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VIP VIP, Hurra!Gil Ofarim im Dschungel - Kai Wegners Berlin im Chaos

09.01.2026, 17:07 Uhr Verena-Maria-DittrichDie Promikolumne von Verena Maria Dittrich
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10-Februar-2018-Der-deutsche-Rockmusiker-Schauspieler-Musical-Darsteller-Synchronsprecher-und-Let-s-Dance-2017-Gewinner-Gil-Ofarim-alias-Gil-Doron-Reichstadt-bei-einem-Foto-Shooting-im-MAX-Nachttheater-in-Kiel-wo-er-auch-im-Rahmen-seiner-20-Years-Tour-2018-ein-Konzert-spielte
Holt im Dschungel vielleicht die meisten Sterne: Rockmusiker Gil Ofarim. (Foto: picture alliance / SULUPRESS.DE)

Kai Wegner spielt Tennis, "Tokio Hotel" tanzt jetzt auch und Gil Ofarim spaltet die Dschungel-Community. "Promi der Woche" wider Willen ist aber der Regierende Bürgermeister von Berlin. Vom Roten Rathaus direkt ins Reality-TV?

"Verdammte Sch…" Okay, okay, lieber Leser, ich weiß, das sind Sätze, mit denen man eigentlich keine Promikolumne beginnen sollte, aber Sie wissen genauso gut wie ich, dass es Momente im Leben gibt, da ist einem so etwas wie Stil schnurzegal.

Etwa dann, wenn man gerade knietief in seinem Keller steht und Wasser auspumpt, Eimer für Eimer, während man sich fragt, welcher Teufel einen eigentlich geritten hat, dort unten jemals auch nur halbwegs Brauchbares auf dem Boden abzustellen.

Lassen Sie es sich von einer gesagt sein, die sich gerade selbst in den Hintern beißt: Keller sind keine Orte für Dinge, an denen noch das Herz hängt, denn sonst hat man irgendwann den Salat, ärgert sich grün und blau und weiß wieder einmal, was man hinterher ja immer weiß - nämlich, dass man vorher klüger hätte sein sollen.

Noch in der vergangenen Woche stand in dieser Kolumne dieser eine optimistische Neujahrssatz, den man sich jedes Jahr einmal gönnt: Frohes neues Jahr, möge 2026 bitte halbwegs bei klarem Verstand bleiben, und kaum hat man ihn ausgesprochen, tritt man, vor allem hier in Berlin, nur einmal kurz vor die Tür und steht schon gefühlt mitten in Sodom oder Gomorra. Okay, nur ohne das große Endzeitkino, dafür aber mit sehr realem Alltagschaos.

Winter in Berlin und hart im Nehmen

Während ich diese Zeilen schreibe, schöpfe ich nämlich parallel weiter Wasser aus dem Keller. Rohrbruch. Havarie-Hotline angerufen, Schacht im Bad muss geöffnet und die Fliesen dafür abgeschlagen werden. Warmes Wasser? Ach, brauchen wir nicht! Wer Berlin im Winter kennt, ist hart im Nehmen.

An dieser Stelle muss ich mich aber mal kurz selber loben, denn Disziplin ist ja auch eine Tugend, vor allem, wenn man zwischen diesem ganz speziellen Berliner Geruch aus altem Mauerwerk trotzdem noch die Promikolumne schreibt, statt laut zu jammern. (In Wahrheit jammere ich zu Hause schon ziemlich rum.)

Doch noch, da klopfe ich wirklich innerlich auf Holz, ist der eigene Strom wenigstens nicht weg, während anderswo in der Stadt die Leute tagelang bei eisigen Temperaturen ausharren mussten - und diese linksextremistische Vulkangruppe bereits von nächsten Aktionen spricht. Angeblich soll nun die Stromzufuhr für Marzahn-Hellersdorf mit einem "Zeitzünder" versehen worden sein.

Ganz ehrlich, lieber Leser: Durch die Hauptstadt kommt man inzwischen nur noch mit Galgenhumor. Sonst würde man wirklich verrückt werden! Schon vor etlichen Jahren habe ich ein Buch über meine Hassliebe zu Berlin geschrieben. Mehr als 100 Gründe, Berlin zu lieben, das war der Inhalt des zuversichtlichen Werkes. Mir würden auf der Stelle genauso viele Gründe einfallen, warum man die Hauptstadt inzwischen getrost in der Pfeife rauchen kann.

