Auto
Selbst mit dem kleinsten Offroader von Jeep, dem Renegade, ist der Gang ins Gelände kein Problem.
Selbst mit dem kleinsten Offroader von Jeep, dem Renegade, ist der Gang ins Gelände kein Problem.(Foto: Bernd Tank)
Montag, 14. Dezember 2015

Vier Modelle - ein Traum: Wer Jeep fährt, darf das Abenteuer leben

Von Holger Preiss

Der Markt schreit nach SUV. Der Wunsch nach Mobilität wird immer mehr mit der Idee von Abenteuer und Freiheit verbunden. Ein Hersteller profitiert im Augenblick ganz besonders davon: Jeep. Denn die Offroad-Pioniere leben diesen Traum auch heute noch.

Die luxuriöseste Art der Geländefahrt bietet der Jeep Grand Cherokee.
Die luxuriöseste Art der Geländefahrt bietet der Jeep Grand Cherokee.(Foto: Holger Preiss)

Jeep stand jahrelang für Offroad schlechthin. Wenn die Rede auf geländegängige Autos kam, dann hieß es: "Der fährt einen Jeep". Mit der Erfindung des SUV änderte sich dieses Sprachbild. Jetzt subsummieren sich Autos mit der Attitüde fürs Grobe unter diesem Kürzel. Aber eigentlich ist das nicht richtig. Verbergen sich doch hier auch Fahrzeuge, die eher als Soft- denn als Offroader verortet werden müssen. Jeep hat sich dem nicht vollends angeschlossen, sondern versucht, über die Jahre dem Ruf der Wildnis treu zu bleiben. Ob das in der Vergangenheit in allen Belangen gelungen ist, sei dahingestellt. Fakt ist, dass die Marke über die Jahrzehnte ihr Gesicht gewahrt hat.

Willys prägt sie alle

Inzwischen tut sie das mit einem Portfolio von vier Fahrzeugen. Da ist der Wrangler, den die US-Amerikaner seinerzeit aus dem Ur-Jeep Willys entwickelten, der im Zweiten Weltkrieg für die Armee gebaut wurde und sich in jedem Gelände bewährt haben soll. Der Wrangler erfreut sich solcher Beliebtheit, dass die Produktionskapazitäten in Toledo im US-Bundesstaat Ohio komplett ausgeschöpft sind. Wer also ein solches Ur-Vieh sein Eigen nennen möchte, der muss Geduld haben. Jeep spricht von bis zu einem halben Jahr Wartezeit auf den Vater aller Geländewagen. Das mag natürlich auch daran liegen, dass der Einstieg in den Wrangler mit 2,8 Liter Diesel, 200 PS und Sechsgang-Handschaltung bereits ab 33.000 Euro gelingt. Wichtig war natürlich, dass der kantige Kraxler mit den runden Augen sich alle Tugenden seines Urahnen bewahrt.

Der Wrangler ist das deutlichste Zitat an die Wurzeln von Jeep.
Der Wrangler ist das deutlichste Zitat an die Wurzeln von Jeep.(Foto: Holger Preiss)

Und insofern ist der Offroader heute noch die ehrlichste Art, ein Auto dieser Couleur zu fahren. Nicht, dass es kein Automatikgetriebe oder elektrische Fensterheber gäbe, aber alles passt sich in die ursprüngliche Idee des Willys ein. So hat Klaus Busse, der bis dato für das Interieur-Design der Marken Chrysler, Jeep, Dodge und Ram verantwortlich zeichnete und seit wenigen Wochen Design-Chef aller Marken von Fiat Chrysler Automobile ist - also inzwischen auch das Äußere der Marken Fiat, Alfa, Abarth und Maserati verantwortet - akribisch darauf geachtet, dass alle Fahrzeuge, und ganz besonders der Wrangler, authentisch bleiben und das zu sehen ist, was 1941 mit dem Willys begann. Da sind kernige Umrahmungen der Luftauslässe und die Untersetzungen für Geländefahrten werden nicht elektronisch über einen Drehschalter, sondern manuell mit einem Handhebel neben der Gangschaltung aktiviert.

Die edle Art Jeep zu fahren

Allerdings gibt es den Wünschen des Publikums folgend auch noch anderes aus dem Hause Jeep. Die wohl edelste Art, sich in einem Geländewagen der Marke mit dem inzwischen italienischen Flair zu bewegen, ist der Grand Cherokee. Die amerikanische Wuchtbrumme setzt nämlich auf Luxus. Eine mit Leder bezogene Armatur, Holzintarsien und auf Wunsch warme Brauntöne, die laut Busse nicht zuletzt dem Blick auf die Natur, zum Beispiel den Grand Canyon, geschuldet sind, prägen das Innere des Wagens. Diese Wohlfühlatmosphäre hat aber nicht zur Folge, dass man den Panzer nicht auch durchs Gelände treiben kann. Wer hier auf federnde Leichtigkeit setzt, entscheidet sich für den 3.0 Liter V6 Diesel. Der schiebt die 2,4 Tonnen mit 250 PS und einer Achtgangautomatik, die 550 Newtonmeter an alle vier Räder verteilt, mit äußerster Leichtigkeit über den Asphalt. Für 65.900 Euro gibt es die Ausstattungslinie Overland. Die hat für den Preis eine Luftfederung an Bord, die den Passagieren ein ausgesprochen bequemes Reisen ermöglichen soll.

