Auto

Mit der Kraft von drei Herzen Mitsubishi Outlander als Technik-Häppchen

out-1 (2).jpg

Der Mitsubishi Outlander für die Steckdose ist schon ab 39.990 Euro zu haben.

(Foto: Busse/Textfabrik)

Die Begriffe "Hybrid" und "Hype" fangen wohl nicht zufällig mit den gleichen Buchstaben an, denn zurzeit überbieten sich die Hersteller in der Präsentation elektrifizierter Pkw. Schon vergangenes Jahr brachte Mitsubishi seine Version eines SUV mit Stromanschluss auf den Markt, höchste Zeit also für einen n-tv.de-Praxistest.

In der Rangfolge der beliebtesten Mitsubishi-Modelle in Deutschland liegt der Outlander stabil auf dem dritten Platz. Dass der Hersteller gegenüber den ersten fünf Monaten 2014 in diesem Jahr eine Verdoppelung der Zulassungszahlen verzeichnen konnte, liegt nicht zuletzt an einem technologischen Leckerbissen, der seit Mitte vergangenen Jahres die Modellpalette bereichert. Der Outlander ist als Plug-In-Hybrid zu haben und gegenüber vergleichbaren Modellen anderer Hersteller hat er eine Besonderheit: Statt über zwei, verfügt er über drei Motoren, je eine Elektro-Maschine sitzt an der Vorder- und an der Hinterachse.

out-4 (2).jpg

Die umfangreiche Serienausstattung macht den Mitsubishi Outlander attraktiv.

(Foto: Busse/Textfabrik)

Ein solches Antriebskonzept ist bislang einzigartig auf dem Markt und der Outlander gehört nicht von ungefähr zu dem Bestseller im elektrifizierten Pkw-Bereich hierzulande. Der Preis von knapp 50.000 Euro für die Top-Version ist zwar kein Schnäppchen, aber er liegt deutlich unter dem, was andernorts für Hybrid-SUV vergleichbarer Größe aufgerufen wird. Man bekommt dafür ein Auto mit Komplett-Ausstattung, bei dem Leichtmetallfelgen und Lederpolster, Licht- und Regenssensor, elektrische Außenspiegel und Heckklappe, Radio-CD-Kombination, Glas-Hub-Schiebdach, Navigationssystem, Xenon-Scheinwerfer, Rückfahrkamera, Spurhalte-Assistent, Auffahr-Warnsystem und vieles mehr inklusive sind. Zusätzliche Geldausgabe ist nur für Metall- oder Perleffekt-Lack möglich.

Heckklappe wie in Zeitlupe

Die Fahrzeuglänge von 4,66 Metern erscheint nicht überdimensioniert, der Radstand von 2,67 Metern könnte auch von einer Kompakt-Limousine stammen. Die Karosserie ist übersichtlich gestaltet und die Raumaufteilung im Innern gelungen. In der zweiten Reihe herrscht mit 25 Zentimetern zwischen Sitzpolster und Vorderlehne ausreichend Beinfreiheit, die Lehnen können auch hinten in der Neigung verstellt werden. Anlass zu vorsichtiger Kritik geben lediglich die beiden großen Karosserieklappen: Vorn sollte besser eine Gasdruckfeder installiert sein, denn der Motordeckel hat ordentlich Gewicht. Die Heckklappe öffnet und schließt zwar elektrisch, aber das wie in Zeitlupe. Zum Öffnen vergehen fast zehn, zum Schließen sogar beinahe zwölf Sekunden. Zu langsam, wenn man eilig etwas einladen will. Außerdem reicht der Öffnungswinkel nur bis zu einer Schlosshöhe von 1,80 Metern, zu niedrig, um jedermann Knopfnüsse zu ersparen.

Kofferraum (2).jpg

Sperrige Ladung - kein Problem: Die Ladefläche ist 1,70 Meter tief, die Kante 71 cm niedrig.

(Foto: Busse/Textfabrik)

Durch die mehr als einen Meter breite Kofferraum-Öffnung passen auch sperrige Güter bequem hindurch und die Ladefläche ist eben. Die Ladekante ist mit 71 Zentimetern erfreulich niedrig. Der Hersteller gibt das Ladevolumen mit 451 Litern an, dabei sind die Rücksitze aufgestellt. Legt man die Lehnen um, entstehen 1460 Liter Gepäckraum. Allerdings ist die erlaubte Zuladung mit 365 Kilogramm nicht gerade üppig bemessen, bei fünf erwachsenen Insassen könnte sie bereits ausgeschöpft sein.

Bei der Innenraumgestaltung ist das Bemühen um gehobenes Wohlwohlambiente spürbar. Unterschäumte Oberflächen und Lederpolster tragen ihren Teil dazu bei. Hier und da sind jedoch auch kratzempfindliche Hartplastik-Bauteile zu erkennen, wie zum Beispiel an der Mittelkonsole. Die Bedien-Elemente sind klug platziert und übersichtlich angeordnet. Bei ausgeschalteter Zündung lassen sich die Fenster noch schließen, nicht aber das Glasdach. Die serienmäßige Sitzheizung sollte mit einer Abschaltautomatik versehen werden, da sie sonst nach dem Wiederstarten des Motors weiter heizt, auch wenn niemand den Beifahrersitz nutzt. Den Strom möchte man ja lieber zum Fahren nutzen. Trotz eines automatischen Windabweisers produziert das geöffnete Dachfenster beim Fahren störende Flattergeräusche. Der Navigations-Monitor ist nicht zu hoch platziert (neben dem Lenkrad) und wird mittels Taste und über die Touchscreen bedient.

out-7 (2).jpg

Vierzylinder und Leistungselektronik haben unter der Fronthaube Platz.

