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"Dann gehen wir gleich ins Bett" GABO zeigt, was FAME wirklich ist

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Das Seeungeheuer von Loch Ness? Nein, nur Wotan Wilke Möhring, der in GABOs Haussee plantscht.

GABO

FAME heißt die Ausstellung, die am 10. September für nur eine exklusive Woche ihre Pforten in der Humboldtbox, mit Blick auf den Lustgarten, an einer von Berlins Großbaustellen öffnen wird. Gegen die "Junk-Food-Fotografie" wird es dann gehen, gegen die Schnelllebigkeit, gegen das Instagram- und Facebook-Gehusche - das klingt allerdings viel zu negativ. Viel mehr interessiert es, wofür die Fotografien der Gabriele Oestreich, besser bekannt als GABO, stehen. Und das ist nach dem Gespräch klar: Sie stehen für Tiefe, für Innehalten, für Qualität und für den Menschen, der da zu sehen ist. GABO bietet uns eine Bühne - es liegt dann an uns, ob und wie wir sie betreten. Stars schwärmen von ihr und begeben sich bereitwillig vor die Kamera des Ex-Models, aber auch ganz normale Leute fühlen sich gut aufgehoben bei der warmherzigen Fotografin mit dem unbestechlichen Auge. "Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich nicht ins System passe", gesteht sie im Gespräch. Man möchte sie in den Arm nehmen und ihr versichern, dass wohl eher das System nicht passt und niemand den ganzen Blabla-Krempel braucht. n-tv.de hat die Künstlerin auf dem Land besucht und bei Nudeln mit Tomatensoße à la Mamma (Zutaten aus dem eigenen Garten) über Stars, das richtige Licht und die Lieblingsmenschen gesprochen. Und über Campino, den Exfreund und Sänger der Toten Hosen, der ihr vor Jahren bereits geraten hatte, was sie doch bitte auf ihre Visitenkarte schreiben sollte: "Auch aus Ihrem Arsch mach' ich ein Gesicht."

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Fotografin aus Leidenschaft.

(Foto: Ilka Grüneberg)

GABO: Jetzt mal ehrlich - jeder postet doch alles, vom Pickel am Po bis zu Events, aus den unterschiedlichsten Perspektiven. Dabei entsteht zwar ein irgendwie wahres Bild, ein Abbild der Gesellschaft, aber das große Bild, das Billboard, die Diva unter den Fotos, das Riesenformat, das existiert ja fast nicht mehr. Und ich bin echt ganz weit davon entfernt, zu behaupten, früher sei alles besser gewesen. Aber in der Fotografie ist es so (lacht). Man hat sich doch früher Magazine oft nur wegen der Bilder gekauft. Es gibt nur noch wenige Bilder, die so richtig reinknallen.

n-tv.de: Und was machen wir nun?

Also ich zumindest hänge jetzt mal ein paar riesige Bilder auf (lacht). Damit nicht alles so durchrauscht. Ich befürchte wirklich, dass die Fotografie ausstirbt. Aber keiner hat es so richtig mitgekriegt. Das iPhone ist eigentlich der Grabstein der Fotografie. Ich übertreibe, sorry. Aber: Die Künstler in der Fotografie - die finden im Museum statt.

Die Fotografie hat sich verändert, vielleicht hat sie sich demokratisiert?

Ja, schon, aber vor allem hat sie sich digitalisiert. Ich sag's mal so: Das Digitale ist quadratisch, das Analoge ist ein Korn. Man ist vom Runden ins Eckige gegangen. Aber Menschen sind doch eher rund, das Quadratische, das Pixel, das passt doch gar nicht so richtig, und dadurch ist alles synthetischer geworden. Ich möchte jetzt einfach mal die Fotografie - präsentiert von der LUMAS - aus der Warte des Fotografen zeigen.

Bei LUMAS kann man sich Kunst leisten, stimmt das?

Ja, das finde ich super, das gibt es was für den kleineren Geldbeutel, aber natürlich auch ganz erlesene Editionen, zum Beispiel von Damien Hirst oder Robert Lebeck. Ich mag den anarchistischen Grundgedanken dahinter, dass Kunst für alle da sein soll. "Erschwinglich" ist das Wort, das mir dabei gefällt. Und es gibt dort eben namhafte Fotografen.

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Auch mal die Hosen runterlassen - kein Problem für Axel Milberg.

