Unterhaltung

Stan Lee wird 95 Der Herr der Superhelden

dc9541930a4e16aa720a3269e08aa499.jpg

Trotz seiner 95 Jahre noch sehr aktiv: Stan Lee.

dpa

Superman ist unfehlbar, hinter der Batman-Maske steckt ein Millionär. Stan Lee stellte ihnen menschliche Helden mit Alltagsproblemen entgegen. Hunderte Figuren entwickelte er zusammen mit Zeichnern - und legte den Grundstein für den Erfolg der Marvel-Comics.

Als Stan Lee seine ersten Gehversuche als Comicautor machte, schien die Welt der Superhelden noch recht überschaubar. Zwar gab es den übermenschlichen Superman und den brennenden Human Torch. Auch der durch die Nacht huschende Batman, Green Lantern und die blitzschnellen Flash-Helden waren schon geboren. Aber aus Lee und seiner lebendigen Fantasie sprudelten neue Charaktere nur so heraus.

Heute verdanken Comicfans dem Autor, der nun 95 Jahre alt wird, Superhelden-Stars wie Iron Man, Hulk, Thor, die X-Men und die wohl bekannteste aller Marvel-Figuren: Spider-Man. "Das Wichtigste in diesen Tagen war das Cover", erinnerte sich Lee 2009 im Interview mit dem Magazin "Inc." an den täglichen Wettkampf am Zeitungskiosk. "Man musste hoffen, dass das Cover jemanden vom Kauf des Comicheftes überzeugen würde."

Seine ersten Lückenfüller-Texte in Ausgabe 3 von "Captain America" im Jahr 1941 gelten als Beginn seiner Karriere, in der Lee rund 350 Charaktere mitentwickelte. Wobei nicht immer klar ist, welchen Anteil er dabei wirklich hatte. Denn oft gab er den Zeichnern nur vage Hinweise, die diese dann mit eigenen Ideen ausfüllten. So wurde die Leistung von Künstlern wie Jack Kirby oder Steve Ditko, dem Spider-Man-Zeichner, lange verschwiegen, was auch an Lees Talent für Selbstdarstellung lag.

Echte Gefühle und Probleme

Aber er hatte einen langen Weg hinter sich. Als der Sohn rumänischer Einwanderer seine Karriere begann, griff gerade die Weltwirtschaftskrise um sich. Auch wegen der häufigen Arbeitslosigkeit seines Vaters nahm der in New York als Stanley Martin Lieber geborene Junge zu Schulzeiten erste Jobs an. Mit 17 Jahren zog er den Job beim Verlag Timely Publications an Land, der später Marvel heißen würde, und schrieb unter dem Künstlernamen Stan Lee erste Abenteuer. Die anderen zwei Mitarbeiter überwarfen sich schließlich mit dem Verleger - einem Verwandten Lees -, und so schmiss der Teenager aus der Bronx den Laden kurzerhand allein.

Für Marvel-Mitarbeiter wurden die Stunden am Zeichentisch vor allem zum Wettlauf mit dem Rivalen DC Comics. Um es mit dessen "Justice League" aufzunehmen, in der neben Superman und Batman auch Wonder Woman, Flash und Green Lantern auftauchten, entwickelte Lee zusammen mit Zeichner Jack Kirby 1961 die "Fantastic Four". Viele weitere Erfolge entstanden in den Folgejahren. Lee gab die grobe Richtung der Geschichten vor, die Zeichner gestalteten dann die Hefte.

"Ich versuchte, die Charaktere dahingehend zu entwickeln, dass sie echte Gefühle und Probleme hatten. Und es kam an", sagte Lee später. Die menschliche Seite der Helden wurde zum Markenzeichen von Marvel. Auch Superhelden sind nicht fehlerfrei, wie man in Lees Geschichten und Filmen um den blinden Daredevil, Hulk mit seinen unkontrollierten Wutausbrüchen und die gesellschaftlichen Außenseiter der X-Men bis heute sieht.

Auch den Streber Peter Parker, der als Spider-Man die Wände von Hochhäusern erklimmt, wollte Lee als "durchschnittlichen, schludrigen Jungen" erscheinen lassen. Während dieser Jedermann seine Miete nicht zahlen kann oder in der Schule als Außenseiter gilt, versteckt sich hinter DC-Held Batman der Millionär Bruce Wayne. Auch Superman kommt wie ein allmächtiger Adonis daher, der mit dem gewöhnlichen Comicfan wenig gemein hat - bei Lee war es anders.

Eine Art Superhelden-Superheld

Heute ist der Mittneunziger eine Art Superhelden-Superheld. Er hat das sogenannte Silberne Zeitalter der Comicbranche in den 1960ern, nach den Goldenen Jahren der 30er Jahre, geprägt wie kein Zweiter. Zudem legte er den Grundstein für den heutigen Erfolg des Multimedia-Konzerns Marvel. Gut verdient hat er daran allerdings nicht. "Ich war geschäftlich gesehen dumm. Ich hätte gieriger sein sollen", gestand er im vergangenen Jahr dem "Hollywood Reporter".

Die finanzielle Achterbahnfahrt des Verlags machte er mit, ohne sich in entscheidenden Momenten kräftig auszahlen zu lassen. Den kurzzeitigen Posten als Marvel-Präsident gab er bald wieder ab, um sich kreativeren Dingen zu widmen. Film-Adaptionen, Mangas, eine TV-Serie für Erwachsene namens "Stripperella" um eine Striptease-Tänzerin, Projekte für Virgin Comics und sogar für DC: Lee machte Ausflüge abseits von Marvel, blieb aber stets dessen Galionsfigur.

Das hält den Kreativkopf mit grauem Schnurrbart und Aviator-Sonnenbrille heute nicht davon ab, sich selbst zu vermarkten - als furchtloser Comic-Superheld, der dem Betrachter aus dem Bild lachend entgegenspringt. Nicht zuletzt hat er heute in jedem Film des Verlags einen kleinen Gastauftritt - an der Seite seiner Schöpfungen.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

Mehr zum Thema