Neuheiten beim Caravan SalonFünf neue Reisemobile auf Sprinter-Basis - Allrad, Carbon und Dachzelte

Bei den Reisemobilen in der Oberklasse ist aktuell viel Bewegung drin. Viele Marken schicken auf dem Düsseldorfer Caravan Salon im hochpreisigen Segment neue Flaggschiffe an den Start. Eine der Hauptrollen spielt dabei der Mercedes Sprinter.
Es ist schon erstaunlich. Trotz heftiger Preissteigerungen in der jüngsten Vergangenheit ist die Nachfrage nach dem Mercedes Sprinter als Basisfahrzeug ungebrochen. Ja, mehr noch. Sie entwickelt sich schon zu einer regelrechten Sprinter-Mania.
Aufgrund drängender Kundenwünsche, so ist immer häufiger zu hören, setzen Hersteller vermehrt auf den Stuttgarter Transporter, auch wenn damit das Preisniveau gegenüber einem Fiat Ducato als Basis-Bestseller nochmals um gut 10.000 Euro ansteigt.
Das lässt nur den Schluss zu, dass in einem ohnehin schon hochpreisigen Segment jenseits der 100.000 Euro dieser Preissprung im Vertrauen auf eine bessere Qualität gern in Kauf genommen wird. In besonderem Maße gilt das für die Sprinter-Allradversion, die zum Haupttreiber eines generellen 4x4-Trends in der Caravaning-Branche geworden ist.
Und weil als Messeneuheit bei Mercedes das Torque-on-Demand-Allradsystem jetzt auch erstmals für vollintegrierte Fahrzeuge zur Verfügung steht, dürfte diese Entwicklung weiteren Rückenwind erhalten.
Unter den fünf ausgewählten Neuheiten aus dem Reigen der Sprinter-Reisemobile beim Düsseldorfer Caravan Salon (noch bis 6. September) ist der erste und bisher einzige 4x4-Integrierte natürlich dabei.
Kabe Imperial Ri830 Traq 4x4
Der schwedische Premium-Hersteller Kabe hat als Erster bei seiner Flaggschiff-Baureihe Imperial das Torque-on-Demand-System für die Königsklasse der Vollintegrierten umgesetzt. Doch was bedeutet das eigentlich?
Übersetzt heißt das "Drehmoment auf Abruf" und meint eine bedarfsgerechte Kraftverteilung. Das System leitet das Drehmoment genau dorthin, wo es gerade gebraucht wird, fährt bei normalen Bedingungen aber effizient mit Heckantrieb. Die Person am Lenkrad muss nichts dazu tun. Das Auto regelt alles automatisch und eigenständig innerhalb von Millisekunden, um die Stabilität und Traktion zu maximieren.
Für die skandinavische Premiummarke, die ihre Produkte auf Ganzjahrestauglichkeit und Winterfestigkeit auslegt, ist dies die ideale Ergänzung für ihr Flaggschiff. Nicht um den 260.000 Euro teuren Acht-Meter-Riesen ins Gelände zu scheuchen, sondern um für optimale Traktion auf Schnee, Schotter oder matschigen Wiesen zu sorgen. Kabe hebt damit das Sicherheitsniveau auf die nächste Ebene.
Im Innenraum geht es gewohnt luxuriös zu mit großzügigem Platzangebot. Angeboten wird das Allrad-Flaggschiff mit Einzelbetten oder mittigem Queensbett. Eine geräumige Garage gehört ebenfalls dazu.
Eura Xtura 656 HB
Der kleine Bruder des Eura 686 EF, der mit jährlich über 200 verkauften Exemplaren eine Erfolgsgeschichte schreibt, feiert ebenfalls auf dem Caravan-Salon seine Premiere. Er ist mit 6,68 Metern zwar gut 20 Zentimeter kürzer und verfügt im Heck anstelle der Einzelbetten nur über ein Querdoppelbett, bietet aber einen neuen Ansatz, mit dem der auf Abenteuer-Touren ausgelegte Teilintegrierte auf Sprinter-Basis sogar zum Familienmobil wird: Er hat serienmäßig ein Dachzelt an Bord.
Auf dem Dach eines Pkws sieht man die preisgünstige Alternative zu Wohnmobil und Caravan ja immer häufiger, sodass sich das Dachzelt sogar zu einem echten Trend in der Camping-Szene entwickelt hat. Auf dem Dach eines gestandenen Allrad-Mobils ist das dagegen neu.
Das Vickywood-Modell öffnet sich elektrisch per Knopfdruck und bietet in luftiger Höhe zwei Schlafplätze an. Das Open-Air-Feeling wird kombiniert mit robuster GfK-Schale und massiven Scherengelenken, die auch dem Einsatz in rauem Terrain standhalten.
Weil das Querbett viel weniger Raum einnimmt, wirkt der kompakte Eura-Debütant im Innenraum dennoch luftiger als der größere Bruder und sollte mit der L-Sitzgruppe, dem Küchenblock samt 135-Liter-Kühlschrank und dem Waschraum mit schwenkbarer Duschwand auch eine vierköpfige Familie komfortabel beherbergen.
In puncto Autarkie garantieren Solarzellen, zusätzliche Lithium-Batterien und ein Wechselrichter an Bord die gleiche Unabhängigkeit vom Landstrom wie beim Xtura 686 EB, die laut Eura-Angaben im Idealfall bis zu 30 Tage hält. Bei einem Grundpreis von 183.000 Euro sollte das Familien-Bankkonto freilich gut gefüllt sein.
