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Serie "Dschermeni" wagt was Flüchtlingskrise mit Kinderaugen

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Moritz, Yassir, Aminata und Rüyet sind die vier Helden der Kinder-Serie "Dschermeni".

(Foto: ZDF / Conny Klein)

Wer lange genug "Dschermeni" sagt, versteht, dass es Germany bedeutet. Es ist der Titel einer neuen Serie, die sich des Themas Flucht annimmt. Vier Kinder erleben ein Abenteuer und stellen sich dabei Fragen nach Toleranz und Gerechtigkeit.

In brenzligen Situationen wäre man gern der, der den Mund aufmacht. Wenn es darum geht, einen Schwachen zu stützen zum Beispiel. Einfach, weil das Richtige gesagt werden muss. Das klappt aber nicht immer. "Ich bin der, der nichts macht." So stellt sich Moritz vor. Er hat gerade mitbekommen, wie sein Klassenkamerad Yassir auf dem Heimweg von der Schule als "Arab-Boy" provoziert und in die Enge gedrängt wurde. Moritz tut nichts. Seine Freundin Rüyet schreitet ein.

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"Dschermeni" ist kein politisches Lehrstück, sondern erzählt vor allem ein Abenteuer.

(Foto: ZDF / Conny Klein)

Moritz, Yassir und Rüyet sind drei der jungen Helden der KiKa-Serie "Dschermeni". Zu ihnen stößt noch Aminata. Gemeinsam stehen die Kinder für ein Deutschland im Jahr 2017, in dem sich familiäre wie kulturelle Hintergründe unterscheiden und in dem Flucht und Asyl präsenter Teil der Lebenswirklichkeit geworden sind.

Moritz ist nicht nur der, der nichts macht, sondern auch der, dessen Welt auf den ersten Blick als die unkomplizierteste unter den Kindern erscheint. Er ist deutsch, einzig mit der Missachtung seiner Gut-Verdiener-Eltern gestraft - und mit deren grünen Smoothies "für den Vitaminhaushalt". Seine Freundin Rüyet gehört zur dritten Generation türkischer Einwanderer. Ihre Eltern scheinen liberal, einzig der Großvater hat eine Meinung dazu, was die Enkelin als "richtige Türkin" disqualifiziert. Yassir ist mit seiner Familie aus Syrien geflüchtet, Aminata mit ihrer aus dem Senegal - jedenfalls behaupten sie das.

Penible Deutsche, Tee trinkende Türken

Es ist ein mutiges Projekt, dem sich Kinderbuchautor Andreas Steinhöfel mit seinem Sechsteiler gestellt hat. Kann man eine politische Serie für Kinder machen? Penible Deutsche, Tee trinkende Türken - mit Klischees räumt "Dschermeni" nicht auf. Doch das Format nimmt es sich heraus, Kinder einzubeziehen in die Debatte rund um Vorurteile, Toleranz, Mitgefühl und Anstand.

"Dschermeni" ist kein politisches Lehrstück. Was sich denn nun für ein türkisches Mädchen gehört, wie muslimische Tradition zu Homosexualität steht, ob der Islam den Handschlag verbietet, inwieweit das System ein Abrutschen in die Kriminalität begünstigt und welche Herkunftsländer wirklich sicher sind? Die Serie beantwortet es nicht. Sie beleuchtet eben nur einen Teil der Wahrheit, den Teil, den Kinderaugen wahrnehmen. Das hat so bislang nicht stattgefunden. In dem Sinne kann "Dschermeni" ein Anfang sein. Für Haltung gibt es kein zu jung.

"Dschermeni" läuft ab dem 27. November bei KiKa.

Quelle: n-tv.de