Jeep bedeutet auch immer ein bisschen Abenteuer.
Jeep bedeutet auch immer ein bisschen Abenteuer.(Foto: Holger Preiss)

Für amerikanische Maßstäbe mag das auch gelungen sein. Der gemeine Europäer fühlt sich durch die langen Übersetzungen der Federwege eher an ein Schiff erinnert. Seekrank wird man nicht, aber schnelle Lenkbewegungen und kurz aufeinander folgende Unebenheiten sind nicht des großen Amis liebstes Ding. Was sich aber trotz des wippenden Luxus allemal bewerkstelligen lässt – und hier ist auch der Grand Cherokee ganz Jeep – sind Geländefahrten. Der Böschungswinkel vorn liegt bei 34,3 Grad, die Wattiefe bei 508 Millimetern und die Bodenfreiheit reicht von 204 bis 269 Millimeter. Das genügt in der Summe, um locker über Geröll zu schaukeln, Furten zu durchqueren und abseits der Straße den Aufstieg zum Ätna zu wagen.

Wer es hier sportlich krachen lassen möchte, entscheidet sich wahrscheinlich ohnehin für den SRT. Hier paart sich ein SUV mit einem HEMI 6,4 Liter V8. So befeuert, knallt der Indianer unter lautem Donner, angetrieben von 468 Pferden, in 5,0 Sekunden an der Tempo-100-Marke vorbei und soll bis auf 257 km/h beschleunigen. Das Ganze natürlich wesentlich straffer abgefedert und kurventauglich. Preis? 83.900 Euro! Und da ist alles drin. Harman Kardon Soundanlage mit 825 Watt, Sportfahrwerk mit adaptiver Dämpferverstellung, adaptiver Allradantrieb, Sportsitze, Brembo Bremsanlage, Auffahrwarnsystem, Geschwindigkeitsregelanlage und eine elektrsiche Heckklappe. Das alles macht den roten Mann nicht nur zum Häuptling seines Stammes, sondern auch zur preiswertesten Variante, um in diesem Segment in eine solche Wuchtbrumme einzusteigen.

2018 gibt's was Neues in der Mitte

Auch im Innenraum der Fahrzeuge wird die Erinnerung an den Ur-Jeep Willys hochgehalten.
Auch im Innenraum der Fahrzeuge wird die Erinnerung an den Ur-Jeep Willys hochgehalten.(Foto: Bernd Tank)

Eine Etage darunter sortiert sich der Cherokee ein, der die erwähnte Uridee des Jeep auf eine sehr individuelle Art zitiert. Einen neuen Grand Cherokee - der dann auch Busses Federstrich tragen dürfte - wird es im Jahr 2018 geben. Der Zeitraum ist so gewählt, weil zum einen die Verkaufszahlen im Augenblick so ausgezeichnet sind, dass es keine Not tut, hier Eile zu zeigen. Zum anderen, weil Jeep mit seiner Produktion erstmals expandieren wird. Geplant ist eine Fabrik in Europa. Dann werden hier nach dem Renegade weitere Modelle gebaut. Wahrscheinlich auch das neue SUV, das Jeep bereits im kommenden Jahr zeigen wird und das sich dann im umkämpften C-Segment neben Nissan Qashqai, VW Touran oder einem Kia Sportage einordnen wird.

Wem der Cherokee, ob groß oder klein, aber zu soft ist, und wer sich doch eher vom Wrangler angezogen fühlt, aber Probleme mit dem Einstiegspreis von 36.000 Euro hat, der könnte sein Heil im Jeep Renegade finden. In der Basis gibt es den bereits ab 20.000 Euro. Das ist nicht viel Geld für ein tatsächlich auch abseits der Straße zu bewegendes SUV im B-Segment. Wer aber nicht nur den Hauch von Abenteuer spüren will, sondern tatsächlich neben befestigter Wegen fahren möchte, der sollte sich mindestens für einen 2-Liter-Diesel mit 170 PS und mit Allrad entscheiden. Noch besser für einen Trailhawk. Bei dem gibt es nämlich einen fünften Fahrmodus für felsigen Untergrund, einen Unterfahrschutz und einen erhöhten Rampenwinkel von 23,5 Grad.

Das ewige Zitat der Freiheit

Dem Jeep Renegade darf mehr zugetraut werden, als er vielleicht optisch verspricht.
Dem Jeep Renegade darf mehr zugetraut werden, als er vielleicht optisch verspricht.(Foto: Bernd Tank)

Letztlich ist es aber egal, wie die Entscheidung ausfällt. Das Ergebnis wird wenigstens optisch ein ähnliches sein wie beim Wrangler. Die Bemühung von Busse lag für alle Fahrzeuge darin, das Urvieh zu zitieren. Da ist der Rahmen für die Multimediaeinheit in der Mittelkonsole, die in allen Fahrzeugen an den Grill des Willys erinnert. Da wäre der Handgriff im Renegate, den auch der Wrangler hat und der dem Beifahrer die Chance gibt, sich im Gestühl zu halten, wenn es mal härter zur Sache geht. Schlussendlich sind da dann noch die Ostereier, die Auto-Designer so gern verstecken. Im Falle des Renegade ist es der Schriftzug "To New Adventures!", der den Startknopf rahmt. Oder die Kreuze auf den Rückleuchten, die den Kanistern entlehnt sind, die die Willys-Fahrer mitführten, um im Feld nicht liegenzubleiben.

Am Ende sind das aber alles nur optische Beigaben für das, was Jeep verkörpern will: Freiheit, Abenteuer, Authentizität und Leidenschaft. Je nach individuellen Vorlieben und persönlichem Budget. Momentan scheint diese Rechnung aufzugehen. Allein im vergangenen Jahr hat die Marke über eine Million Fahrzeuge weltweit abgesetzt. Einen Großteil davon in den USA, China und Europa. Und da der SUV-Boom seinen Höhepunkt noch immer nicht erreicht hat, wird das wohl auch in Zukunft so bleiben.

Quelle: n-tv.de