TÜV-Report: keine EntwarnungJedes fünfte Nutzfahrzeug hat "erhebliche Mängel"

Die Mängelquote bei Transportern und Lkw bleibt laut aktuellem TÜV-Report mit 20,3 Prozent auf hohem Niveau. Deutlich schlechter als im Durchschnitt schneidet ein Newcomer aus China ab.
Trotz eines minimalen Rückgangs bleibt die Mängelquote bei Nutzfahrzeugen in Deutschland hoch. Laut dem nun vorgestellten "TÜV-Report Nutzfahrzeuge 2026" fielen 20,3 Prozent der untersuchten Fahrzeuge mit erheblichen oder gefährlichen Mängeln durch die Hauptuntersuchung.
Im Vorjahr lag die Quote mit 20,4 Prozent nur knapp darüber, 2019 mit 19,3 Prozent hingegen noch darunter. Von einer Trendwende könne also keine Rede sein, betont der TÜV-Verband. Weiterhin zeigt jedes fünfte Nutzfahrzeug in Deutschland erhebliche Mängel auf. Grundlage der Auswertung waren rund 2,37 Millionen Hauptuntersuchungen in vier Gewichtsklassen plus Anhänger aus den Jahren 2024 und 2025.
Lkw ab 18 Tonnen am schlechtesten
Am schlechtesten schneiden erneut die schweren Lkw ab 18 Tonnen ab. Ihre Mängelquote liegt bei 21,8 Prozent nach 21,9 Prozent im vorherigen Report. Kaum besser stehen leichte Transporter bis 3,5 Tonnen mit unverändert 21,5 Prozent da. Bei Fahrzeugen zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen (leichte Lkw) sank die Quote von 20,0 auf 19,8 Prozent. Mittelschwere Lkw zwischen 7,5 und 18 Tonnen kommen mit 16,3 Prozent auf den besten Wert. Ein Jahr zuvor waren es 16,5 Prozent.
Für besondere Aufmerksamkeit sorgt erstmals ein chinesischer Newcomer. Mit dem Maxus Deliver 9 des SAIC-Konzerns taucht erstmals ein Transporter eines chinesischen Herstellers im Report auf. Sein Einstand fällt allerdings wenig schmeichelhaft aus: 33,6 Prozent der ein- bis zweijährigen Fahrzeuge fielen durch die HU. Damit landet der Maxus mit großem Abstand auf dem letzten Platz unter 27 ausgewerteten Leichttransportern in dieser Altersklasse.
Mängel an Beleuchtung besonders auffällig
Besonders auffällig sind Mängel an der Beleuchtung, aber auch bei Bremsanlage und Abgasuntersuchung liegen die Beanstandungen über dem Durchschnitt. Der TÜV versteht den Report deshalb ausdrücklich auch als Frühwarnsystem für Hersteller, um technische Schwachstellen frühzeitig abzustellen.
Wie in den Vorjahren nehmen bei Nutzfahrzeugen mit zunehmendem Alter die Probleme generell deutlich zu. Das Durchschnittsalter der deutschen Nutzfahrzeuge liegt inzwischen bei 8,9 Jahren und ist damit im Schnitt ein Jahr älter als noch vor zehn Jahren. Mehr als ein Drittel des Bestands ist mindestens zehn Jahre alt. Bei schweren Lkw erreicht die Mängelquote im Alter von zehn Jahren 28,5 Prozent, bei Transportern zwischen neun und zehn Jahren 28,1 Prozent.
Zu den typischen Schwachstellen zählen weiterhin Beleuchtung, Ölverlust an Motor und Antrieb sowie Probleme an den Achsaufhängungen. Auch hier nimmt die Häufigkeit mit dem Alter deutlich zu. So wird die hintere Beleuchtung bei zehnjährigen Nutzfahrzeugen in 11,3 Prozent der Fälle beanstandet, Ölverlust in 8,0 Prozent und die Achsaufhängung in 5,0 Prozent.
Erstmals Einblick in technische Bilanz von E-Transportern
Erstmals erlaubt der Report einen Einblick in die technische Bilanz elektrischer Transporter. Für allgemeine Aussagen zur Zuverlässigkeit von E-Nutzfahrzeugen sei die Datenbasis allerdings noch zu dünn, dafür aber die Spannweite auffällig: Unter allen untersuchten ein- bis zweijährigen Vertretern der leichten Transporter schneidet der rein elektrisch angetriebene Peugeot E-Expert mit 8,4 Prozent erheblichen Mängeln auf Rang fünf vergleichsweise gut ab, während der Mercedes E-Vito mit 19,7 Prozent nur auf Platz 26 landet. Auffällig sind dort unter anderem Probleme an Feststellbremse, Antriebswellen und Abblendlicht. Bei den drei- bis vierjährigen Fahrzeugen bildet der inzwischen nicht mehr produzierte Streetscooter mit 26,4 Prozent das Schlusslicht.
Unabhängig davon gewinnt der Elektroantrieb im Nutzfahrzeugmarkt an Bedeutung. Von Januar bis Juli 2026 entfielen knapp 13 Prozent der Neuzulassungen auf reine Elektrofahrzeuge, nach 8,7 Prozent im Vorjahreszeitraum. Als Bremsklötze für einen schnelleren Hochlauf nennt der TÜV-Verband, der elektrische Antriebe im Nutzfahrzeugsektor klar im Aufwind sieht, vor allem höhere Anschaffungskosten und eine noch unzureichende Ladeinfrastruktur.