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Als Turbo Wahnsinn mit 1156 PSPorsche Cayenne Electric gibts jetzt auch als Coupé

28.05.2026, 08:06 Uhr
imageVon Markus Hauf, München
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Schon ohne das optionale Sportpaket kann der Porsche Cayenne Electric einen Überholwunsch durchaus mit optischem Nachdruck vermitteln. (Foto: Porsche)

Ein Drittel aller Porsche-Cayenne-Kunden bevorzugt die Coupé-Karosserie, was angesichts des Markenerbes wenig verwundert. Konsequent, dass nun das Coupé als Erweiterung der elektrisch angetriebenen Cayenne-Palette folgt. Plus neuer Motorvariante.

Die Boomer unter den Lesern sind ja noch in dem Bewusstsein aufgewachsen, ein Porsche sei ein Porsche sei ein Porsche und ist vor allem ein Coupé. Auch die Familie Porsche hielt daran fest und bannte alles Viertürige, jahrzehntelang. Dann erzeugten die Boomer eine signifikante Anzahl von Kindern, und somit kamen auch viele Kindersitze auf. Aus den Sprösslingen wurden dann Platz fordernde Millenials.

Und wer ging auf diese Forderungen ein? Im Performance-Bereich erst mal BMW mit dem M5 (auch als Touring) und natürlich Mercedes mit dem legendären 500 E. Und eben nicht Porsche. Der Bann gegen alles Viertürige fiel hier erst spät, der Rest ist Geschichte, nämlich die des größten Erfolges der Marke Porsche überhaupt. Der Cayenne vervielfachte die Verkaufszahlen weltweit. Und heute? Sind SUV der wirtschaftliche Motor des Unternehmens. Und der Cayenne liefert sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem kleineren Bruder Macan, ebenso SUV seines Zeichens. Alles Zweitürige spielt eine Nebenrolle.

Das gilt allerdings nur hinsichtlich der Verkaufszahlen. Denn wie der Erfolg der Coupé-Version beim Cayenne zeigt: "Ein Porsche ist ein Porsche ist ein Coupé" bleibt präsent. Das Coupé zum Cayenne Electric hält sich optisch denn auch dicht bei den Verbrenner- und E-Hybrid-Versionen und lässt die Inspiration vom Kultklassiker 911 durchscheinen. Das funktioniert jedoch nur beim Blick von schräg hinten. Denn wer einem Cayenne Electric Coupé hinterherfährt, erkennt den Porsche nur, wenn der Markenschriftzug zwischen den Heckleuchten illuminiert ist.

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Die Schokoladenseite des neuen Porsche Cayenne Coupé Electric ist natürlich die Sicht von schräg hinten. Die Marken-Ikone 911 hat hier inspiriert. (Foto: Porsche)

Komfort, intuitive Bedienung und gediegener Innenraum

Sei's drum, wer einen Cayenne kauft, tut das für sich und nicht für die, die hinterherfahren. Und für sich bekommt er eine gewaltige Menge für die mindestens 109.000 Euro, nach denen die Preisliste verlangt. Übrigens sind das nur 3800 Euro mehr als für die entsprechende Version mit Verbrennermotor.

Der erste Eindruck im Porsche Cayenne Electric Coupé ist die Großzügigkeit ohne Übertreibung. Alles hat seinen Sinn, alles wirkt hochwertig, nichts scheint nur Effekt. Entsprechend ist dieser Porsche ein Auto, das sich auch in der Bedienung schnell erschließt, trotz zahlreicher Konfigurationsmöglichkeiten im Menü. Wie wichtig Porsche es dabei mit der Bedienerfreundlichkeit nimmt, zeigt sich in einem überraschend einfachen, aber extrem hilfreichen Detail. Vor dem Zentraldisplay bietet eine große stabile Auflage der Bedienerhand Unterstützung beim Antippen aller Schaltflächen und der wichtigsten haptischen Bedienelemente, ohne zu viel Aufmerksamkeit zu erfordern. Das ist hochwillkommen und anderswo kaum zu finden.

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Sehr wertige Materialien ohne Protz vermitteln echtes Porsche-Feeling. Die zahlreichen Displays täuschen, der Cayenne Electric ist nicht kompliziert in der Bedienung. (Foto: Porsche)

Es gibt jede Menge zu konfigurieren, wie zum Beispiel die stets serienmäßige Luftfederung oder den Sound. Ja, der Sound. Denn wer den Cayenne Electric zum ersten Mal fährt, könnte ihn trotz ausgezeichneter Beschleunigungsleistung durchaus bald als zu sehr Komfortlimousine und zu wenig als Porsche empfinden. Da ist es wirklich ein Spaß, der adaptiven Luftfederung mehr sportliche Straffheit und der Atmosphäre im Innenraum in zwei Stufen sonores Achtzylindergrollen beizumischen.

