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Schlägt Elektro bald Diesel?BMW i3 hat Weltpremiere - Gamechanger in seinem Fach

18.03.2026, 11:11 Uhr
imageVon Patrick Broich, Málaga/München
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Abgesehen vom progressiven Lichtwerk haben die Designer den neuen BMW i3 tendenziell evolutionär entwickelt. (Foto: BMW)

Nach dem iX3 reicht BMW den zweiten Neue-Klasse-Vertreter nach in Form der Mittelklasse-Limousine i3. Der Designer-Viertürer kommt ebenfalls mit wahnsinnig schnellem Laden sowie extremer Reichweite von bis zu 900 Kilometern. ntv.de durfte bereits einsteigen.

Gemach, gemach. Einsteigen heißt diesmal leider nicht fahren. Noch nicht jedenfalls, obwohl der Reiz groß ist. Denn wer schon den BMW iX3 mit hohem Schwerpunkt bewegen durfte, wird sich ausmalen können, wie die technisch ähnlich angelegte Limousine mit ihren flachen 1,48 Metern wohl um die Ecken wetzen wird, ohne dass der Fahrkomfort auf der Strecke bliebe.

Doch so weit ist es noch nicht, jetzt wird erst einmal statisch inspiziert. Und da fällt eine Sache ins Auge, die bisher vielleicht nicht jeder Beobachter auf dem Schirm hatte, der sich für den BMW i3 interessiert. Schon bei den getarnten Entwicklungsfahrzeugen zeichnete sich ab: Die historische Neue-Klasse-Niere würde die Limousine nicht zieren.

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Ob man die schmale Neue-Klasse-Niere des SUV iX3 schöner findet, entscheidet der persönliche Geschmack. Fancy ist jene des hier abgebildeten i3 definitiv. (Foto: BMW)

Klar, auch das berühmte Concept Vision Neue Klasse hatte schon ein anderes Gesicht als der BMW iX3, aber etwas schmerzlicher sogar mag sein, dass die Serienvariante des Hightech-Mittelklässlers aus München das viel bravere Heck hat. Fast konservativ wirkt der 4,76 Meter lange Newcomer, was jedoch durchaus wichtig ist, um die Mainstream-Zielgruppe nicht zu vergraulen. Und doch hat er etwas Progressives mit seiner Front und seinen langen, schmalen LED-Heckleuchten, zwischen denen sich die gleiche blecherne Erhebung auftut wie beim iX3 - ein cooles Design-Gimmick.

Aber da der i3 nun in live und Farbe hier steht, drängt es mich zunächst hinter das Steuer. Das Infotainment namens Panoramic iDrive mit Displayband unterhalb der Windschutzscheibe von A-Säule zu A-Säule plus 3D-Head-up-Display ist ja so weit bekannt aus dem SUV-Bruder. Da weiß der User also, was auf ihn zukommt. Eine gut zugängliche Fläche in der Mittelkonsole für induktives Smartphoneladen bekundet das Jahr 2026.

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Mit einer Außenlänge von knapp unter 4,80 Metern weist der BMW i3 typische Mittelklasse-Maße auf. (Foto: BMW)

Aber um die Frage "Lieber SUV oder Limousine?" besser beantworten zu können, darf ein kurzes Probesitzen im Fond nicht fehlen. Und um die Platzverhältnisse einzuordnen, ist ein bisschen Theorie nicht schlecht. Mit einem Radstand von exakt 2,897 Metern überrascht der BMW i3 - hätte da nicht etwas mehr drin sein können angesichts eines rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugs mit optimiertem Packaging? Zumal die auslaufende Verbrenner-Dreierreihe (Nachschub soll folgen) mit 2,85 Metern nicht viel schlechter abschneidet.

BMW i3 startet gleich mit kräftiger Allrad-Topversion

Wie dem auch sei, was steckt unter dem Blech des i3 50 xDrive? Unter dieser Kennziffer geht der neue Stromer nämlich zunächst an den Start. Analog zum iX3 beispielsweise 469 PS und 645 Newtonmeter Drehmoment, die in Tateinheit von einem elektrisch erregten Synchronmotor an der Hinterachse sowie einer Asynchronmaschine vorn erzeugt werden.

