Kino

Der King und der Präsident Mit Elvis durch die USA

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Elvis Presleys Rolls Royce in den Badlands. 1990 brachte die Band Was (Not Was) einen Song heraus, mit Leonard Cohen als Gastsänger: "Elvis' Rolls Royce". Der Titel spielt im Film aber keine Rolle.

(Foto: Arsenalfilm)

Der King of Rock'n'Roll und der US-Präsident in einem Film - klingt nicht sonderlich naheliegend. Doch beide stehen symbolhaft für den amerikanischen Traum, ganz nach oben zu kommen. Eine Fahrt mit Elvis' Rolls Royce durch sein Leben und ein Land am Wendepunkt.

Was ist schiefgelaufen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, was ist passiert mit dem amerikanischen Traum? 40 Jahre nach dem Tod von Elvis Presley fährt der Dokumentarfilmer Eugene Jarecki mit einem der vielen Autos des King of Rock'n'Roll, einem Rolls Royce, quer durch die USA. In seinem Film "The King - Mit Elvis durch Amerika" begibt er sich auf Elvis' Spuren und zieht zugleich Parallelen zu den Vereinigten Staaten heute.

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Elvis 1964 im Film "Tolle Nächte in Las Vegas".

(Foto: imago stock&people)

Wie sieht es aus im "Promised Land"? (Unter diesem Titel hatte der Film, produziert von Starregisseur Steven Soderbergh, in einer früheren Version Premiere bei den Filmfestspielen in Cannes 2017.) Gedreht wurde im Jahr des Präsidentschaftswahlkampfes 2016, wir sehen und hören noch einmal Bernie Sanders, Hillary Clinton und Donald Trump im Kampf um das Amt, in einer Zeit, als vielen ein Wahlsieg Trumps undenkbar schien.

Niemals wird Trump Präsident!

Musiker Matt Ward (rechts) spielt mit Begleitung in der Limousine von Elvis.jpg

Musiziert wird auch in Elvis' Rolls Royce.

(Foto: Arsenalfilm)

So sagt auch Schauspieler und Trump-Imitator Alec Baldwin im tiefsten Brustton der Überzeugung: Never ever, niemals wird Trump gewinnen! Baldwin ist einer der ständig wechselnden Fahrgäste im Rolls, viele Prominente sind darunter - Ethan Hawke, Ashton Kutcher, Chuck D von Public Enemy, Mike Myers, Emmylou Harris ... Aber auch zufällige Mitfahrer sinnieren und diskutieren in der luxuriösen Limousine über Elvis und ihre Heimat USA, über den Zustand des Landes; es wird gesungen, gelacht und auch geweint. Dabei werden viele Parallelen gezogen - zwischen dem Auf- und Abstieg von Elvis und dem der Vereinigten Staaten. Es geht um: Geld, Geld, Geld, um Größenwahn und den Drang nach Ruhm und Macht.

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Verkaufsargument: Auch hier hat Elvis mal gelebt.

(Foto: Arsenalfilm)

Bei der Reise in Elvis' Leben geht der Film weit in die Geschichte zurück, bis in dessen Kindheit - er wurde 1935 geboren - und vollzieht anhand der einzelnen Orte seine gesamte Karriere nach. Sein Geburtsort Tupelo, Mississippi - arm, runtergekommen, hohe Arbeitslosigkeit: Immerhin sorgt Elvis noch für ein paar Jobs durch Touristen, die auf seinen Spuren unterwegs sind und hier vorbeikommen. Danach Memphis: Dort lebte seine Familie in einem Viertel für arme Weiße, mit vielen Schwarzen in der Nachbarschaft. Diese Zeit hat ihn musikalisch sehr geprägt, Elvis hörte viel schwarze Musik, ging zu Gospelchören in die Baptist Church von Reverend William Brewster, begeisterte sich für Blues und Country - die Rockabilly-Version des Blues-Stückes "That's all right" stand dann auch am Anfang seiner Karriere 1954.

Schwarze Musik geklaut?

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"Wahrsage-Automat" mit Donald Trump.

(Foto: Arsenalfilm.jpg)

Das brachte ihm den Vorwurf ein, er hätte schwarze Musik "geklaut", sich ihrer bedient, um erfolgreich zu werden, ohne im Gegenzug der schwarzen Bürgerrechtsbewegung zu nützen, sich für sie einzusetzen. "Hound dog" etwa, das R&B-Stück, das für Big Mama Thornton geschrieben wurde - am erfolgreichsten war Elvis' Rock'n'Roll-Version von 1956. Hat der weiße Elvis nun schwarze Musik für Weiße populär gemacht oder hat er sie für seine Zwecke ausgenutzt, ausgebeutet? Da gehen die Meinungen auch im Film auseinander.

Eindeutig aber ist: Elvis hielt sich mit politischen Statements stets zurück. Befragt zum Vietnamkrieg und zu seiner Haltung gegenüber Muhammad Alis Wehrdienstverweigerung, will er darüber lieber nichts sagen und seine Meinung für sich behalten.

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"The King - Mit Elvis durch Amerika" läuft ab 19. April in deutschen Kinos.

(Foto: Arsenalfilm)

Gerade die Memphis-Station ist eine der politischsten des Films - hier, wo Elvis' Karriere begann und wo er 1977 starb, wurde im April 1968 die schwarze Bürgerrechtsikone Martin Luther King erschossen. Seine Rede "I have a dream" wurde legendär; der American Dream wiederum ist ein häufig auftauchendes Thema der Doku, etwa mit dem Zitat: "Der amerikanische Traum war immer Wunschvorstellung der einen und besoffener Albtraum der anderen."

Ganz oben, ganz unten

Elvis ist eine der Symbolfiguren für den amerikanischen Traum - einer, der es geschafft hat von ganz unten, aus der Armut, nach ganz oben, zu Ruhm und Reichtum. Wie konnte er nur so enden, mit der kitschigen Komplettverwertung, mit all den schlimmen Filmen, die er in den Sechzigern gedreht hat, nach seiner Rückkehr vom Wehrdienst in Deutschland? (Zwischen 1960 und 1969 waren es 27, fast alles Musikkomödien.) Als übergewichtiges, tablettensüchtiges Wrack? Er, der so großartig begann, so talentiert, so unwiderstehlich gutaussehend, mit einer umwerfenden Stimme, purer Sex.

"I mean, the guy had it all!", meint Alec Baldwin, der Typ hatte einfach alles. Das Problem, so Schauspieler Ethan Hawke: Wenn es zwei Möglichkeiten oder Wege gab, hätte Elvis immer die Variante gewählt, wo es mehr Geld gab - auch wenn ihm die andere persönlich mehr gelegen hätte. Angeleitet und auch missbraucht von seinem Manager Colonel Tom Parker, der Elvis gnadenlos vermarktete. Auf Tournee gehen? Die Shows in Las Vegas bringen mehr ein.

Hier zieht der Film Parallelen zu Trump und den USA heute: So wie Elvis der Gier nach Ruhm und Geld verfiel und an diesem giftigen Cocktail zugrunde ging, wird das Land von einem gierigen Raubtier-Kapitalismus beherrscht und regiert von einem Reality-TV-Star und Spielkasino-Besitzer, dessen größte Trümpfe Geld und Macht sind. "The King - Mit Elvis durch Amerika" - eine musikalische und zugleich politische Zeitreise. Thematisch wurde ziemlich viel reingepackt in den Film, aber er bleibt durchweg spannend. Und großartige Musik gibt es auch reichlich zu hören.

"The King - Mit Elvis durch Amerika" startet am 19. April in deutschen Kinos.

Quelle: n-tv.de

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