Wie wärs denn mit Wasserstoff?Unterwegs im Brennstoffzellen-Crossover Hyundai Nexo
Von Patrick Broich, Kronberg im Taunus
Wer gegen Elektro ist, spricht sich häufig für Wasserstoff aus. Optionen für die Brennstoffzelle gibt es kaum eine Handvoll. Damit passt das löchrige Tankstellennetz zum Modellangebot auf dem Markt. Hyundais H2-Gefährt ist aber eine coole Kiste.
Wenn man keine Elektroautos mag und sagt, Wasserstoff wäre viel besser: Klar, gar kein Ding, es gibt ja ungefähr zwei Marken in Deutschland mit jeweils einem Brennstoffzellen-Fahrzeug im Angebot. Neben Toyota ist das Hyundai, und die Koreaner haben gerade eben wieder den Nexo neu aufgelegt. Das ist jetzt ein cooles Teil, sieht ein bisschen asiatisch-gewöhnungsbedürftig aus, aber taugt ganz sicher als fancy wirkende Familienkutsche.
Wer die spacige Front erblickt, wird sich womöglich fragen, aus welchem Science-Fiction-Film denn dieses Auto bloß entstammt. Nein, so abgehoben ist der Nexo dann doch nicht, aber anderseits schon. Spätestens beim Blick unter das Blech stellt sich heraus, dass diese Fuhre mal so gar nicht konventionell angetrieben wird. Wobei - der Antrieb selbst ist eigentlich simpel, denn er funktioniert rein elektrisch. Was viele Leute nicht wissen: Wenn man über Wasserstoff spricht, meint man in der Regel die Brennstoffzelle, die mit Wasserstoff als Energieträger Strom produziert. Es gibt zwar auch Wasserstoff-Verbrenner, aber nicht als Serien-Pkw.
So weit, so fein. Beim Nexo, der ein ganz schön stattliches Auto ist mit 4,75 Metern Außenlänge sowie 1,64 Metern Höhe, dient ein 204 PS starker Permanent-Synchronmotor als Kraftquelle; dazu gesellt sich ein Pufferspeicher mit 2,64 kWh Nettokapazität. An Wasserstoff lassen sich knapp sieben Kilogramm bunkern. Bis hierhin ist das alles fein.
Lass kurz über das Fahrgeschehen sprechen. Im Grunde fährt der Nexo nicht anders als ein batterieelektrisches Fahrzeug. Er überzeugt demnach mit seinen prompt abrufbaren 350 Newtonmetern, agiert leise und souverän. Der Sprint auf 100 km/h gelingt binnen knapp unter acht Sekunden, und 176 km/h sind in der Spritze drin. Elektroauto eben. Das Arbeiten der Brennstoffzelle dringt so gut wie überhaupt nicht in die Fahrgastkabine, man sieht es allerdings an der Grafik auf dem Display.
Und dann steht da noch etwas auf der Anzeige, das sogar recht glücklich macht neben dem vorzüglichen Platzangebot und den bequemen Sesseln: die Reichweite: satte 368 Kilometer bei einem etwas über die Hälfte gefüllten Tank. Na, das ist ein Wort, oder? Klar, aber jetzt folgt die Herausforderung. Wer den Nexo (oder ein anderes Brennstoffzellen-Auto) mit Wasserstoff betanken will, sollte die Website h2.live schon mal als Favorit abspeichern. Dahinter verbirgt sich nämlich eine interaktive Karte mit sämtlichen Wasserstofftankstellen in Europa. Und das sind gar nicht mal so viele.
Ja, man kann sich mit Wasserstoff durch die Republik hangeln. In Metropolen wie Berlin, Hamburg und München findet man eine Station. Auch in der Kölner Region strandet man kaum. Und auch im Stuttgarter Raum, Magdeburg oder Leipzig kann man danken. Aktuell zeigt die Website 159 Stationen in Europa an, dicht ist das Netz aber nicht. Und mal ehrlich, auch wenn die Reichweite das hergibt - will man 80 Kilometer zur nächsten Tankstelle gurken?
Ob sich Wasserstoff durchsetzt, ist mehr als fraglich
Warum sind außerdem so viele Experten davon überzeugt, dass sich Wasserstoff nicht durchsetzen wird? Weil der Energieverbrauch in der Flotte etwa fünfmal so hoch ist im Vergleich zum batterieelektrischen Fahrzeug. Wasserstoff will erst einmal unter Stromeinsatz erzeugt werden, um ihn dann im Auto (in der Brennstoffzelle) zurückzuverstromen. Das kostet Wirkungsgrad. Und auch Lagerung wie Transport sind energieintensiv, da Druck und Kühlung zentral sind.
Zwei Argumente im Sinne der Praxistauglichkeit sprechen wiederum für Wasserstoff. Die Energiedichte ist gut (hohe Reichweite), und man kann ihn binnen weniger Minuten tanken. Allerdings holen Batterie- und Ladetechnik rasant auf, und die Ladeinfrastruktur ist um Welten besser.
Aber abgesehen davon ist der Nexo ein solides Auto mit hohem Komfort und familientauglichem Raumangebot. Der Zweitonner besticht außerdem durch 1630 Liter Kofferraumvolumen. Mit knapp 70.000 Euro Grundpreis ist der Nexo allerdings kein ganz günstiges Vergnügen, wenngleich das Tanken wiederum Spaß macht, jedenfalls aus monetärer Sicht. Eine Füllung kostet zwischen 65 und 90 Euro und soll gut sein für rund 800 Kilometer Fahrt. Andererseits: Das geht auch mit Ladestrom bei einem klug ausgewählten Ladetarif.
Nicht überzeugt? Alternativ hat Hyundai ja auch noch konventionelle Plug-in-Hybride im Angebot. Beispielsweise in Form des nicht weniger aufregend gezeichneten Santa Fe für etwas weniger Geld (65.000 Euro). Dafür bietet dieser mit 4,83 Metern und 1,73 Metern Höhe noch mehr Auto, eine Schippe mehr Komfort und zudem mehr Leistung. Die Ingenieure haben die Systemleistung von 253 auf stattliche 288 PS erhöht, indem die Elektromaschine von 98 auf 107 PS erstarkte.
Währenddessen blieb der 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner bei 180 PS - und ihn haben die Techniker so gut gekapselt, dass man ihn innen kaum wahrnimmt. Der Fokus dieses Antriebsstrangs liegt demnach auf geschmeidigem Fortkommen und Ruhe, Kriterien, bei denen der Sechsgang-Automat auch mitspielt. Generell ist der Santa Fe eine rollende Raumoase mit bis zu sieben Sitzgelegenheiten sowie jeder Menge Luxus. Und eine Batterie mit 14 kWh Stromkapazität findet auch noch ein Plätzchen in diesem SUV.
Das Aufladen erfolgt allerdings ausschließlich mit Wechselstrom - schade, hier ist der Wettbewerb weiter und bietet auch schnelles Gleichstromladen für Plug-in-Hybride an. Und 64 Kilometer elektrische City-Reichweite sind jetzt auch nicht gerade umwerfend. Auch ist der Tankinhalt mit 47 Litern eher mickrig - macht bei rund sieben Litern Verbrauch dennoch knapp 700 Kilometer Reichweite. Diesbezüglich rangiert der 2,2 Tonnen schwere Santa Fe fast auf Augenhöhe mit dem Nexo. Schade, dass das Wasserstoff-Tankstellennetz so löchrig ist. Damit ist der Nexo bloß für eine kleine, lokal begrenzte Zielgruppe spannend. Immerhin, spannend ist er.