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"The Alienist" mit Starbesetzung "Die Finsternis in mir"

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Als "The Alienist" versucht Daniel Brühl (r.) mysteriöse Morde an kleinen Jungen aufzuklären.

(Foto: Netflix)

Ein Serienkiller treibt sein Unwesen. Grausam schlachtet er kleine Jungs. Das Handwerk legen soll ihm ein Psychiater, "The Alienist". Den spielt Daniel Brühl und nichts erinnert dabei mehr an den jungen Mann, der einst mit "Good Bye, Lenin!" die gesamte Nation um den Finger wickelte. Brühl ist mittlerweile auch außerhalb von Deutschland ein wichtiger Name geworden und zunehmend auch in düsteren Rollen zu sehen. Dass ihm das Abgründige liegt, zeigt sich im Gespräch mit n-tv.de. Gemeinsam mit seinen Ko-Stars Dakota Fanning und Luke Evans spricht er über den Spaß am Grusel, das Lernen aus der Geschichte und die Urlaubsleiden eines Schauspielers.

n-tv.de: "The Alienist" erzählt von besonders abgründigen Morden. Kleine Jungs, die sich in Frauenkleidern prostituieren, werden übel zugerichtet. Finden Sie die menschliche Faszination in Bezug auf solche Gräueltaten befremdlich?

Luke Evans: Mein Bedarf an Grausamkeiten ist schnell gedeckt. Ich kann mir schaurige Sachen nur schlecht ansehen. Wenn ich die Wahl habe, gucke ich lieber etwas Lustiges. Vielleicht hat das etwas damit zu tun, dass ich oft düstere Charaktere spiele und mich deswegen beruflich mit abgründigen Themen konfrontieren muss. Vermutlich gibt es aber so etwas wie eine Faszination für die dunkle Seite, die wir alle in uns tragen. Sonst würde es nicht so viele Dokus über Serienmörder geben.

Dakota Fanning: Es hat einen gewissen Reiz, sich bedrohliche Dinge anzuschauen, während man sich in Sicherheit befindet. Der Körper schüttet Adrenalin aus, gleichzeitig weiß man: Alles ist ok. Menschen lassen sich gern erschrecken.

Herr Brühl, Sie haben in dem Zusammenhang einmal gesagt, Sie hätten sich schon als Kind angezogen gefühlt von düsteren Dingen. An welche Momente denken Sie dabei?

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Daniel Brühl: Ich habe mich öfter tot gestellt. Ich habe damit wohl zu einer Zeit begonnen, an die ich mich selbst nicht erinnern kann. Mit vier Jahren ging es los mit meinen gruseligen Darbietungen. Ich habe mich dabei ziemlich gut angestellt - zum Beispiel habe ich mich mit einem Föhn in die Badewanne gelegt. Ich habe mich gefreut, wenn ich meiner Mutter Angst einjagen konnte. Dann war es immerhin ein guter Auftritt! Sie hat es echt jedes Mal geglaubt. Sie hätte es besser wissen müssen …

Fanning: Sie hatte viel zu große Angst um dich, um das nicht ernst zu nehmen!

Brühl: Ja, sie ist natürlich immer völlig ausgetickt. (lacht) Ich habe düsteren Stoff einfach immer schon aufgesogen. Ich habe auch Horrorfilme geliebt - (spricht mit düsterer Stimme) den Kick, den man bekommt, wenn man sich nicht mehr sicher fühlt. Mit 12 Jahren habe ich das Licht ausgemacht und im Dunkeln mit mir selbst gesprochen, während ich darauf gewartet habe, dass meine Eltern nach Hause kommen. Der Verstand sagt einem, dass es bedrohlich werden könnte, aber man will es trotzdem ausprobieren. Das ist Instinkt und damit sehr menschlich. Ich liebe es!

In der Rolle des traumatisierten bis kauzigen Psychoanalytikers mit Gruselaura hätte man Sie erst einmal nicht vermutet ...

Brühl: Mich hat es etwas gelangweilt, in Deutschland immer wieder für die gleichen Figuren besetzt zu werden. In meinen frühen 20ern wurde ich immer als der nette Typ gesehen, der perfekte Schwiegersohn. Das bin ich nach "Good Bye, Lenin" nicht mehr losgeworden. Regisseure aus dem Ausland haben dann endlich die Finsternis in mir entdeckt. (grinst) Man will ja als Schauspieler auch immer eine gewisse Bandbreite abdecken - ich jedenfalls will das. Wobei ich gelegentlich schon gern noch in etwas freundlicheren Produktionen spielen würde. Eine Komödie wäre schön.

Aus der Vergangenheit kann man immer auch etwas für die Gegenwart lernen. "The Alienist" spielt im New York der 1890er-Jahre. Was könnte das im Fall von "The Alienist" sein?

