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Willkommen im "Dietland" Heute schon abgespeckt?

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Julianna Margulies spielt in der Serie "Dietland" die kühle Chefredakteurin eines Teeniemagazins.

(Foto: AMC Networks)

Rache ist süß. Süßes macht fett. Wer fett ist, wird schlecht behandelt. Wer schlecht behandelt wird, könnte sich rächen. Die Serie "Dietland" erzählt von den Ungerechtigkeiten des Frauseins, von Freundinnenschaft und vom Männer-Schlachten.

Wenn man einer Dicken ein Kompliment machen will, lobt man nach kurzem Grübeln ihre Augen. Wenn man möchte, dass Mädchen ein gesundes Verhältnis zu Sexualität entwickeln, gibt man ihren Geschlechtsteilen niedliche Synonyme. Und wenn man Vergewaltiger loswerden will, tja, dann gibt es verschiedene Optionen, nur blutig müssen sie sein. Ist doch so, oder? Nö, ist es nicht. Und doch ist es Lebensrealität für viele - das mit den Gewaltfantasien mal ausgenommen.

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Joy Nash ist Plum, die Hauptfigur von "Dietland".

(Foto: AMC Networks)

Die Serie "Dietland" guckt da hin, wo es in der Gesellschaft eklig ist. Wo Gefühle verletzt, Menschen gebrochen, missbraucht und ausgenutzt werden. Plum ist die Heldin der Geschichte. Wobei: Zunächst einmal ist sie das Opfer. Sie lebt zurückgezogen im Licht des eigenen Laptopbildschirms in einem kleinen Apartment. Das Haus verlässt sie nur, um das immer gleiche Café zu besuchen oder um sich von einer Abspeck-Advokatin ein schlankes Leben schönreden zu lassen. Ihr Geld verdient Plum mit Schreiben. Für die Chefin eines beliebten Teenie-Magazins beantwortet sie Leserbriefe. Kein Traumjob, man ahnt es. Es braucht ein Aufbegehren.

Plum ist eine, die durchaus weiß, was sie kann und doch nichts für sich einfordert. Eine, die verstanden hat, worauf es im Leben ankommt, und die sich trotzdem einem ungesunden Mehrheitsdiktat beugt. Was ihr fehlt, ist Selbstvertrauen. "Dietland" wird es ihr schon irgendwie geben. Doch eine dieser "Hässliches Entlein wird schöner Schwan"-Märchen ist das hier nicht. Basierend auf dem gleichnamigen Roman von Sarai Walker ist auch die Serie ein wilder Ritt von der Dekonstruktion westlicher Schönheitsideale entlang von Freundinnenschaft und Selbstermächtigung bis zu Rachegelüsten am Patriarchat.

Spionage, Sekte, Splatter-Fantasien

Joy Nash ist als Plum so herrlich echt charismatisch, dass sie Julianna Margulies als Fratze der schlechten Welt gar nicht gebraucht hätte. Trotzdem gut, dass sie sie hat. Denn wer in den vergangenen zwei Jahren auch nur einen Moment um die Serie "Good Wife" getrauert hat: Hier ist sie wieder, Alicia, nun als Trixie, Plums kühl-grässliche Chefin, die vermutlich auch nur Opfer ihrer Umstände ist, nur dabei noch so privilegiert, dass sie nicht unbedingt als Sympathieträgerin herhält. "Dietland" hat eine herrliche Besetzung.

Und dennoch: "Dietland" ist eine seltsame Serie. "Der Teufel trägt Prada" trifft Splatter-Fantasien. Erinnerungen und Träume verwischen irgendwo zwischen Echtbild und Animation. Es gibt Spionage und sektenähnliche Verwebungen, aber auch alltägliche Mädchenprobleme und ein bisschen Fashion. Da kann man schon mal durcheinanderkommen. Zu Beginn der Serie ist das aufregend, aber auch noch nicht ganz schlüssig. Ist das jetzt Comedy, Drama oder Satire? Trotzdem könnte es lohnen, dem Format eine Chance zu geben. "Dietland" hat zum Beispiel verstanden, dass es ein alltäglicher Strom von Rotz ist, dem Frauen sich so ausgesetzt sehen, und kein einzelnes Fallbeispiel aus Hollywood. Für so was gibt es Vertrauensvorschuss.

"Dietland" ist ab dem 5. Juni abrufbar bei Amazon Prime Video.

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Quelle: n-tv.de

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