Auto

Mehr Jeep oder Fiat? Jeep Renegade - Facelift für den Abtrünnigen

New_Jeep_Renegade_MY19_LIMITED__16_.JPG

Nach dem Facelift wirkt der Jeep Renegate nicht mehr wie ein Spielzeugauto.

Nach vier Jahren gönnt Jeep dem Renegade ein Facelift. Das bringt vor allem neue Motoren und eine weniger verspielte Optik. Ein insgesamt gelungener Eingriff der sich auch im Innenraum niederschlägt, wären da nicht die Problem mit den Polstern.

180606_Jeep_Nuova-Renegade_02.jpg

Das X in der Heckleuchtengrafik ist jetzt wesentlich unauffälliger.

Mit dem Renegade hat Jeep vor vier Jahren nicht nur sein Angebot nach unten erweitert, sondern auch erstmals gemeinsame Sache mit der Konzern-Mutter Fiat gemacht, denn die Plattform teilt er sich mit dem 500 X. Schon zum Modelljahrwechsel im Frühjahr wurde der Renegade-Innenraum renoviert, im Herbst folgt jetzt die Facelift-Version. Mit der wird die bisher arg verspielte Optik des kleinen SUV gefälliger und neue Benzin-Motoren halten Einzug. Los geht’s am 7. September, die neuen Preise will Jeep noch nicht verraten. Das noch aktuelle Modell startet bei rund 20.000 Euro.

Die drei Vierzylinder-Benziner mit einem Leistungsband von 110 PS bis 170 PS fliegen mit dem Facelift komplett aus dem Programm, stattdessen hält eine neue Aluminium-Motorengeneration Einzug. Basis ist künftig ein Dreizylinder, der es auf 120 PS bringt und 190 Newtonmeter maximales Drehmoment bereitstellt. Erhältlich ist der Einstiegsmotor nur mit Frontantrieb und einer leichtgängigen Sechsgang-Handschaltung, mit der das Ein-Liter-Motörchen leicht in den Drehzahlen gehalten werden kann. Das ist auch nötig, wenn man einigermaßen flott voran kommen will: Der Dreizylinder ist alles andere als spritzig, passt insgesamt aber recht gut zu dem 4,26 Meter langen SUV und dürfte alle Fahrer ohne Dynamik-Ansprüche zufrieden stellen. Die Geräusch-Dämmung ist den Italiener gut gelungen, gegen den etwas rauen Lauf des Dreizylinders haben sie aber auch kein Kraut gefunden.

Vierender mit überraschender Gettriebeauswahl

New_Jeep_Renegade_MY19_LIMITED__4_.JPG

Der neue Kühlergrill mit den Jeeptypischen sieben Lüftungsschlitzen wirkt wesentlich präsenter als bei Vorgänger.

Wer weiterhin einen Vierzylinder haben will, kann zukünftig zum 1.3er greifen, mit wahlweise 150 PS oder 180 PS. Überraschend ist die Getriebeauswahl: Eine Handschaltung gibt es für die beiden Vierzylinder nicht. Die ebenfalls nur frontgetriebene, schwächere Version fährt serienmäßig mit einem etwas trägen Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe vor, den stets allradgetriebenen stärkeren Otto koppelt Jeep mit einer Neungang-Wandlerautomatik.

Das Drehmoment ist bei beiden Modellen identisch, 270 Newtonmeter sorgen hier wie da für merklich flotteren Vortrieb als beim Dreizylinder. Über die Verbräuche der neuen Motoren schweigt Jeep noch. Fest steht nur, dass die Benziner alle über einen Partikelfilter verfügen. Und dass sich der Dreizylinder bei einer ersten Ausfahrt laut Bordcomputer erschreckende neun Liter für 100 Kilometer genehmigte.

Die letzten Diesel gehen an den Start

New_Jeep_Renegade_MY19_LIMITED__34_.JPG

Rustikal und aufgeräumt gibt sich de Innenraum. Nur auf den Sitzen möchte man nicht lange verweilen.

Weiterhin im Programm sind die beiden bekannten Diesel-Motoren mit 1,6 und 2,0 Liter Hubraum. Hier stehen wahlweise 120 PS, 140 PS und 170 PS zur Wahl. Allrad und die Wandlerautomatik sind auch hier für die stärkeren Modelle reserviert; die 170-PS-Version fährt immer in der Offroad-Ausstattung Trailhawk vor. Die Selbstzünder wurden für das Facelift Euro-6-D-fähig gemacht und setzen künftig damit auf AdBlue und SCR-Kat. Auch hier stehen die neuen Verbrauchswerte noch aus.

Allerdings sind die Tage der Selbstzünder im FCA-Konzern ohnehin gezählt, ab 2021 – so Firmen-Chef Sergio Marcchione – gibt es die Ölmotoren nur noch in Nutzfahrzeugen. Groß vermissen dürfte die Diesel beim Renegade, zumindest in Deutschland, sowieso niemand: Über 80 Prozent entscheiden sich hierzulande für einen Benziner, besagt die Fiat-Statistik.

Technisch alles beim Alten

An der technischen Basis hat Jeep nichts geändert, der Unterbau ist wie gehabt eher straff abgestimmt und verdaut auch flotte Kurvenfahrten problemlos; die nicht gerade direkte Lenkung empfiehlt sich dagegen für eine nicht ganz so stürmische Gangart. Auffällig ist das neue Design des Renegade, der optisch weit weniger verspielt ist als sein Vorgänger. Das liegt vor allem am neuen Kühlergrill, der deutlich präsenter wirkt; die sieben Jeep-typischen Lüftungsschlitze trägt er natürlich weiterhin. Flankiert wird er von neuen Scheinwerfern mit LED-Technik. Am Heck haben die Designer die Rückleuchten entschärft, das X in der Lichtgrafik fällt jetzt weit weniger auf als vorher.

Der aufgefrischte Innenraum wird schon seit ein paar Monaten eingebaut und wartet mit der neuesten Generation des konzerneigenen Infotainmentsystems auf, dass jetzt Apple CarPlay und Android Auto beherrscht. Hinzugekommen ist ein weiterer USB-Port für Gäste in der zweiten Reihe. Lüftungsdüsen gönnt ihnen Jeep aber weiterhin nicht. Leider gibt es auch in Sachen Sitzkomfort keine Verbesserung, nach gut einer Stunde fahrt fängt man an, unruhig auf den Sesseln umher zu rutschen. Unruhig kann man allerdings auch werden, wenn einem plötzlich ein kreischender Ton durch Mark und Bein fährt. Was ein wenig nach Brandmelder klingt, ist allerdings "nur" der Totwinkel-Warner. Apropos Fahrhilfen: Mit dem neuen Modelljahr sind Spurhalte-Assistent und Tempomat mit Geschwindigkeitserkennung immer Serie im Renegade.

Quelle: n-tv.de, Michael Gebhardt, sp-x

Mehr zum Thema