Praxistest

Grandezza der italienischen Oper Ausfahrt mit dem Maserati Gran Cabrio

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Eine der exklusivsten Möglichkeiten, offen zu fahren: Das Maserati Gran Coupé.

(Foto: Axel F. Busse)

Wer nach einem günstigen, viersitzigen Cabrio sucht, muss seit dem Aus des Beetles lange suchen. Teure Freiluft-Schlitten gibt es dagegen reichlich. Zum Beispiel das Gran Cabrio von Maserati. Der Wagen ist fast schon ein Klassiker.

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Rund 25 Sekunden braucht das Dach in jede Richtung, Fenster gehen extra.

(Foto: Axel F. Busse)

Die Messe-Premiere der offenen Version des Gran Coupés liegt bald zehn Jahre zurück. Seine Weltpremiere hatte es auf der IAA 2009. Von ehemals 440 PS wurde die Leistung des V8-Motors bis heute auf 460 PS gesteigert. Zwar hat die Marke mit dem Dreizack seit der Einführung der Modelle Ghibli und Levante auch in Deutschland ein Diesel-Übergewicht bekommen (2017 waren es 58 Prozent der Neuzulassungen), für viele aber ist der großvolumige, frei atmende Ottomotor das einzig Wahre, vor allem dann, wenn das Einkommen es erlaubt, den Preisaushängen der Tankstellen mit Ignoranz zu begegnen.

Ein Gran Cabrio kauft man sich zum Vergnügen, nicht, weil man einen fahrbaren Untersatz braucht. Den gäbe es schließlich schon für einen Zehntel des Preises. 144.320 Euro nennt die Preisliste aus Ausgangsbasis. Ein S-Klasse-Cabrio von Mercedes ist geringfügig günstiger, ein offener Bentley Continental GT erheblich teurer.

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Offen wie geschlossen von harmonischer Eleganz: So werden künftige Klassiker gebaut.

(Foto: Axel F. Busse)

Pininfarina gehört immer noch zu den weltweit ersten Adressen, wenn es um Autodesign geht. Warum, das ist am Gran Cabrio eindrucksvoll zu sehen. Immerhin ist der Zweitürer fast fünf Meter lang und zwei Meter breit, doch nichts wirkt klobig oder in den Proportionen unbeholfen. Das Gran Cabrio ist ein Edelschlitten von zeitloser Eleganz, gleichgültig, ob man ihn in geschlossenen oder offenen Zustand ansieht. Der tief angebrachte Frontgrill scheint die ankommende Luft verschlingen zu wollen, die sanft gewölbten vorderen Kotflügel könnten Erinnerungen an die legendären "Birdcage"-Rennboliden aus den 60er Jahren wecken.

Ein bisschen in die Jahre gekommen

Ein Cabriolet mit geöffnetem Verdeck schön aussehen zu lassen, ist kein Problem. Die Kunst des Designs liegt darin, eine ansprechende und harmonische Silhouette auch dann hinzubekommen, wenn die Stoffmütze aufgesetzt ist. Beim Gran Cabrio ist das perfekt gelungen. Die opernhafte Grandezza des Testwagens wurde überdies von schwarzen Akzenten in der "Bianco"-Lackierung vervollkommnet, etwa durch die Spoilerlippen an Bug und Heck, den schwarzen Leichtmetallfelgen sowie an Lufteinlässen und Endrohreinfassungen.

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Die Karbon-Schalen der vorderen Sitze sind Sonderausstattung beim Maserati Gran Cabrio.

(Foto: Axel F. Busse)

Dass der Maserati ein bisschen in die Jahre gekommen ist, merkt man schon bevor man einsteigt. Heute käme das Auto vermutlich mit Türen auf den Markt, die ohne ein Schlüsselloch auskommen. Und wahrscheinlich mit einem Schlüssel, der mittels Öse irgendwo befestigt werden kann. In der alarmgesicherten Garage des heimischen Anwesens kann er ja eh gleich im Zündschloss bleiben, denn die angeblich so moderne Praxis des Druckknopf-Startens hat im Gran Cabrio noch nicht Einzug gehalten. Die schweren, weil sehr breiten Türen könnten zudem leichtgängigere Lager vertragen, denn der übliche Stupser reicht oft nicht, um sie in dem fürs Aussteigen nötigen Winkel zu arretieren. Aber, Schwamm drüber! Die Qualität eines italienischen Sportwagens bemisst sich schließlich nicht daran, wie bequem man ein- oder aussteigen kann.

