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Pegida, AfD & Co - "ihr seid scheiße" Frei.Wild reden Klartext

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Früher war er rechter Skinhead, jetzt bezieht er klar gegen Rassismus Stellung: Frei.Wild-Sänger Philipp Burger.

imago stock&people

In einem ausführlichen Statement geht die Band Frei.Wild deutlich auf Distanz zu politisch rechten Gruppierungen. Zugleich setzt sie sich für Flüchtlinge ein. Wer diese terrorisiere, sei ein "asoziales Arschloch". Die Fans reagieren gespalten.

Die Südtiroler Rockgruppe Frei.Wild steht seit Jahren unter Rechtsaußen-Verdacht und gilt deshalb in der Musikbranche und bei ihren Beobachtern als umstritten. Erst vor rund einer Woche eskalierte die Auseinandersetzung um die Band wieder einmal in Hamburg. Eine Ankündigung von Frei.Wild, die den Eindruck erwecken konnte, die Gruppe absolviere einen Auftritt im Rahmen des Reeperbahnfestivals, veranlasste die Macher des Festivals zu einer Stellungnahme. Darin erklärten die Konzertveranstalter unter anderem, man werde "weder rassistischem, faschistischem, gewaltverherrlichendem oder anderem extremen Gedankengut eine Plattform" geben.

Mit einer ausführlichen Stellungnahme hat die Gruppe nun zu einem Befreiungsschlag ausgeholt, offenbar in der Absicht, den Zweiflern an ihrer politischen Gesinnung ein für alle Mal den Wind aus den Segeln zu nehmen. Unter der Überschrift "Die Welt ist bunt! Und Frei.Wild's Ländereien sind es auch!" postete die Band den Text bereits am vergangenen Freitag unter anderem bei Facebook.

"Die Welt brennt", schreiben die Rocker unter Anspielung auf einen eigenen Songtitel. "Liebe Fans, liebe Freunde, und leider auch solche, die wir hier und heute endgültig vor die Wahl stellen werden", fahren sie fort. "Die Welt brennt und sie brennt leider wieder am heißesten unter denjenigen, die unschuldig und am schwächsten sind", heißt es unter Bezugnahme auf aktuelle und frühere Krisenherde der Welt weiterhin im Text.

"Solche Idioten" wie Pegida

Dann werden Frei.Wild deutlich: "Es gibt Menschen, die wir heute mehr und mehr und stolzer als bisher als unsere Fans und großartige Menschen bezeichnen: Es sind diejenigen, die für Menschlichkeit und Zivilcourage einstehen, Menschen, die unsere Gedanken teilen und die sich Tag für Tag für Nächstenliebe und Mitgefühl einsetzen und sich verdammt noch mal vehement und entschlossen gegen die Brandstifter und Fremdenhasser stellen."

Diese Menschen, so die Band, täten dies nicht aus Eigennutz, sondern weil "es absolut notwendig ist, diesen gescheiterten Existenzen aufzuzeigen, dass ihr Hass und ihre Aktionen nicht tolerierbar und auf ewig inakzeptabel sind". Dies gelte für ganz Europa. "Es ist Wurscht, wie sich solche Idioten und Gruppierungen nennen", schreiben Frei.Wild weiter, "ganz egal, ob 'Pegida', 'AfD', 'Keine Asylanten in …' usw.: Ihr seid scheiße und diese Scheiße werden wir nicht zulassen! Nicht bei uns und nicht mit dieser Band!"

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Bei den Fans der Gruppe löst das Statement gemischte Gefühle aus.

(Foto: imago/Plusphoto)

Schließlich verweist die Gruppe auf verschiedene Hilfsaktionen, die sie selbst in der Vergangenheit unterstützt habe oder unterstütze. Und sie nimmt Stellung zur aktuellen Flüchtlingsdebatte: "Wer Menschen, die gerade mit knapper Not einem grausamen Krieg oder einer Verfolgung aus religiösen oder anderen Gründen entkommen sind, die ihrer Heimat (und ihr wisst, wieviel Heimat uns bedeutet) entfliehen mussten oder auf der Flucht ihre Liebsten verloren haben, wer solche Menschen hier wieder bedroht und terrorisiert, der ist schlichtweg ein asoziales Arschloch ohne Verstand und, viel schlimmer, ohne Herz und hassgesteuert."

