Dschungelcamp - Tag 5Was ist es, was Gil Ofarim erledigen will?
Von Verena Maria Dittrich
Zwischen Dauerregen, Hunger und großen Worten stellt sich eine Frage immer dringlicher: Was will Gil Ofarim hier eigentlich noch erledigen? Während er vorsichtig um jedes Wort kreist, eskaliert das Camp an anderer Stelle wieder zuverlässig. Alles über Tag 5 im Dschungelcamp.
"Man muss mich nicht mögen, aber Respekt beiderseits ist schön", sagt Gil Ofarim im Dschungeltelefon. Nachts am Lagerfeuer, irgendwo zwischen Dauerregen und einem alkoholfreien Pils, von dem er tagsüber träumt, fängt der 43-Jährige an zu plaudern und der Zuschauer denkt für einen Moment: Passiert vielleicht doch noch das, worauf ganz Fernsehdeutschland sehnsüchtig wartet?
Ofarim wirkt fast übervorsichtig, als taste er sich selbst erst einmal ab. Bloß keine Fettnäpfchen, bloß kein falsches Wort zu viel. Man merkt, wie sehr er darauf bedacht ist, nichts zu sagen, was ihm später wieder um die Ohren fliegen könnte.
Im Gespräch mit Stephen spricht er über seine Kids, darüber, wie schwer es ist, ihnen zu erklären, dass vieles Boulevard ist, vieles, was man über ihn lesen würde, verzerrt sei. Und irgendwie wirkt er in diesem Moment zwar bedächtig, aber auch überaus besorgt darüber, was passiert, wenn Schlagzeilen ihren Weg in Schulhöfe finden. Stephen hört zu, bleibt aber skeptisch. Im Dschungeltelefon sagt er später, was viele denken dürften: Nach der ganzen Geschichte sei viel passiert, weltweit, mit echten Folgen für echte Menschen, und Stephen könne bislang nicht erkennen, dass Gil wirklich an dem Punkt angekommen sei, den alle von ihm erwarten.
In den letzten Tagen war viel von der Verschwiegenheitserklärung zu lesen, die von Gils Anwalt und seinem Manager bestätigt worden war. Aber zu glauben, der Dschungel könne allein durch seine bloße Anwesenheit ein Neuanfang sein, wirkt da tatsächlich ein Stück weit zu hoffnungsvoll, wenn nicht gar naiv. Vor allem, wenn man immer nur schweigt und um den Brei herum lamentiert.
Gil will noch was "erledigen"
Doch dann spricht Ofarim plötzlich nicht nur davon, dass er sich "in einem Jahr" wieder mit seiner Band auf einer Bühne sieht, sondern auch davon, dass da noch etwas sei für ihn, was er "hier noch zu erledigen" habe. Ein Satz, der so vage und geheimnisvoll anmutet, dass man schon wieder Fragezeichen im Kopf hat.
Ist das die Flucht nach vorn? Dürr formuliert im Dschungeltelefon erneut aus, was der Zuschauer denkt: Was auch immer es ist, was Gil noch "erledigen" will - man weiß nicht, ob es reicht. Wird er den Dschungel nutzen, um sich doch noch zu erklären, oder bleibt es bei Andeutungen?
Den Hass, sagt Ofarim, habe er vollkommen unterschätzt. Die Kommentarspalten, die Wucht der Ablehnung. Besonders schlimm sei all das wegen seiner Kinder, die er, wie er betont, aus der Öffentlichkeit heraushalten wolle. Es sind diese Sätze, in denen man den Vater hört, der versucht, eine Situation zu erklären, die sich längst verselbstständigt hat. Die Sache ist nur die: Gil hat diese Situation durch seine eigene Tat mit erschaffen.