Auch wenn man hört, dass hier ein synthetischer Generator am Werk ist, klingt das Ganze gar nicht schlecht und nie aufdringlich. Das Gleiche gilt beim Fahrwerk. In vier Stufen vom fliegenden Teppich zu Sport Plus bedeutet nie ruppige Härte. Und immer bleiben die Karosseriebewegungen in einem derart gekonnt engen Rahmen, dass sich selbst bei sehr schnellen Kurven die Assoziation ICE anbietet. Der Cayenne bleibt unbeirrbar wie auf Schienen. Ein Erlebnis.

Die Power macht den Porsche

Ein Erlebnis ist auch das Beschleunigungsvermögen. Ist schon die Basisversion mit 442 PS kein Kind von Traurigkeit, befriedigt die neue S-Variante mit 666 PS (jetzt erstmals gefahren) selbst sehr hohe Ansprüche mühelos und souverän. Wobei die Software-Entwickler darauf geachtet haben, dass selbst unvermitteltes Durchtreten des Fahrpedals nicht die in vielen E-Autos bekannte sofortige Leistungsexplosion zur Folge hat, die im Alltag schnell lästig wird. Nein, der Cayenne S Electric moduliert seine Explosion sehr gekonnt und kultiviert und ist dabei trotzdem unverschämt schnell. In nur 3,8 Sekunden erreicht er aus dem Stand auf 100 km/h, in 12,3 Sekunden ist er schon auf 200 km/h. Und erst bei 250 km/h ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht.

Mit dieser Gentleman-Attitüde ist's beim Cayenne Turbo Electric allerdings vorbei. Solange der Fahrer moderat mit dem Pedal umgeht, bleibt der Turbo Electric zwar sehr schnell, aber umgänglich. Geht der Pedalweg jedoch plötzlich tief in Richtung Bodenblech, sollte der Fahrer seine Passagiere vorher über den geplanten Einsatz von bis zu 1156 PS informiert haben, die per Druckknopf am Lenkrad als Overboost-Modus für zehn Sekunden mobilisierbar sind.

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Jetzt wird’s ernst. Der unscheinbare Knopf im Drehschalter des Turbo heißt "Push to Pass" und entfesselt für zehn Sekunden den Overboost mit 1.156 PS. (Foto: Porsche)

Ohne jede Übertreibung: Der Kopf muss fest an der Nackenstütze anliegen, bevor der Tsunami der beiden Elektromotoren an Vorder- und Hinterachse losbricht. Die Erzählungen von ungewarnten Passagieren, denen die Brille von den Ohren fiel, erscheint mehr als nur Jägerlatein. Blitzartige 2,5 Sekunden auf 100 km/h und 7,4 Sekunden auf 200 km/h sind nichts als trockene Zahlen im Vergleich zu dem, was sich im Cayenne Turbo Electric erleben lässt. Beschleunigung ist ein schwaches Wort, um das zu beschreiben. Zoomen trifft es eher. Für Mitfahrende kann das beängstigend wirken, vor allem, wenn dieser Zoom bis weit über 230 km/h unverändert anhält und erst bei 260 km/h endet.

Ohne Overboost stehen immer noch 857 PS bereit, auch das reicht fürs Atemberauben. Bei der Probefahrt beim Händler den Turbo vor dem S oder gar vor dem Basisantrieb zu fahren, kann ein sehr teurer Fehler sein. Denn obwohl vor allem der S über jeden Zweifel erhaben ist, erscheint er gegen den Tsunami des Turbo wie ein kräftiger Herbstwind. Porsche lässt durchblicken, dass die Bestellraten für den ab 168.500 Euro teuren Turbo (als Coupé) überraschend hoch sind.

Auch das Coupé hat üppig Platz

Durchatmen, und dann geht der Blick auf pragmatischere Themen. Zur Marken-DNA von Porsche gehört traditionell immer die Alltagstauglichkeit. Schon früher wollte man Diven wie Ferrari oder Lamborghini ungern zum Brötchenholen aufwecken, während ein 911 der robustere Kumpel für den Tag war. Das gilt natürlich erst recht für den Cayenne, über dessen Platzangebot wir hier nicht viel reden müssen. Auch das Coupé hat davon üppig, was bei gut 3 Metern Radstand und 4,96 Metern Länge nicht überrascht. Im Fond herrscht kein Mangel an Fußraum, die Oberschenkel finden bequeme Auflage, die Füße passen problemlos unter den Vordersitz.