Wohl aber daran, ob und wie viel Vergnügen es bereitet, ihn zu fahren. Wer gezwungen ist, seinen Freiluft-Viersitzer in Hörweite von Nachbarn zu starten, sollte vorher schon mal Entschuldigungszettelchen in die Briefkästen werfen. Der Schlüsseldreh entfacht ein enormes Getöse, das zwar standesgemäß ist, aber von Unbeteiligten nicht immer goutiert wird. Einen Wimpernschlag später grummelt das 4,7-Liter-Triebwerk lässig vor sich hin, bereit zu neuen Fanfarenstößen aus armdicken Endrohren. 460 Pferde warten darauf, vom Zügel gelassen zu werden, je nach Wunsch im Normal- oder im Sportmodus.

Acht-Topf-Sinfonie im manuellen Modus

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Eine Synthese aus Kraft und Ästhetik: Der V8-Motor des großen Cabriolets von Maserati.

(Foto: Axel F. Busse)

Doch zunächst ist Vorsicht geboten: Eine niedrige Bauweise, die geringe Bodenfreiheit eines echten Sportwagens und 2,94 Meter Radstand vertragen sich nicht unbedingt mit Mulden und Rampen, wie sie Grundstückseinfahrten oder Parkhäuser mitunter aufweisen. Unbeabsichtigte Bodenberührungen können die Folge zu großer Vorfreude auf die erste Ausfahrt sein. Die korrekte Sitzeinstellung hat man am besten bei noch geöffneter Tür erledigt, denn der schmale Spalt, der nach ihren Schließen zwischen Verkleidung und Sitz bleibt, reicht nur noch für eine Kinderhand. Die Sicht nach hinten ist bauartbedingt mäßig. Beim Rangieren hilft die serienmäßige Rückfahrkamera.

Doch dann kann man es "krachen" lassen – und zwar im wörtlichen, nicht nur im übertragenen Sinne. Obwohl der Motor nach Herstellerangabe 4750 Umdrehungen braucht, um 520 Newtonmeter Drehmoment frei zu setzen, geht auch schon weit unter diesem Wert richtig die Post ab. Untermalt von einer souveränen Acht-Topf-Sinfonie schiebt der Maserati gewaltig an, wenn nötig, in fünf Sekunden auf 100 km/h. Um die Soundfülle in all ihren Facetten auszukosten, empfiehlt es sich, das Sechsgang-Getriebe (bei einem Nachfolger dürften es wohl acht Stufen sein) auf manuellen Modus zu stellen und per Lenkradpaddel Übersetzungen und Klangfarben zu variieren. Die Paddel sind bei Maserati traditionell fest mit der Lenksäule verbunden, was in der Eingewöhnungsphase zu Fehlgriffen an die Lenkstockhebel führen kann. Der Innenraum ist klassisch-edel eingerichtet. Wünsche nach umfangreicher Karbon-Möblierung können die Rechnung schnell um einen fünfstelligen Betrag erhöhen.

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Großes Gepäck bleibt dem Spediteur: Der Verdeckkasten reduziert den Kofferraum des Maserati Gran Cabrio auf 173 Liter.

(Foto: Axel F. Busse)

Die möglichen Fahrleistungen lassen keinen Zweifel an der Sportlichkeit des Gran Cabrios zu. Die gute Gewichtsverteilung (Motor hinter der Vorderachse) und ein Sperrdifferenzial sorgen dafür, dass die Hinterräder die Kraft verlustfrei auf die Straße bringen. Seinem Wesen nach ist der Luxusliner aber eher ein Cruiser als ein Sprinter. Dafür sprechen nicht nur die komfortable Fahrwerkabstimmung und eine Lenkung, die man sich zuweilen etwas direkter und rückmeldungsfreudiger wünschte, sondern auch die Tatsache, dass die Insassen auch ohne Windschott gut gegen Zugluft abgeschirmt sind. Wer sich sein Gran Cabrio mühsam zusammensparen musste, wird dankbar sein: Maserati berechnet dafür 960 Euro. Bei Landstraßentempo gibt es für die vorderen Passagiere jedenfalls kaum störende Wirbel, was den fahrbaren Sonnenstuhl erst richtig zum Genuss macht.