(Foto: GABO)

Während wir reden, gucken wir uns Aufnahmen der letzten Jahre an, und während GABO erzählt, wird einem klar, warum die Menschen sich gern vor ihren Sucher stellen, legen, setzen: Sie ist warm. Sie lacht viel, sie hört sich die Geschichten der anderen an, sie interessiert sich für den Opernsänger (Villazon, den sie lieber singen hört als ihn knipst), das Model (zum Beispiel die vielseitige Eva Padberg), die Schauspielerin (Veronica Ferres lässt vor GABO schon mal die Hüllen fallen), den Star-Figaro (am liebsten Udo Walz, ihren alten Berliner Förderer), die Band (mehrere Albumcover der Toten Hosen gehen auf ihr Konto), den Designer (Guido-Maria Kretschmer - ist ihr absoluter Liebling), die Politikerin (Claudia Roth, eine irre lustige Frau laut GABO). Man würde sich vor ihrer Kamera nie entblößt fühlen, selbst wenn man nackt ist, heißt es. Oder die Hosen runterlässt, wie Axel Milberg. Sie sieht das Gesamtbild. Deswegen inszeniert sie gerne ein Foto und drückt nicht nur auf den Auflöser. Zur Not bringt sie auch mal Stroh mit oder Samt oder Schokolade.

GABO: Das Ungeschminkte interessiert mich am meisten, auch wenn man auf Fotos natürlich immer auf das Licht achtet und darauf, dass nicht zu sehen ist, was nicht zu sehen sein soll. Aber auch die große Inszenierung hat natürlich ihren Reiz.

n-tv.de: Wie groß sind denn die Bilder, die du jetzt in der Humboldtbox aufhängst?

90 mal 120 Zentimeter, frei schwebend. Das ist schon fett. Und sie schwingen ein bisschen im Wind.

Was passiert hinterher mit den Bildern?

Einige wollen wir für einen guten Zweck versteigern, und die Abgebildeten, die bekommen auch ein Exemplar.

Du hast auch in Flüchtlingsheimen fotografiert …

Ja, ich wollte mir im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild machen. Sonst kann man ja nicht mitreden. Das war eine interessante Erfahrung. Natürlich ein absolutes Kontrastprogramm zu den Stars, aber auch eine wichtige Arbeit.

Stimmt, wir reden ja eigentlich über FAME. Wann hat man "Fame", wann ist man berühmt? Wer ist es, bist du es?

Oh, "Fame" als Thema beinhaltet, dass die richtig tollen Leute, die mit Niveau, die echten Stars sind. Echte Stars haben so viel Klasse. Sie sind so viel besser als Eintagsfliegen oder Möchtegerns. Und nein, ich bin nicht "fame" (lacht).

Du hast mit den Stars beim Shooten überhaupt keine Probleme?

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Legendär: Sir Peter Ustinov. Vergnügt: Verona Pooth, immer eine Dame.

(Foto: GABO)

Nein, die Probleme kommen oft eher vom Management. Für Angelina Jolie zum Beispiel hatte ich eine unglaublich schöne, lichtdurchflutete Suite im Adlon gebucht. Doch dann kommt ein Manager und sagt, wir sollen die Gardinen zumachen, da könnte einer von gegenüber durchfotografieren. Dann fängt man an, Licht zu "bauen", und das wird schwierig und unnatürlicher. Die Stars selbst sind meist ganz coole Socken. Kevin Costner wollte ich als Cowboy passend zu seinem Western, den er damals promoted hat, in Strohballen fotografieren, die ich selbst angeschleppt hatte. Aber der Manager wollte das nicht. Herr Costner sollte sich nicht dreckig machen. Ich bitte dich, da waren ja keine Pferdeäpfel drin! Damit hätte ich allerdings auch dienen können (lacht)! Und er spielte einen Cowboy. Aber der Manager war nicht zu erweichen. Das habe ich dann Kevin Costner erzählt und der meinte: "Na, dann gehen wir eben ins Bett!"

Beneidenswert, der Mann hat so ein schönes Profil.

Ja, und er ist total entspannt.

Und bist du dann enttäuscht, wenn deine Ideen so abgeschmettert werden?