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Genug Platz im Coupé-Fond. Zwei USB-C-Ports und individuelle Klimaregler sind selbstverständlich. Wer größer ist als 1,80 Meter und einen langen Oberkörper hat, könnte in Kontakt mit dem Dachhimmel kommen. (Foto: Porsche)

Weil das Coupé serienmäßig mit einem Panorama-Glasdach ausgestattet ist, herrscht ein sehr großzügiger Raumeindruck. Allerdings werden Sitzriesen hinten Scheitelkontakt mit dem Dachhimmel bekommen können. Bis 1,80 Meter Körpergröße ist Reisen im Coupé-Fond ein Genuss.

Dass im Kofferraum weniger Gepäck zu stapeln ist als in dem des SUV, ist Folge der bewussten Entscheidung für das Coupé und wird niemanden stören. 534 bis 1347 Liter Volumen bis zur Rücksitz-Oberkante reichen fast immer aus. Beim Turbo sind es 34 Liter weniger. Unter der vorderen Haube warten zusätzlich 90 Liter Stauraum. Wer Größeres zu transportieren hat, wie zum Beispiel Pferde oder Boote, ist mit dem Cayenne Coupé Electric bestens bedient, denn er darf bis zu 3,5 Tonnen an den Haken nehmen, der Spitzenwert bei Elektroautos. Der Kumpel für den Alltag eben. Nur Vorsicht am Fahrpedal mit Fury im Gespann, sonst geht der Hengst mehr als durch.

Performance auch beim Laden

Porsche wäre nicht Porsche, wenn nicht auch bei eher rationalen Dingen wie Reichweite oder Laden das Beste gerade gut genug wäre. Natürlich agiert die 113 kWh große Batterie in einem 800-Volt-System. Mit WLTP-Verbrauchswerten (kombiniert) von 637 bis 576 Kilometern beim Turbo und 605 bis 669 Kilometern beim S Coupé Electric ist der elektrische Cayenne voll reisetauglich, auch wenn der tatsächliche Verbrauch angesichts des Leistungsangebots extrem von der Disziplin der Fahrers abhängt. Die radar- und videogesteuerte adaptive Cruise Control kann da helfen, denn sie funktioniert hervorragend, und man kann den Cayenne auf langen Strecken beim Beschleunigen ruhig sich selbst überlassen, um nicht zu oft in Versuchung zu kommen.

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Bequemer geht's nicht. Wer an seinem persönlichen Parkplatz die Porsche-Wireless-Charging-Bodenplatte installiert, braucht nur noch darüberzufahren, um den induktiven Ladevorgang mit bis zu 11 kW zu starten. (Foto: Porsche)

Geht die Reichweite dem Ende entgegen, kann mit bis zu 400 kW Gleichstrom geladen werden. Von 10 bis 80 Prozent Ladezustand geht's unter optimalen Bedingungen in 16 Minuten. Und besonders angenehm: In nur zehn Minuten können gut 300 Kilometer nachgeladen werden. Rekuperieren kann der Cayenne Electric auch, wobei er eine Rückladeleistung von bis zu 600 kW erreicht. Porschetypisch, aber nicht mittels One-Pedal-Driving, denn die Hauptleistung entfaltet sich erst beim Bremsen. In der Praxis ist es tatsächlich erstaunlich, wie stark der Cayenne Electric unter dem Bremspedal verzögert, bis schließlich die Bremsbeläge eingreifen müssen.

Ziemlich einzigartig ist auch die Fähigkeit, induktiv zu laden. Präzise über einer Porsche-Wireless-Charging-Bodenplatte geparkt, kommen bis zu 11 kW Ladeleistung im Akku an. Was uns beim Thema kontaktloses Laden irritiert hat, gilt nur fürs Smartphone. Induktiv laden können nur Eigentümer von sogenanntem Mag-Safe-Zubehör. Alles andere hält schlicht mechanisch nicht auf dem Ladepad.

Ganz ohne Zweifel ist der Porsche Cayenne Electric als Coupé die elegantere und die feinere Alternative zum SUV. Äußerlich eher zurückhaltend, überzeugt es mit gewaltigen inneren Werten als Performance-Spielzeug für Erwachsene. Trotz etwas weniger Kopffreiheit im Fond und etwas kleinerem Gepäckraum im Vergleich zum SUV kann es dennoch mehr, als die meisten, die ihn fahren werden, jemals nutzen. Dabei fasziniert er mit seiner großartigen Spannbreite von hoher Performance bis absoluter Alltagstauglichkeit. Wer kann, sollte eine Probefahrt riskieren. Aber Vorsicht: Nicht mit dem Turbo anfangen.

Quelle: ntv.de

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