Denn Berlin, so viel ist - zumindest für mich - sicher, hat seinen inneren Kompass schon lange irgendwo zwischen Wahlplakat und ewiger Baustelle verloren. Man setzt einen Fuß vor die Tür und steht am Alexanderplatz vor riesigen Botschaften, die einem erklären wollen, wie Freiheit geht und wofür man sich bitte begeistern soll, während ringsherum die Straßen dunkel sind und der öffentliche Raum vor allem nachts immer gefährlicher wird.

Kai Wegner bitte zum "Promibüßen"

Dazu passt leider auch der Auftritt des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner. Denn während Zehntausende Haushalte im Südwesten Berlins bibberten und versuchten, irgendwie durch diese Tage zu kommen, musste der Mann an der Spitze der Stadt erst einmal Tennis spielen gehen, um den Kopf freizubekommen. Was man als Privatmensch ja jedem gönnt, als politisches Signal aber eher unter der Kategorie instinktlos verbucht.

Zumal die Geschichte erst dann rund wurde, als man sich beim genaueren Nachfragen plötzlich an widersprüchliche Angaben erinnerte. Da denke ich doch sofort unweigerlich: Vielleicht sollte man in Berlin wirklich anfangen, politische Karrieren konsequent mit Reality-Formaten zu verzahnen? Denn für "Das Sommerhaus der Stars" oder "Promibüßen" wären Wegners jüngste Auftritte definitiv schon mal brauchbar für ein Casting-Video.

Während also die Stadt schon zu Beginn des neuen Jahres enormer Belastung und Sabotage-Ängsten ausgesetzt ist, klammert man sich an das, was zuverlässig funktioniert, nämlich unsere geliebten Fernseh-Rituale. Denn irgendwo muss ja Normalität herkommen, und so fiebert man in diesen Tagen nicht nur der Frage entgegen, welches Viertel als Nächstes ohne Strom ist, sondern auch, wer demnächst bei "Let's Dance" über das Parkett schwebt.

Die ersten Namen stehen bereits fest. Mit dabei ist offiziell die Schlagersängerin Anna-Carina Woitschack. Darüber hinaus hat RTL auch bestätigt, dass Gustav Schäfer, Schlagzeuger von Tokio Hotel, ebenfalls antanzt und an der beliebten Sendung teilnehmen wird.

Ofarim spaltet die Dschungel-Community

Und dann ist da noch einer, der schon vor dem ersten Lagerfeuer im Dschungel für ordentlich Diskussionsstoff sorgt: Gil Ofarim. Die Trash-TV-Community schwankt zwischen Boykottaufrufen und der Frage, wie viele zweite Chancen ein Publikum eigentlich vergeben will, während man gleichzeitig nicht vergessen darf, dass im australischen Busch schon ganz andere Biografien einsaßen.

Man erinnere sich nur an Ingrid van Bergen, die nach einer Haftstrafe wegen Totschlags zur Dschungel-Ikone wurde. Unser Dschungelcamp, so viel Wahrheit muss sein, war noch nie der Ort der moralischen Unschuld, sondern immer schon eine Bühne für beschädigte Karrieren und den Versuch, sich irgendwie neu zu sortieren.

Man kann diese Debatte führen, man sollte sie sogar führen. Aber sie passt auch erschreckend gut in diesen Berliner Januar-Zustand, in dem alles gleichzeitig passiert: moralische Fragen, Notlagen und der Versuch, Haltung und Unterhaltung unter einen Hut zu kriegen.

Und so sitze ich gleich wieder auf einem Eimer in meinem überfluteten Keller und denke, man sollte in Berlin vielleicht einfach die Dinge nehmen, wie sie kommen, weil sie ohnehin kommen, ob man will oder nicht. Und während ich mir sowas wie Gelassenheit einrede, bedaure ich gerade wirklich kurz, dass ich nicht qualme. So eine gemütliche Zigarette im Angesicht des ganzen Irrsinns hätte in diesem Moment einfach zu gut gepasst. Bis nächste Woche, lieber Leser. Checken Sie Ihren Keller!

Quelle: ntv.de

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