Wirtschaft
"Gier ist gut": Michael Douglas in seiner Paraderolle als Gordon Gekko.
"Gier ist gut": Michael Douglas in seiner Paraderolle als Gordon Gekko.(Foto: imago stock&people)

Wider die Gier der Wall Street: "Gordon Gekko" will Sanders als Präsidenten

Von Diana Dittmer

Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Sanders hat überraschend einen Fan aus der Gier-ist-geil-Fraktion für sich gewonnen: Asher Edelman. Der Ex-Investmenthai stand einst Pate für die Hollywood-Figur Gordon Gekko.

Dass Bernie Sanders, der Präsidentschaftskandidat der Demokraten in den USA, und die legendäre Hollywood-Figur Gordon Gekko aus dem Blockbuster der 80er viel gemein hätten, kann man nicht gerade behaupten. Der eine: "demokratischer Sozialist", wie er sich selbst nennt, mit wenig Sympathie für Milliardäre. Der andere: rücksichtsloser Finanzhai an der Wall Street mit Hang zur Ausbeutung. Größer und unüberbrückbarer könnte die Gesinnungskluft kaum sein.

Doch genau aus dieser Welt des Investment-Bankings meldet sich plötzlich eine nicht unbekannte Stimme zu Wort und unterstützt den Demokraten. Asher Edelman, der vor über 30 Jahren einer der Investmentprofis war und für die Hollywood-Figur Gordon Gekko Pate stand, erklärte dem US-Sender CNBC auf die Frage, wen er als Präsidenten favorisiere: "ohne Zweifel" Sanders.

Im Hollywood-Streifen heißt es, "Gier ist gut". Sanders will genau dieser Gier im Zentrum des Kapitalismus den Garaus machen. "Wir werden eine Wirtschaft und ein politisches System nicht mehr dulden, das durch die Wall Street ausgestattet wird, um allein den wohlhabendsten US-Amerikanern auf Kosten aller anderen zu nützen", sagte Sanders erst kürzlich.

Der Hauptkonkurrent von Hillary Clinton will Reichensteuern auf das Vermögen von Millionären und Milliardären erlassen. Und er will die Macht großer Wall-Street-Banken zerstören. Dass es ihm ernst ist, daraus macht er keinen Hehl. Das lässt er unter anderem in einem Tweet, in dem er sich als Gefahr für die Wall Street outet, deutlich wissen.

Der Investment-Profi entspricht voll und ganz Sanders "Feindbild". Edelman hat sein Geld in den 80er-Jahren an der Wall Street gemacht. Die Presse nannte ihn "Hai" und den "besten" Unternehmensplünderer der damaligen Zeit, sein Gebaren war für sie der blanke "Terror". Wie Gekko im Film, kaufte Edelman Unternehmen, die in Schwierigkeiten steckten und verkaufte sie mit hohem Profit in Einzelteilen weiter - ohne Rücksicht auf Unternehmen oder Mitarbeiter.

Als er in den 80ern an der Columbia Universität lehrte, benutzte Edelman "Die Kunst des Krieges" vom chinesischen Philosophen und Generals Sun Tsu als Unterrichtslektüre. Noch heute dient das Werk angeblich ostasiatischen Managern und Militärstrategen auf der ganzen Welt als Lektüre. Laut dem Werk sind alle zur Verfügung stehenden Mittel und Flexibilität zur Erreichung eines Zieles erlaubt. Nichts könnte Sanders ferner liegen.

Warum Gier nicht gut ist

Trotzdem hat sich Edelman von dem Demokraten aus Vermont überzeugen lassen. Im Interview erklärt der Investment-Profi seinen Gesinnungswandel nicht mit guter Chemie zwischen den Männern, sondern mit handfesten ökonomischen Argumenten. Es sei relativ einfach, erklärt Edelman da. Man müsse sich nur die "Umlaufgeschwindigkeit des Geldes" anschauen. Gemeint ist, wie häufig ein Dollar in einem bestimmten Zeitraum den Besitzer wechselt. Je schneller das ist, desto stärker die Wirtschaftskraft eines Landes.

Die USA hätten ein Ungleichheitsproblem, das der Wirtschaft schade, so Edelman. Arme Menschen würden ihr Geld ausgeben, manchmal sogar mehr, als sie besäßen. Reiche Menschen dagegen würden überhaupt nicht viel von dem, was sie verdienen, ausgeben. Unterm Strich bedeute das, "der Reichtum verlagert sich an die Spitze, und die Verbraucherbasis schrumpft".

Interessanterweise provozieren die Geldpolitiker mit ihren Lockerungs-Übungen genau diese Schieflage bei der "Umlaufgeschwindigkeit" des Geldes. Alle Anstrengungen, die die Währungshüter unternehmen, um mehr Geld in die Realwirtschaft zu pumpen, gehen daher nach hinten los. Statt mehr Geld in Umlauf zu bekommen, wird es von Banken, Unternehmen und Verbrauchern zurückgehalten - statt Inflation zu generieren, besteht die ständige Gefahr einer Deflation.

Edelman heißt deshalb auch Sanders aggressiven Plan für die Banken gut. Bernie sei wohl die einzige Person, die Banken dränge, ihr Geld zu verleihen, statt damit zu spekulieren. Edelman hat die Wall Street gegen Ende der 1980er-Jahre verlassen. Seitdem arbeitet er als Kunsthändler in der Schweiz und New York.

Quelle: n-tv.de

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