Dschungelcamp - Tag 8Ofarim will Antworten vom deutschen Justizsystem
Von Verena Maria Dittrich
Der Mann, der vermeintlich schweigen muss, wird erneut zum Prügelknaben und eine moralische Abrissbirne mischt den ganzen Laden auf. Respektlos fordert Ariel von den "Erwachsenen" Respekt. Tag 8 im Dschungelcamp ist auch der Tag, an dem erstmals aussortiert wird.
"Ich werde von allen Seiten verurteilt und beschimpft - und darf trotzdem nichts sagen."
Nein, lieber Leser, Sie lesen hier nicht den Anfang eines neu entdeckten Kafka-Werkes, das Jahrzehnte in irgendeinem Koffer auf einem Dachboden geschlummert hat, es ist nur der diesjährige Dschungel-Wahnsinn. Gil erklärt sich mal wieder, aber so langsam blickt in der Ofarim-Causa niemand mehr durch - auch und vor allem wegen solcher Zitate!
Tag 8 im Camp, und alles rund um den Schweiger wird immer verworrener. Man würde sich nicht wundern, wenn Sonja und Jan plötzlich, schlicht aus einer Laune heraus, sagen würden: "Dieses Camp war nur für euch bestimmt, wir gehen jetzt und schließen es."
Dieses Mal erklärt Gil, der sich mit einer Geste symbolisch den Mund verschließt, das alles habe mit dem "deutschen Justizsystem" zu tun. Indes sorgen auch draußen die Anwälte für maximale Verwirrung: Hier angeblich eine Verschwiegenheitserklärung, dort angeblich doch keine. Dazu von Ofarim der Verweis auf einen "Stern"-Artikel, "18.000 Seiten Akten", und eine angeblich gründliche Recherche. Trotzdem bleibt am Ende nur kollektive Ratlosigkeit übrig.
"Wer eins und eins zusammenzählen kann und ein bisschen was in der Birne hat, kommt selbst zu einem Entschluss", sagt der Musiker, und man fragt sich: Was meint er damit? Sind die Leute, die dieses Hin und Her nicht verstehen, schlicht zu blöd? Er deutet an, dass genug Material öffentlich sei, um sich selbst ein Bild zu machen. Nicht nur Eva findet: "Jeder Mensch ist frei, eine Entschuldigung auszusprechen oder sich in irgendeiner Form zu erklären, ohne dass man inhaltlich viel dazu sagt."
"Wie ein Terrier"
Diese "Shitshow", wie Gil sie selbst nennt, hört auch bei der Vorbereitung zur Dschungelprüfung nicht auf. Schon auf dem Weg dorthin macht Ariel klar, dass sie mit der Konstellation hadert. Sie hätte sich "natürlich einen besseren Teampartner gewünscht", als schon wieder mit Ofarim gemeinsam um Sterne zu spielen. Umut und Hardy versuchen noch zu beschwichtigen, aber es dauert nicht lange, und die Phrasendrescherin bedient sich wieder ihres ausgelutschten "Erwachsene-Menschen"-Motivs. "Erwachsene Menschen" wie Hardy würden über sie lästern. Dieser Dame zuzuhören, ist vor allem eines: nur noch ermüdend.
Als Gil und die Schweizer Moralmaschine schließlich allein sind, bricht sich der aufgestaute Ärger Bahn. Die 22-Jährige lässt und lässt nicht locker: "Ich glaube dir nicht, du bist ein Lügner." Der Dauer-Beschuldigte fragt irgendwann nur noch genervt: "Bist du fertig mit deinem Monolog?" Dann stellt er klar, nur ein paar Sätze verlesen zu haben.
Was dabei auffällt: Ariel empört sich unentwegt über angebliches Lästern der anderen, echauffiert sich über die Moral der Gruppe, während sie selbst seit Tagen über Mitcamper herzieht. Den Musiker nennt sie "aggressiv", er hingegen meint, sie sei "wie ein Terrier", der immer wieder mit denselben Vorwürfen käme.