Schon, aber wenn ich letzten Endes mit Kevin Costner im Bett lande, kann ich das verkraften (lacht). Schwer wird es, wenn dann nur noch Raufasertapete und der Mahagonischrank als Hintergrund bleiben. Aber ich kann improvisieren. Und ich lasse Dinge geschehen. Das liegt aber auch oft am begrenzten Budget. Dabei liebe ich interessante, opulente Locations.

Du lädst aber auch zu dir nach Hause ein?

Ja, dann sind die Leute entspannt. Wir können drinnen und draußen sein, es ist sehr down to earth.

Wer sind deine liebsten "Motive"?

Das hört sich ein bisschen doof an, aber ich bin immer sehr in den Moment verliebt und in den, der da gerade vor meiner Kamera ist. Sehr selten nur ist es vorgekommen, dass ich jemanden nicht mochte.  

Keine Namen. Oder?

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Those were the days, my friend ...

Es sind nur drei. Aber die verrate ich nicht. Ich spiegele mich in den Augen der Leute, die ich fotografiere, und ich suche ehrlich gesagt immer das Gute, nicht das Entlarvende. Ich suche das Schöne. Ich will niemanden vernichten. Deswegen kann ich jemanden auch dann gut fotografieren, wenn mir die Person sonst nicht so zusagt. Weißt du, du kannst jemanden mit Licht zerstören, entstellen.

Und das werde ich nie tun. Außerdem entschädigt meine Geschichte mit Kevin (Costner) mich für vieles …

… ja?

Naja, er wollte mich auffangen.

Weil du ein gefallenes Mädchen warst?

Fast (lacht). Weil ich über ihm stand und mit der Kamera in der Hand auf ihn zu plumpsen drohte. Da sagte er: "Keine Angst, ich fang' dich auf."

Weiter möchte ich das gar nicht hören …

(lacht) Keine Sorge, das war's dann auch.

Wer fehlt dir noch vor der Linse?

Ich hätte so gerne Obama fotografiert.

Kann ja noch kommen.

Mal sehen. Aber die, die vor meine Kamera gehören, die kommen zu mir, das passiert einfach. Neulich habe ich auf dem Bau fotografiert, Bauarbeiter. Das hat Spaß gemacht. Ich habe aber auch immer ein gutes Team um mich rum, das hilft sehr.

Ist die weibliche Sicht durch die Kamera eine andere?

Auf jeden Fall. Nicht so technisch. Obwohl die jungen Frauen das inzwischen auch besser im Griff haben, das Technische.

Und das Modeln, wie war das?

Ach, das hatte sich damals so ergeben. Ich war viel zu jung dafür, als ich anfing, erst 15. Und ich war auf der ganzen Welt unterwegs. Ich würde das meiner Tochter nicht erlauben. Meine Eltern waren schon sehr cool.

Die Welt wird komplizierter - einige Dinge bleiben aber, wie sie sind. Zum Beispiel wird "jung" meist noch gleichgesetzt mit "gut", "alt" dagegen mit "nicht so gut". Oder?

Ja, irgendwie schon. Obwohl da einiges im Umbruch ist. Und dennoch müssen Frauen sich besser aufstellen. Wir haben immer noch keine gute Infrastruktur, Männer schanzen sich Kontakte und Jobs zu, wir dagegen checken erstmal das Gegenüber ab. Es gibt da ein neues Bewusstsein, das ist gut, aber es reicht noch nicht.

Campino, dein Ex-Freund, hält für "FAME" die Eröffnungsrede, Natalia Avelon singt. Bist du aufgeregt, wenn so viele Menschen kommen? Extra für dich? Wegen deiner Bilder?

Ich steh' nicht gern im Mittelpunkt, ist mir immer ein bisschen peinlich. Deswegen hab' ich auch von "vor der Kamera" nach "hinter der Kamera" gewechselt (lacht). Aber ich bin schon stolz darauf, was ich alles geschafft habe. Und der Fokus liegt auf denen, die ich fotografiert habe. Ich freue mich!

Mit GABO sprach Sabine Oelmann

GABOs erotische Edition gibt es bei LUMAS

Die Ausstellung FAME, präsentiert von LUMAS, läuft vom 10. bis zum 17. September in der Sky-Lounge der Berliner Humboldt Box und zeigt erstmals über 80 Original Fotografien von GABO, die im Anschluss an die Ausstellung einmalig käuflich erworben werden können.

Quelle: n-tv.de

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