Politik
Ein Gläubiger in der Berliner Sehitlik-Moschee.
Ein Gläubiger in der Berliner Sehitlik-Moschee.(Foto: REUTERS)
Samstag, 17. Dezember 2016

Beck wirft Ditib Spionage vor: Türkei setzt deutsche Moscheen unter Druck

In der größten Moschee Berlins wird auf einen Schlag der gesamte Vorstand ausgetauscht - auf Weisung des türkischen Generalkonsulats. Offenbar gibt es Anweisungen aus Ankara, Mitarbeiter im Ausland genau zu prüfen.

Berliner Moscheegemeinden stehen einem Zeitungsbericht zufolge offenbar unter verstärkter Beobachtung durch die türkische Regierung. So sei überraschend auf Weisung des türkischen Generalkonsulats der siebenköpfige Vorstand der Sehitlik-Moschee in Berlin-Neukölln ausgetauscht worden, berichtete die "Berliner Zeitung". Damit sei der bisherige auf Öffentlichkeit zielende Kurs von Berlins größter Moschee infrage gestellt.

Zudem sei bekanntgeworden, dass die türkische Religionsbehörde ihre Mitarbeiter im Ausland seit September anweise, Informationen über Personen wie hiesige Imame, Lehrer und Kulturvereinsvorstände zu liefern, wenn sie dem vermeintlich existierenden Netzwerk des Predigers Fethullah Gülen zuzuordnen sind, berichtete die Zeitung. Staatschef Recep Tayyip Erdogan sieht Gülen als seinen Hauptgegner und hält ihn für den Drahtzieher des Putschversuchs im vergangenen Juli. Der Dachverband der türkischen Moscheegemeinden in Deutschland, Ditib, und das türkische Generalkonsulat reagierten laut "Berliner Zeitung" nicht auf Anfragen.

Die Anweisung an die Auslandsgemeinden, Informationen über vermeintliche Gülen-Anhänger zu liefern, liege der Zeitung vor, hieß es. Vom Verfassungsschutz werde sie als Auslandsspionage gewertet. Das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtete unterdessen, der religionspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Volker Beck, habe der Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe Material übermittelt, das nahelege, dass Imame der Ditib im Auftrag der Regierung in Ankara türkischstämmige Gläubige in Deutschland ausspionieren. Beck habe auch Strafanzeige wegen des Verdachts der geheimdienstlichen Agententätigkeit gestellt. Ditib bestreite die Vorwürfe.

Ditib ist Dachverband von etwa 900 Moscheen in Deutschland. Sämtliche Imame werden von der türkischen Religionsbehörde bezahlt.

Quelle: n-tv.de

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