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Die neue elektrische BMW-Mittelklasse ist im Ergebnis konservativ geraten. Allerdings wirken die schmalen LED-Rückleuchten durchaus futuristisch. (Foto: BMW)

Hört man BMW zu, erfährt man, dass ein solches Aggregate-Duo handfeste Vorteile bringen soll. Denn nutzt man keinen Permanentmagneten, lässt sich das Magnetfeld variabel regeln, um flexibler auf Lastanforderungen reagieren zu können. Ein Asynchronmotor wiederum zeichnet sich durch Robustheit aus und ist resilient gegen Hitzeentwicklung. Außerdem kommt er mit unkritischen Werkstoffen wie Aluminium sowie Eisen aus.

Interessant sind in diesem Kontext ein paar Zahlen: Das Werk verspricht eine Reduktion der Energieverluste um 40 Prozent sowie 10 Prozent Gewichtsreduktion gegenüber vergleichbaren konventionellen Antriebseinheiten. Zudem soll es dem Hersteller gelingen, die Kosten gegenüber früheren Baureihen mit elektrischem Antrieb um 20 Prozent zu senken, was im Wettbewerb mit dem chinesischen Automobilbau vielleicht keine ganz schlechte Nachricht ist.

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Das innovative Panoramic iDrive ist kaum zu übersehen, das Display ist quasi omnipräsenter Bestandteil der Innenarchitektur. (Foto: BMW)

Dass es das Ziel sein soll, künftigen Elektroskeptikern die lautlose Antriebsart schmackhaft zu machen, wird offensichtlich angesichts diverser Daten. So kommunizieren die Münchener eine Reichweite von bis zu 900 Kilometern nach WLTP. Hier muss man sicherlich etwas relativieren, denn es kommt letztlich auf praxisnahe Werte bei Autobahnfahrten an, die insbesondere bei kalter Witterung stattfinden. Immerhin: Die weniger ausladende Limousine dürfte bei der Stirnfläche die Nase vorn haben im Vergleich zum iX3, und dann kommt man mit voraussichtlich über 108 kWh (gleiches Pack) eben ordentlich weit.

BMW erreicht bei der neuen Generation höhere Energiedichten als früher; die Hochvoltbatterie ist hier außerdem integraler Bestandteil der Chassisstruktur. Dass die Mittelklasse auf eine 800-Volt-Bordarchitektur setzt, ist ja fast schon selbstverständlich. Schnelles Laden trägt schließlich zur Akzeptanz elektrischer Antriebe bei. In diesem Fall sind 400 kW Peakladeleistung angesagt.

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Allzu verschwenderisch fällt der Beinraum im Fond des neuen BMW i3 nicht aus. (Foto: BMW)

Den 10-auf-80-Prozent-Wert bleibt der Hersteller dem Interessenten einstweilen schuldig, aber er kommuniziert, dass das Nachladen von 400 Kilometern binnen zehn Minuten erfolgt. Und Freunde des Wechselstromladens dürfen künftig mit 22 kW Strom ziehen, was für bestimmte Anwendungen ja eine recht angenehme Sache ist. Bidirektionales Laden ermöglicht der Neuling ebenfalls - demnach lassen sich diverse Elektrogeräte anschließen.

Fein beim i3 ist, dass er abgesehen von einer Batteriekonditionierung im Zuge der optimierten Ladeplanung auch das manuelle Vorbereiten des Akkus auf ein Ladeszenario ermöglicht. Und sonst? Ein paar Dinge erstaunen dann doch. Obwohl beim neuen Mittelklässler Licht als Designmerkmal sozusagen in seiner DNA angelegt ist, gibt es noch den "Iconic Glow" als Sonderausstattung. Dadurch soll die Niere noch mehr Tiefe entwickeln, um mal die Marketingabteilung zu zitieren.

Ob man für solcherart Spielereien Geld ausgeben möchte oder nicht, muss am Ende der persönliche Geschmack entscheiden. Verschiedene dynamische Lichtinszenierungen bilden das i-Tüpfelchen. Wer künftig BMW i3 fahren möchte, muss sich bis zum Herbst dieses Jahres gedulden. Denn dann wird er zum Kunden rollen.

Quelle: ntv.de

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