(Foto: Busse/Textfabrik)

Das aufwändige Antriebskonzept umfasst zwei Permanent-Synchronmotoren mit je 60 kW Leitung (entsprechend 82 PS) sowie einem zwei Liter großen Vierzylinder-Ottomotor, der 121 PS abgibt. Die Drehmomente der drei Aggregate sind etwa gleich hoch und liegen jeweils knapp unter 200 Newtonmeter. Zu einer etwaigen Systemleistung als Summe der einzelnen Antriebe macht Mitsubishi keine Angaben. Die Kraftübertragung erfolgt automatisch, kann aber von Hand per Lenkradpaddel geschaltet werden.

Mehr als 800 Kilometer Reichweite

Wichtiger sind dem Hersteller offenkundig die Werte eines umweltverträglichen Betriebs, und da hat der Outlander PHEV ("Plugin Hybrid Elektric Vehicle") in der Tat einiges zu bieten. Nicht nur, dass mehr als 50 Kilometer elektrischer Reichweite möglich sind (und die wurden auch bei diesem Test im Bordmonitor gesichtet), sondern auch der offizielle NEFZ-Verbrauchswert von 1,9 Litern Kraftstoff je 100 Kilometer kann sich sehen lassen. Insgesamt soll eine Reichweite von mehr als 820 Kilometern möglich sein. An der Schnellladestation kann der Lithium-Ionen-Akku in 30 Minuten wieder auf 80 Prozent gefüllt werden. Dank eines ausgeklügelten Steuerungssystems kann der Fahrer jederzeit entscheiden, ob er rein elektrisch rollen oder kontinuierlich nachladen will, ob die Rekuperationsleistung kräftig sein oder die Fuhre sanft ausrollen soll.

out-6 (2).jpg

Das aufgeräumte Cockpit im Mitsubishi Outlander ist funktionsgerecht und übersichtlich.

(Foto: Busse/Textfabrik)

Nach einem gesunden Mix aus Kurzstrecken- und Überlandfahrt errechnete der Bordcomputer bei unserem 550-km-Test einen Kraftstoff-Verbrauch von fünf Litern je 100 Kilometer. Der vom Bordsystem protokollierte Elektro-Anteil der zurück gelegten Strecke hat danach 62 Prozent betragen, pro Normdistanz muss mit einem Stromkonsum von 13,4 kWh gerechnet werden. Die nachgefüllte Menge Super-Sprit betrug allerdings 34,53 Liter, was einem Verbrauch von knapp 6,3 Litern entspricht. Für ein 1945 Kilogramm schweres SUV mit der Stirnfläche einer Kleiderkommode ist das dennoch kein schlechtes Ergebnis.

Der Fahrkomfort gibt kaum Anlass zu Tadel. Abroll- und Federungskomfort sind gut, Schlaglöcher werden souverän ausgeglichen. Lediglich bei unebener Fahrbahn überträgt sich die konstante Reizung des Fahrwerks auf den Innenraum. Windgeräusche sind selbst bei hoher Geschwindigkeit gering. Die Lenkung ist eine Idee weicher, als man sie bräuchte, Zielgenauigkeit beim Manövrieren ist dennoch kein Problem. Der Outlander ist nicht als Raser konstruiert, weshalb die elektronisch limitierte Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h in Ordnung geht. Elf Sekunden dauert es, bis die 100-km/h-Marke erreicht ist. Der Testwagen wurde auf der langen Geraden mit 170,3 km/h gemessen.

Fazit: Das technische Konzept des Mitsubishi Outlander PHEV überzeugt. Emissionsfreier Kurzstreckenverkehr beruhigt das Umwelt-Gewissen und endet an der Haushaltssteckdose, aber auch vor der Urlaubsreise gibt es mit diesem Elektro-SUV keine Reichweiten-Angst. Kleinere Schwächen fallen kaum ins Gewicht, denn Vielseitigkeit und Umweltverträglichkeit dürften den Kunden wichtiger sein. Die üppige Serienausstattung relativiert den Preis der Top-Variante.

DATENBLATTMitsubishi Outlander PHEV
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,66 / 1,80 / 1,68 m
Leergewicht (DIN)1885 kg
Sitzplätze5
Ladevolumen463 - 1472 Liter
Ladekante71 cm
MotorReihen-Vierzylinder 1998 ccm Hubraum
Getriebeautomatisch, stufenlos
Leistung90 kW/ 121 PS bri 4500 U/min
Drehmoment190 Nm bei 4500 U/min
KraftstoffartSuper bleifrei
Elektromotoren vorn und hinten2 x 82 PS und 137 Nm Drehmoment
Ladezeit  des Lithium-Ionen-Akkus bei 230 Voltca. 5 Stunden
AntriebAllrad
Höchstgeschwindigkeit170 km/h elektronisch abgeregelt
Beschleunigung 0-100 km/h11 s
Normverbrauch (kombiniert) je 100 km1,9 Liter Super und 13,4 kWh
Testverbrauch6,3 l
Tankinhalt60 l
CO2-Emissionen
(Normverbrauch)
44 g/km
EmissionsklasseEU 6 / A+
Grundpreis39.990 Euro
Preis des Testwagens49.990 Euro

Quelle: n-tv.de