Mit zwei Personen ins Freiluft-Wochenende

Deutlich weniger als das über Land gebräuchliche Tempo muss man einhalten, will man das Dach öffnen oder schließen. Viele sportliche Cabriolets lassen dies bis 50 km/h zu, beim Gran Cabrio liegt das Limit bei 30 km/h. Luft und Sonne herein zu lassen, dauerte beim Testwagen 26,5 Sekunden, sie auszusperren eine Sekunde weniger. Sollen zusätzlich die Seitenfenster versenkt oder geschlossen werden, kommen noch mal fünf Sekunden obendrauf. Das kostbare Gefährt auch mal offen stehen zu lassen, ist zwar nicht empfehlenswert, aber möglich, denn es gibt eine gut funktionierende elektronische Innenraumüberwachung. Sie schlägt bereits an, wenn man nur mal eine Tasche auf den Rücksitz stellen will. Ist die Segeltuchhaube im Verdeckkasten verschwunden, bleiben 173 Liter Gepäckraum. Die 25 cm lichte Öffnung und die Tiefe des Staufachs von 43 cm reduzieren die verwendbaren Behältnisse. In Wochenendtrips für zwei Personen findet das große Cabrio folglich seine eigentliche Bestimmung.

Auch wenn es für eine wohl situierte Kundschaft von geringem Belang sein mag, ein Wort zum Verbrauch: Im Mittel 14,5 Liter auf 100 Kilometer, sagt Maserati. Mindestens 16 Liter sagt unser Praxistest, bei dem der Sportmodus ebenso so selten zur Anwendung kam, wie das beeindruckende Spurtvermögen. Mit 20 Litern sollte rechnen, wer die dynamischen Qualitäten für persönlichen Lustgewinn einsetzen will. Eine Start-Stopp-Automatik ist nicht vorhanden. Verbrauchsfördernd ist allerdings nicht nur eine forsche Fahrweise, sondern auch das hohe Gewicht des Viersitzers. Statt der offiziellen 1980 Kilogramm brachte der Testwagen derer 2090 auf die Waage.

Fazit: So kurzweilig und angenehm das Fahren in Maseratis großem Cabrio ist, so sehr wünschte man sich in einigen Details zeitgemäße Lösungen. Das gilt nicht zuletzt für die Ausstattung mit Assistenzsystemen. Wer nicht auf den Euro achten muss und auf Exklusivität Wert legt, ist bei diesem Cabrio genau richtig: Dass man unterwegs ein zweites Fahrzeug dieses Typs trifft, ist nämlich extrem unwahrscheinlich.

DATENBLATTMaserati Gran Cabrio
Abmessungen (Länge/Breite/Höhe)4,91 / 1,92 / 1,38 m
Radstand2,94 m
Leergewicht (DIN)2090 kg
Sitzplätze2+2
Ladevolumen173 Liter
MotorV8-Ottomotor, 4691 ccm Hubraum, Direkteinspritzung
Getriebe6-Gang-Automatik
Systemleistung Verbrennungs- und E-Motor460 PS (338 kW) bei 7000 U/min
KraftstoffartBenzin
AntriebHeckantrieb
Höchstgeschwindigkeit285 km/h
Tankvolumen75 Liter
max. Drehmoment (Systemleistung)520 Nm / ab 4750 U/min
Beschleunigung 0-100 km/h5,0 Sekunden
Normverbrauch (kombiniert)14,5 Liter (NEFZ)
Testverbrauch (kombiniert)16,1 Liter
CO2-Emission kombiniert337 g/km /EU6
Grundpreis144.320 Euro
Preis des Testwagens174.900 Euro

Quelle: n-tv.de

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