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Armes Mädchen mit viel Geld "Germany's Next Topmodel" macht betroffen

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Anuthida, Ajsa und Vanessa (v.l.) wollten "Germany's Next Topmodel" werden. Eine von ihnen gewinnt, die anderen beiden haben Glück gehabt.

(Foto: Twitter/topmodel)

Nach zehn Folgen Casting-Rummel hat "Germany's Next Topmodel" noch immer keinen Weltstar hervorgebracht. Dass das Format ein bisschen stumpf und die Juroren etwas albern sind, haben die Zuschauer mittlerweile begriffen. Was sie nicht sehen: Die Show ist gefährlich.

Ich habe schon immer "Germany's Next Topmodel" geguckt. Schon immer begann vor gut neun Jahren und "immer" stimmt eigentlich auch nicht ganz. Die ersten beiden Staffeln durfte ich überhaupt nicht sehen. Aus Wiederholungen weiß ich, dass Lena Gercke mal mit Eiern unter der Ferse gestürzt ist, aber vielleicht habe ich mir das auch nur ausgedacht. Eine Pubertät ohne Heidi Klums Mädchen gibt es für mich nicht.

Als Vanessa Fuchs am vergangenen Abend zum neuen Topmodel der Nation erklärt wird, ist das nicht mehr meine Pubertät, sondern ihre. Sie posierte gern im Bikini, hat ein Fußballtrikot mit ihrem Namen und Podolskis 10 hinten drauf, war auf einem Konzert von Justin Timberlake und ist schon einmal Jet-Ski gefahren. Jetzt wissen ziemlich viele Menschen, dass sie 100.000 Euro gewonnen hat und Wolfgang Joop hat ihr zur besten Sendezeit gesagt, sie habe zugelegt - "in jeder Hinsicht".

Das ist auch eine Liebeserklärung

Vanessa ist 18 Jahre alt. Als ich 18 Jahre alt war, gewann Alisar Ailabouni die Show. Ich saß mit Freundinnen vor dem Fernseher. Wir löffelten "Ben & Jerry's"-Eis aus der Packung und verteilten High-Fives für unsere Lässigkeit beim Betrachten der dürren Strahlefrau. Im Jahr zuvor, als Sara Nuru als Siegerin aus dem Finale hervorging, hatten wir vermutlich noch Gurken geknabbert. Zufrieden waren wir in beiden Jahren eher nicht.

Das Finale von "Germany's Next Topmodel 2015" war langweilig, genauso langweilig wie die Staffeln zuvor. Nur dass dieses Mal aufgrund der Bombendrohung eben auch noch eine kleine Halle anstelle einer großen Arena für das Spektakelchen reichen musste. Es passierte wenig, die Jury sagte dumme Dinge und es gewann eventuell die Falsche - das ist eine Liebeserklärung an dein Trunkenheits-Tattoo, Ajsa! Darum soll es hier aber nicht gehen.

Wenn Gurken nach Eiscreme schmecken

Vor etwa einem Monat gab es fette Schlagzeilen: "Germany's Next Topmodel" macht magersüchtig, hieß es da. Gemeint war, dass die Show beim Krankheitsverlauf junger Mädchen mit Essstörung hierzulande oftmals eine Rolle spielt. Wenn in den Medien Menschen regelmäßig auf ihren Körper reduziert werden, werden sich Konsumenten dieser Medien ebenfalls auf ihren Körper reduzieren. "Germany's Next Topmodel" gucken besonders gerne Teenager. Wenn man jung ist, schmecken Gurken dann manchmal nach "Ben & Jerry's"-Eis.

Die meisten meiner Freundinnen pfeifen mittlerweile auf die Heidi-Klum-Show. Ich hoffe jedes Jahr aufs Neue, dass sie beginnt, auch mich zu langweilen. Aber ich bemühe dann doch immer wieder die Mediathek, weil ich mir gerne schöne Menschen anschaue. Als bei der Liveübertragung des Finales im vergangenen Jahr plötzlich die Brust einer Finalistin im Bild war, fand ich das schlimm. Immer, wenn eine 16- oder 17-Jährige mal wieder nicht sexy genug ist, wird mir schlecht. Eigentlich auch schon, wenn die Kamera draufhält, obwohl eine Kandidatin gerade allein sein will.

Es lohnt nicht, "Germany's Next Topmodel" ob der Lächerlichkeit des Formats zu verreißen. Dafür fehlt es der Show an ernsthaftem Anspruch. Und ein fieser Kommentar über die Juroren schützt die Kandidatinnen nicht. Die Sendung zieht junge Mädchen bis auf die Unterwäsche aus und lehrt sie, vor allem den Erwartungen anderer zu entsprechen. "Germany's Next Topmodel" macht mich betroffen. Juror Wolfgang Joop meinte im Einspieler zur gestrigen Sendung, "the show must go on", aber ich bin mir da nicht so sicher.

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Quelle: ntv.de