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Was passierte mit MH370? Haben Experten jahrelang an der falschen Stelle gesucht?
Was passierte mit MH370? Haben Experten jahrelang an der falschen Stelle gesucht?(Foto: REUTERS)

Die MH370-Tragödie: Experten bringen neue Theorie ins Spiel

Flug MH370 bleibt verschollen. Millionen Dollar wurden ausgegeben, um ein Gebiet so groß wie Griechenland abzusuchen. Erstmals sprechen nun auch beteiligte Experten davon, dass die Boeing möglicherweise gar nicht abgestürzt, sondern ins Meer geglitten ist.

Das Mysterium um Flug MH370 dauert an. Zwei Jahre und vier Monate ist die Boeing der Malaysia-Airline schon verschwunden. Und bis auf ein paar verkrustete Trümmerteile, die vor Afrika aufgetaucht sind, haben die Ermittler herzlich wenig vorzuweisen. 137 Millionen Dollar wurden in die Suche bislang investiert, das Gebiet im Indischen Ozean westlich von Perth ist fast abgesucht.

Experten einer niederländischen Firma, die an der Suche beteiligt sind, vermuten nun, dass MH370 möglicherweise nicht abgestürzt, sondern im Sinkflug ins Meer geglitten ist. Falls diese Annahme stimmt, wäre über zwei Jahre lang an falscher Stelle gesucht worden.

Die Boeing war am 8. März 2014 mit 239 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking verschwunden. Seitdem haben Suchteams unter der Leitung der niederländischen Firma Fugro mehr als 120.000 Quadratkilometer, ein Gebiet von der Größe Griechenlands, durchforstet. Ohne Erfolg.

"Wenn es nicht dort ist, bedeutet das, dass es woanders ist", sagte Fugro-Projektdirektor Paul Kennedy. Möglich sei zwar, dass extreme Bedingungen ein Auffinden der Maschine unmöglich machten. Wahrscheinlicher sei aber, dass das Flugzeug im Gleitflug weiter gekommen sei als bislang angenommen. Wenn jemand die Maschine noch gesteuert habe, "hätte sie eine lange Strecke gleiten können", so Kennedy weiter - "auch über unser Suchgebiet hinaus". Die Maschine könnte laut Kennedy noch knapp 200 Kilometer im Gleitflug zurückgelegt haben. Erfahrene Piloten nennen etwas geringere Distanzen.

Gleitflugtheorie hat bislang wenig Fans

Zweifel am Suchgebiet dürften Forderungen stärken, alle Informationen zu der Operation öffentlich zu machen. Nur so könnten auch andere Firmen und sonstige Interessierte sich ein klares Bild machen und eventuell wertvolle Hinweise geben - zumal die Gleitflugtheorie mit jemandem am Steuer der Maschine nun erstmals von jemandem in Betracht gezogen wird, der offiziell an der Suche beteiligt ist.

Es wird spekuliert, ob ein Pilot oder eine andere Person die Maschine noch steuerten, als sie abstürzte - oder ob alle Insassen zu dem Zeitpunkt schon bewusstlos oder tot waren. Unklar ist auch, ob jemand möglicherweise die Transponder der Maschine manipulierte, sodass sie unter Umständen noch Tausende Kilometer weit flog, ohne nachverfolgt werden zu können. Die Gleitflugtheorie hat beim Hersteller Boeing und den Flugsicherheitsbehörden der USA, Großbritanniens und Australiens keine Anhänger.

Bringt das Wrackteil Aufschluss?

Die Äußerungen Kennedys könnten vom Wunsch der Firma Fugro motiviert sein, die Suche fortzusetzen. Eigentlich hatten sich die Verkehrsminister von Malaysia, China und Australien darauf geeinigt, die Operation angesichts fehlender Fortschritte einzustellen. China ist dabei, weil die meisten Passagiere aus China stammten, Australien, weil es die Suche koordiniert. Doch das geplante Treffen wurde in letzter Minute verschoben. Gastgeber Malaysia wollte keine Angaben über die Hintergründe machen. Aus der Behörde für Zivilluftfahrt verlautete, dass der chinesische Minister verhindert war.

Es könnte aber auch damit zu tun haben, dass Luftfahrtexperten in Australien eines der größten bislang angeschwemmten Wrackteile unter die Lupe genommen haben. Es handelt sich offenbar um eine Landeklappe, wie die Koordinationsstelle in Canberra mitteilte. Das mehr als zwei Meter lange Teil war im Juni in Tansania in Ostafrika angespült worden. Das liegt Tausende Kilometer von der angenommenen Absturzregion entfernt. Strömungsmodelle zeigen aber, dass Trümmer aus dem Indischen Ozean westlich von Perth in Australien so weit getrieben sein könnten.

Das Treffen so heißt es jetzt, werde am kommenden Freitag in Kuala Lumpur stattfinden.

Quelle: n-tv.de

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