"Verpisst euch"

Rassismus sei für sie nicht akzeptabel, unterstreicht die Band. "Freunde, gegen Rassismus zu sein, ist für uns eine Frage des An- und Verstandes!" Und an "diejenigen, die das anders sehen", richten Frei.Wild schließlich die Botschaft: "Ihr seid hier nicht willkommen, ihr seid nicht Teil von uns, verpisst euch, wir sind die gänzlich falsche Band für euch."

Die Reaktionen der Fans auf diese klaren Worte fielen - wie kaum anders zu erwarten war - durchwachsen aus. "Super Statement!" oder "Respekt!" schrieben einige schlicht. Ein anderer scherzte: "Hat jemand den Account von Frei.Wild gehackt?" Und wieder andere erklärten daraufhin, der Band nun kein Gehör mehr schenken zu wollen.

"Hat die GutmenschenStasiPresse mal wieder gewonnen", höhnte etwa ein Kommentator. Und: "Am besten lasst ihr jetzt die Antifa eure Texte schreiben, ihr Heuchler! Ein Ex-Fan." Ein weiterer Facebook-Nutzer schrieb: "Das war es dann, und eure Alben hab ich auch noch gekauft. Jetzt dürft ihr zwar bisschen am Echo kuscheln, doch eure Identität habt ihr verkauft."

Angesichts der zahlreichen Posts, die in eine ähnliche Richtung gingen, setzte es ebenso hämische Kommentare wie diesen: "Haha, wie lächerlich sich hier alle aufregen!! IHR habt doch immer laut geschrien, dass die nicht rechts sind!! Und jetzt wo sie was gegen rechts posten, verpisst ihr euch alle!! Ihr habt alle so einen Schaden!! Dann mal zurück zu den Onkelz was!!!?"

"Wer hat hier wen verraten?"

Frei.Wild haben auf die Diskussion mittlerweile abermals reagiert und am Montag nochmals ein ausführliches Statement gepostet. "Keine Frage, wir wussten, dass wir ein großes Echo hervorrufen würden, rechneten dabei sogar mit noch weit mehr kotzenden Fans", heißt es unter anderem darin. Zugleich weist die Band den von diversen Fans erhobenen Vorwurf des "Verrats" zurück: "Freunde, wer hat hier wen verraten? Wir ganz sicher nicht, unser bisheriges Schaffen und jedes bisher gebaute Werk zeugt von genau dieser Haltung, geht in euch und erkennt diese Tatsache."

Dass dies eine "Tatsache" ist, bezweifelten in der Vergangenheit allerdings durchaus auch neutrale Kritiker der Band - trotz wiederholter Bemühungen der Südtiroler, sich von rechtspolitischen Strömungen zu distanzieren. Bestimmte Songtextpassagen ließen und lassen andere Schlüsse zu. Schließlich führte dies sogar zu einem Eklat bei der Echo-Verleihung 2013, die Bands wie Kraftklub, Jennifer Rostock oder Mia. boykottieren wollten, so lange Frei.Wild auf der Liste der Nominierten standen.

Frei.Wild nun, wie es manche tun, angesichts ihres Statements pauschal Unglaubwürdigkeit oder eine PR-Masche vorzuwerfen, ist freilich ebenfalls ungerecht. Es ist ein positiver Schritt. Und auch wenn man als Demokrat das Gesagte als selbstverständlich einstufen mag, für diese Band auch ein mutiger. Denn - das steht außer Frage - für nicht wenige Anhänger der Gruppe dürfte (oder jedenfalls sollte) damit eine Welt zusammenbrechen. Man darf gespannt sein, ob der Hype um Frei.Wild das aushält.

Quelle: n-tv.de

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