In der Prüfung selbst wird das Ganze unfreiwillig komisch. Videokassetten, Rätsel und viele Krabbeltierchen stehen auf dem Plan. Und mittendrin: der keifende Kampfzwerg, der sich mit der Ruhe eines Faultiers durch die Szenerie schiebt und in einer Tour schreit, anstatt sich auch nur ansatzweise zu bemühen. Die eigentliche Arbeit bleibt konsequent an dem Mann hängen, der vermeintlich schweigen muss. Fünf von zwölf Sternen kommen am Ende raus - und zwar nicht, weil hier irgendwer als Team funktioniert hätte, sondern weil Gil geliefert hat.
Der "Killer-Chihuahua" kläfft weiter
Zurück im Camp lässt sie die anderen glauben, es hätte Teamwork stattgefunden. Dabei ist längst klar, was Gil wirklich zu schaffen macht: Dieser "Killer-Chihuahua" ist für ihn die eigentliche Dschungelprüfung. Die dauernden Provokationen nerven, aber er verstehe, warum Leute Antworten wollen - er selbst will sie auch, und zwar, so wiederholt er, "vom deutschen Justizsystem".
Dann der nächste Stich: Ariel spricht Ofarims "fette Dschungel-Gage" an. Dass er gereizt sei, liege ja nur daran, dass man ihm die Fluppen weggenommen habe. Selbst den anderen wird es langsam zu viel, sie mahnen, dass man ohne Wissen kein Urteil fällen dürfe. Hardy bringt es schließlich auf den Punkt: "Reality-TV habe mit der Realität wenig zu tun". Patrick ergänzt: "Du verkaufst deine Seele!"
Abseits der großen Dauerbaustelle rund um Gil stolpern Patrick und Hubert durch eine Schatzsuche, und Stephen erzählt vom frühen Erfolg. Im Grunde der Klassiker: jede Menge Schotter, aber die falschen Leute und zu viele Gerüchte. Trotz 14.000 Mark im Monat sei er irgendwann pleite gewesen und nur mit einem Rucksack nach Los Angeles geflogen.
Und dann ist da noch Eva. Auf Huberts improvisierter Psychocouch erzählt sie von ihrer Mutter, von vielen traurigen und schönen Erlebnissen, aber auch von ihrem ganz eigenen "Carrie"-Moment in der Schule, bösen Klassenkameradinnen und einem "Bitch-Shirt". Ja, das macht etwas mit einem, und deswegen ist die Mutti die beste Freundin - weil es da draußen viele unehrliche Leute gebe, vor allem in ihrer Branche.
Die "Erwachsenen" zittern vor Ariel
Was inzwischen aber fast spannender ist als jede Prüfung, ist die Gruppendynamik selbst. Da sitzt eine überhebliche 22-Jährige im Camp mit viel Meinung statt Erfahrung und eine ganze Runde "Erwachsener" lässt sich von der moralischen Abrissbirne auf der Nase herumtanzen. Sie provoziert und fordert Respekt ein, der für sie nur eine Einbahnstraße zu sein scheint.
Hinter vorgehaltener Hand heißt es: Es bringe nichts, ihr etwas zu sagen, sie bekomme ohnehin die meiste Sendezeit. Also tanzt man um sie herum, sagt ihr nicht ins Gesicht, was sie permanent einfordert, und hofft, bloß nicht auf ihrem Radar zu erscheinen. Ständig moralisch aufgeladen, inhaltlich dünn - genau dieses Verhalten wird belohnt und gilt als relevant. Hardy sagt: "Wenn ich 20 Jahre jünger wäre, würde ich kein Reality-Star werden wollen und etwas anderes machen."
Tag 8 im Dschungelcamp fordert auch den ersten Abflug. Tschüss, Nicole! Endlich kannst du wieder ausschlafen und ein paar Kippen in Kette ballern.
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