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Fanning: Vielleicht, dass die Verhältnisse damals den heutigen in vielerlei Hinsicht ähneln. Wir betonen gerne, welche Fortschritte wir als Gesellschaft gemacht haben. Heute seien die Dinge ganz anders als damals, heißt es. Doch "The Alienist" streift viele Themen, die die Zuschauer an aktuelle Erlebnisse erinnern werden. Ich sage es nicht gern. Aber es ist tatsächlich wichtig, aus der Vergangenheit zu lernen, damit es eine bessere Zukunft geben kann. Besonders junge Menschen müssen im Blick haben, was sich zum Besseren gewendet hat und was noch nicht. Vielleicht gelingt es uns so, diese Dinge zu ändern.

Evans: Auch der geschichtliche Kontext von "The Alienist" ist spannend. Damals sind in New York so viele verschiedene Kulturen aufeinandergetroffen wie nie zuvor. Einwanderer kamen von überall auf der Welt, um ein neues Leben zu beginnen. Sie folgten dem "American Dream", doch bei ihrer Ankunft stellte sich für die meisten heraus, dass daraus wohl nichts werden würde. Unzählige Menschen lebten zusammengepfercht in Wohnblöcken. Es gab kein Gesetz gegen Kinderarbeit, Prostitution war weit verbreitet. Es gab wahnsinnig viel Korruption. All dies ist in "The Alienst" ziemlich authentisch abgebildet - obwohl es sich um eine fiktionale Geschichte handelt. Der Zuschauer kann etwas lernen.

Brühl: Ich wusste zum Beispiel vorher nicht, dass Theodore Roosevelt Chef der New Yorker Polizei war, ehe er Präsident der USA wurde.

"The Alienist" wurde in Budapest gedreht - im Moment eine beliebte Anlaufstelle für große Produktionen aus dem Ausland.

Evans: Während wir in Budapest waren, wurden drei Filme dort gedreht, unsere Show und dann noch drei andere Fernsehserien. Es ist irre, was da alles gestemmt wird.

Brühl: Für einen Historienfilm bietet die Architektur der Stadt die perfekten Voraussetzungen. So viele Orte sind perfekt erhalten. Ich habe das bisher in kaum einer anderen Stadt so erlebt.

Fanning: Ich wollte überhaupt nicht wieder weg von dort. Ich habe geweint, als ich gehen musste.

Wurden Sie auf der Straße oft erkannt?

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Dakota Fanning, Daniel Brühl und Luke Evans (v.l.) spielen die Hauptrollen in "The Alienist".

(Foto: Netflix)

Evans: Erst nachdem Jennifer Lawrence weg war. (Lawrence hat in Budapest "Red Sparrow" gedreht; Anm. d. Red.) Vorher haben die Leute sich einen Scheiß um uns gekümmert. (grinst)

Fanning: Um dich vielleicht nicht! (lacht) Wir alle haben uns da richtig wohl gefühlt. Man hatte sein Café, seinen Supermarkt, sein Fitnessstudio - ich hatte einen Nagelsalon, wo ich regelmäßig war. Wir konnten ein ganz normales Leben führen. Jeder hatte seine eigene Wohnung. Das macht es viel leichter, sich an den Rhythmus einer Stadt anzupassen, als wenn man nach der Arbeit ins Hotel geht.

Wohnen Sie immer in Apartments, wenn Sie drehen?

Evans: Ich bestehe darauf - vor allem wenn ich länger als einen Monat an einem Ort arbeite. Ich bin nicht gern in Hotels, wenn ich arbeite. Ganz egal, wie viel Sterne der Laden hat. Wenn man andauernd in Hotels rumhängt, verdirbt einem das im Urlaub den ganzen Spaß!

Fanning: Es hat etwas Behagliches, selbst Wäsche waschen oder Geschirr abspülen zu können. Ich fühle mich dann wohler.

Brühl: Ich könnte übrigens nie mit einem Wohnmobil verreisen, weil wir so viel Zeit in diesen verdammten Trailern verbringen …

Evans: (lacht) Stimmt. Wobei ich schon so manches Mal in einem echt guten Trailer gesessen und darüber nachgedacht habe, wie es wohl wäre, den jetzt einfach an einen Truck anzukoppeln und damit um die Welt zu fahren. Das wäre doch großartig!

Was war denn der coolste Trailer, den Sie jemals hatten?

Evans: Beim "Fast & Furious"-Dreh. Das Ding war geradezu lächerlich dekadent. Wobei meiner nichts gegen den Wagen von Vin Diesel war. Der hatte drei Geschosse, eine Küche und eine Dachterrasse mit Bar!

Fanning: Ach, hör doch auf!

Evans: Tja, und wir mussten unser Reich mit Plastikstühlen bauen … Wir hätten uns ja noch Plastikrasen besorgt, aber dafür war das Geld zu knapp. (lacht)

Brühl: Hey, wir haben das Beste daraus gemacht!

Mit Dakota Fanning, Daniel Brühl und Luke Evans sprach Anna Meinecke.

"The Alienist - Die Einkreisung" ist abrufbar über Netflix.

Quelle: n-tv.de

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