnete dabei einen Appell an die Welt, die Treibhausgase zu reduzieren.
Sundarbans in Bangladesch und Indien ist einer der größten Mangrovenwälder der Erde. Hier lebt der vom Aussterben bedrohte Bengalische Tiger. Teile der Landschaft im Delta von Ganges, Brahmaputra und Meghna werden regelmäßig überflutet - durch den Klimawandel immer stärker und immer häufiger.
Die Ureinwohner nennen ihn Uluru. Weltweit ist der Felsen als Ayers Rock bekannt. Was auf den meisten Fotos übrigens nicht zu sehen ist, sind die vielen Autos der Touristen, die kommen, um sich den Hügel anzuschauen.
Der Vesuv ist noch immer aktiv. Er hat den Untergang von Pompeji zu verantworten.
Auch schöne, aber weniger spektakuläre Orte waren nominiert: Die masurische Seenplatte in Polen.
Das Matterhorn in der Schweiz.
Der Milford Sound in Neuseeland.
Schlammvulkane in Aserbaidschan.
Der Yu Shan, der größte Berg Taiwans.
Die Nominierung des Schwarzwalds sorgte selbst dort für Kopfschütteln, große Gewinnchancen rechnete man sich nicht aus. "Und wir sind heilfroh darüber", sagte Wolfgang Weiler, Sprecher von Schwarzwald Tourismus.
Dass man zu den bedeutendsten sieben Naturwundern der Erde gehöre, sei nicht "glaubwürdig zu vermitteln". Man habe zwar wunderbare Natur zu bieten, aber sei eben kein Weltwunder.
Bereits als Weber vor vier Jahren die sieben "neuen Weltwunder" in Lissabon verkünden ließ, regte sich Kritik an der Initiative. Auch dieses Mal geht die Unesco als Hüterin des Weltnaturerbes auf Abstand: "Das ist eine reine PR-Aktion und vollkommen belanglos für uns", erklärte der Pressesprecher des deutschen Unesco-Komitees, Dieter Offenhäußler.
"Wenn wir uns mit Tourismus beschäftigen, dann mit nachhaltigem. Das ist eine ganze andere Orientierung", so Offenhäußler.
Tatsächlich ist offen, ob eine wachsender Besucheransturm den nominierten Regionen gut tut oder eher schadet - gerade wenn die Natur dort ohnehin bedroht ist, wie etwa der Regenwald im Amazonasbecken. Tourismus-Veranstalter dagegen können die Gewinner nun mit einem neuen Label vermarkten.
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