Der Dschungel als Reminder
Tag 5 im Camp ist übrigens auch der fünfte, an dem es regnet. Die Hängematten sind klamm, die Nächte kurz. Manche Camper haben Glück und liegen mehr im Zentrum, andere machen wegen des Wetters kein Auge zu. Dazu kommt der konstante Hunger, der ordentlich an den Nerven frisst. Man muss sich seine Kräfte inzwischen wirklich einteilen. Ofarim bringt es nüchtern auf den Punkt, als er sagt, der Dschungel sei auch ein Reminder dafür, wie selbstverständlich alles zu Hause ist. Der Gang zum vollen Kühlschrank, Obst, Gemüse, frisches Wasser. Es geht uns gut.
Und während bei dem gefallenen Musiker zum ersten Mal mehr als nur ein paar leise Halbsätze fallen, knallt es an anderer Stelle an diesem Tag umso lauter. Unsere Ariel kehrt nach der verweigerten Prüfung unter Tränen ins Camp zurück und erzählt von einer Grenze, die von Eva überschritten worden sei, weil ihr Kind ins Spiel gebracht wurde. Die Umarmungen kommen schnell, genauso das Verständnis, aber es hält nicht lange an. Und ja, vielleicht sollte man auch erst einmal abwarten, wie sich die beschuldigte Person äußert. Denn dass das Camp-Küken kaum eine Gelegenheit auslässt, um Sendezeit zu generieren, haben im Lager inzwischen alle begriffen.
Erst schreit Ariel, kurz darauf ist Eva völlig außer sich und spricht von Anstand. Es ist diese Eskalationsspirale, die auch dem geneigten Dschungel-Fan irgendwann nur noch auf den Zeiger geht. Und natürlich darf man sich nicht wundern, wenn Menschen irgendwann Dampf ablassen und lästern. Oder wie Samira es trocken zusammenfasst: "Ich fühle mich hier wie im Zoo."
Bindungsangst und leise Geschichten
Schon am Vortag war klar, dass die Schweizerin wieder losgeschickt wird, um Sterne zu erspielen. Allein im "Dschungelprüfungs-Bähro" keift sie sich minutenlang durch Tauben, Schlangen, Kakerlaken und Gedärme und verkauft ihre erkämpften Sterne wie einen der größten Triumphe der Zeitgeschichte. Vier Sterne sind es am Ende. Bei ihrer Rückkehr lässt sie sich feiern, als habe sie Rom an einem Tag erobert. Die Bäuche der Camper sind inzwischen so leer, dass sie vermutlich selbst bei einem Stern in Ekstase verfallen wären.
Was sonst noch geschah an diesem fünften Tag, ist beinahe beiläufig und gerade deshalb bezeichnend. Stephen hört Umut zu, der von Bindungsangst, einem abwesenden Vater und dem Wunsch nach Familie spricht. Eva philosophiert über die Liebe und hofft, der Richtige möge eines Tages einfach vor ihr stehen, und Ariel spricht über ihren Vater, der erst im November vergangenen Jahres an Krebs gestorben ist.
Reality-TV lebt davon, dass Leutchen mit einer bestimmten Geschichte in eine Situation geworfen werden, die alles noch einmal verschärft, und natürlich funktioniert das, weil Reibung entsteht. Aber wer nur auf Gebrüll hört, verpasst oft das Eigentliche. Denn die Momente, die hängen bleiben, sind nicht zwingend die mit dem größten Geschrei. Vielleicht wäre es also gar nicht falsch, den Blick wieder öfter genau darauf zu richten.
Zur nächsten Prüfung antreten müssen erneut: Ariel, Eva und Gil. Warum ausgerechnet die 22-Jährige schon wieder ran muss, kann sie nicht verstehen. Ihrer Meinung nach hat Gil es verdient zu leiden: "Aber doch nicht ich!"
Falls Sie die Folge verpasst haben, können Sie sie selbstverständlich bei unserem RTL+ nachgucken, genauso wie Sie dort auch alle anderen Folgen dieser 19. Staffel "durchsuchten" können.