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Da war die Welt noch in Ordnung: Timur (l.) und Amur.
Da war die Welt noch in Ordnung: Timur (l.) und Amur.(Foto: imago/ITAR-TASS)

Zoff in der Tier-WG: Ziege Timur bringt Tiger Amur zum Ausrasten

Auf Lachen folgt Weinen: Mehr als eine Stunde traktiert eine Ziege in Russland ihren Mitbewohner - einen Tiger. Irgendwann reicht es der Raubkatze und sie packt den Paarhufer. Eine Zurechtweisung muss sein, meinen die Tierpfleger - und suchen eine neue Mitbewohnerin.

Es ist eine Tiergeschichte fürs Herz: Im Zoo nahe der russischen Hafenstadt Wladiwostok leben seit einigen Wochen der Tiger Amur und die Ziege Timur zusammen in einem Gehege. Eigentlich sollte Timur nur für Abwechslung auf dem Speiseplan der Raubkatze sorgen. Doch offenbar brachte Amur es Ende November nicht übers Herz, die Ziege zu fressen. Fortan jedenfalls lebten beide medien- und publikumswirksam zusammen. Doch nun könnte alles ganz anders kommen.

Die beiden Tiere sind nämlich in Streit geraten. Über die Folgen gehen die Berichte derzeit noch auseinander. Gesichert ist indes folgender Ablauf: Amur, der Tiger, hat Timur, die Ziege, am Genick gepackt und von einem Hügel des gemeinsamen Geheges im Safaripark Primorje geschleudert, wie die Agentur Ria Nowosti meldet. Doch offenbar kam in Amur nicht das Raubtier durch, sondern vielmehr lagen die Nerven blank. Denn Timur habe seinen WG-Partner eine Stunde lang mit den Hörnern gestoßen und mit den Hufen getreten, sagte der Zooleiter Dmitri Mesenzew. "Ich bewundere in dieser Situation die Geduld von Amur, der so lange nachsichtig mit dem frech gewordenen Timur war". Schließlich sei der Tiger wütend geworden und habe sich gewehrt.

Partnerin gesucht - Fotos erbeten

Doch wie geht es Timur nun? Die Ziege habe Bisswunden erlitten und werde derzeit auf der Veterinärstation behandelt, berichtet Ria Nowosti. Der behandelnde Tierarzt Alexej Anossow spricht von Wunden, die "ziemlich schwer" seien. Doch sie zeigten auch, "dass der Tiger die Ziege nicht töten, sondern zurechtweisen wollte". Amur habe sich lediglich beim Krafteinsatz verkalkuliert und seinen Freund so fest gepackt, wie ein Tigerjunges es vertrage - nicht aber ein Ziegenbock. Die Nachrichtenagentur Tass zitiert Zoodirektor Mesenzew indes mit den Worten, dass die Ziege zwar nicht verletzt sei, aber unter Schock stehe.

Einig sind sich die Berichte indes darin, dass Tierpfleger die beiden Streithähne nach dem Zwischenfall in getrennte Gehege brachten. Und damit Timur nicht so einsam bleibt, hat der Park beschlossen, ihm ein Weibchen an die Seite zu stellen - doch erneut keine Artgenossin. "Wir hoffen, dass Ziegenbesitzer uns Kandidatinnen vorstellen", sagte Mesenzew. Es sei auch möglich, Fotos von den Bewerberinnen zu schicken.

Das ungleiche Gespann bescherte dem Safaripark in der 10.000 Kilometer von Moskau entfernten Pazifikregion große Aufmerksamkeit. Weltweit berichteten Medien über Timur und Amur. Der Tierpark nutzt das für sein Marketing, hat Souvenirs der beiden anfertigen lassen und eine Kamera zur Liveübertragung aus dem Gehege installiert. Zoologen beurteilten die angebliche Freundschaft zwar von Anfang an skeptisch. Doch Zoodirektor Dmitri Mesenzew sah sie als Beweis, dass "unterschiedliche Seiten friedlich koexistieren können".

Der Tierpark hat zu dem Vorfall ein Video (Vorfall ab etwa 15:50 min) veröffentlicht - im Moment des mutmaßlichen Angriffs friert jedoch das Bild ein. Danach ist zu sehen, wie Timur den Hügel hinabhumpelt, Tiger Amur schaut ihm nach. Vier Pfleger fangen den verletzten Bock ein und bringen ihn in ein Einzelgehege, wo ihn der Tierarzt mit Arzneimitteln versorgt.

Quelle: n-tv.de

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