Laika Kreos H5109 MB
Die italienische Premium-Marke Laika, die zur Erwin-Hymer-Gruppe gehört, präsentiert mit dem 8,08 Meter langen Integrierten Kreos ebenfalls ihr neues Flaggschiff. Und Kompliment: Italienisches Design verleiht in diesem Fall sogar einem großen weißen Kasten eine bemerkenswerte Eleganz.
Die Frontpartie mit dem automotiven Kühlergrill und dem Mercedes-Stern in der Mitte wirkt wie aus einem Guss und mit drei charakteristischen Exterieur-Designlinien in den Seiten-Layouts gelingt sogar noch eine Diversifizierung. Wobei die Farbe der Linienführung von markanten Mercedes- oder Sportwagen-Ikonen inspiriert sein soll, wie etwa das Türkisblau vom Petronas-Formel-1-Renner, das Rosegold von der AMG-G-Klasse und das Schwarz von einer Pagani-Flunder.
Weil der Sprinter-Triebkopf hier mit einem Alko-Tiefrahmenchassis kombiniert wird, muss sich der Kreos allerdings mit Vorderradantrieb begnügen. Serienmäßig ist der 125 kW/170 PS starke 2,0-Liter-Diesel an Bord.
Bei der Innenraum-Aufteilung unterscheidet sich der Kreos H5109 MB nicht von seinem teilintegrierten Bruder mit L-Bank-Sitzgruppe und rundem Tisch, Küche mit Mineralwerkstoff-Arbeitsplatte, großem Raumbad mit Wellness-Dusche und den Einzelbetten im Heck mit darunterliegender Garage.
Die Top-Baureihe Kreos wird künftig ausschließlich mit der Mercedes-Basis ausgeliefert. Die bisher angebotenen Ducato-Alternativen wurden gestrichen. Bemerkenswert: Der Grundpreis für den neuen H5109 MB liegt mit 170.000 Euro noch unter dem bisherigen Tarif für den Fiat-Integrierten!
Dethleffs Graneo A6823-2
Das ist tatsächlich ein eher seltener Anblick: der Mercedes Sprinter als Basis für ein Alkoven-Reisemobil. In der Oberklasse behauptet der Erker über dem Fahrerhaus weiter hartnäckig seine Daseinsberechtigung, weil in diesem Falle bei acht Metern Fahrzeuglänge ein XXL-Alkoven mit bis zu 2,17 Metern langen Längs-Einzelbetten mit komfortablem Einstieg möglich sind.
Der Dethleffs-Debütant ist das erste Modell der neuen Graneo-Baureihe, die später noch um zwei Fiat-Ducato-Reisemobile in der 3,5-Tonnen-Klasse ergänzt werden soll. Der A6823-2 wird allerdings mit 5,5 Tonnen Gesamtgewicht zugelassen und verfügt über eine entsprechend hohe Zuladekapazität.
Das Mercedes-Chassis mit Hochrahmen ermöglicht einen beheizten Doppelboden mit Warmwasserheizung und üppigen Tanks (Frischwasser 232 Liter, Abwasser 222 Liter), was wiederum für Winterfestigkeit und Ganzjahrestauglichkeit sorgt. Zwillingsbereifung für die angetriebene Hinterachse soll optimale Fahrstabilität garantieren.
Der Innenarchitektur mit der Rundumsitzgruppe im Heck, der großzügigen Kochzeile mit einem Vier-Flammen-Gasherd wie in einer Gourmetküche sowie dem vollständig abtrennbaren Raumbad- und Schlafbereich kennt man weitestgehend von den Alpa-Modellen.
Zu einem Basispreis von 170.000 Euro ist der Dethleffs-Alkoven umfangreich ausgestattet und kombiniert die mit 140 kW/190 PS stärkste Ausbaustufe des Mercedes-Dieselmotors mit dem 9G-Tronic-Automatikgetriebe.
Atlantis Carbon 4x4
Mit dem Carbon 4x4 präsentiert die noch junge italienische Manufaktur Atlantis ein ungewöhnliches Allrad-Reisemobil, das konsequent auf Reisen abseits befestigter Wege zugeschnitten ist. Herzstück ist dabei nicht allein der Allradantrieb, sondern die vollständig aus Carbonfaser gefertigte Monocoque-Kabine.
Die fugenlose Konstruktion soll bei geringem Gewicht eine hohe Steifigkeit und Widerstandsfähigkeit gegen Verwindungen bieten.
Als Basis dient der Mercedes-Benz Sprinter 419 CDI 4x4 mit 140 kW/190 PS, 9G-Tronic-Automatik und Torque-on-Demand-Allradantrieb. Bei 6,75 Metern Länge und nur 2,15 Metern Breite bleibt der Carbon 4x4 vergleichsweise kompakt.
Sehr schicke Möbel in Leichtbauweise drücken das Leergewicht zwar knapp unter die 3,5-Tonnen-Grenze, mangels Zuladung lässt er sich dennoch in diese für den B-Führerschein wichtige Gewichtsklasse einordnen.
Zwei Grundrisse mit Querbett oder Einzelbetten stehen zur Wahl, bis zu vier Personen können mitfahren. Zur Ausstattung gehören unter anderem Doppelboden, eine beheizte, große Heckgarage mit Fahrradhalterungen sowie einen 180-Liter-Frisch- und einen 135-Liter-Abwassertank. Das alles inklusive der Carbonzelle hat natürlich seinen Preis: mindestens 220.000 Euro