13 Minuten Standing OvationsJohn Malkovich kämpft in Venedig mit den Tränen

Dieser Empfang geht selbst einem Hollywood-Veteranen wie John Malkovich nahe: Nach der Premiere von "Wild Horse Nine" feiert das Publikum in Venedig das Filmteam rund 13 Minuten lang. Der 72-Jährige darf sich auch Hoffnungen auf seine dritte Oscar-Nominierung machen.
Seit mehr als vier Jahrzehnten ist John Malkovich im Filmgeschäft, doch auch mit 72 Jahren können ihn die Reaktionen des Publikums noch überwältigen. Das zeigte sich am Donnerstagabend bei den Filmfestspielen von Venedig: Nach der Weltpremiere seines neuen Films "Wild Horse Nine" erhob sich das Publikum und feierte Malkovich und seine Kollegen rund 13 Minuten lang mit stehenden Ovationen. Dem Schauspieler ging der Empfang sichtlich nahe - immer wieder kämpfte er mit den Tränen.
"Wild Horse Nine" feierte im Wettbewerb der 83. Internationalen Filmfestspiele von Venedig seine Weltpremiere. Regisseur Martin McDonagh hat dafür ein hochkarätiges Ensemble versammelt: Neben Malkovich spielen unter anderem Sam Rockwell, Steve Buscemi, Parker Posey und Tom Waits mit.
Die Geschichte spielt kurz vor dem chilenischen Militärputsch von 1973. Malkovich und Rockwell verkörpern die CIA-Agenten Chris und Lee, die von ihrem Vorgesetzten MJ (Buscemi) von Santiago auf die Osterinsel geschickt werden. Dort geraten die langjährigen Partner nicht nur in aktuelle Verschwörungen, sondern werden auch mit ihrer gemeinsamen Vergangenheit konfrontiert. Gleichzeitig entwickelt Chris eine Verbindung zu zwei rebellischen Studentinnen - und der Einsatz beginnt zunehmend aus dem Ruder zu laufen.
Reicht es für Malkovichs dritte Oscar-Nominierung?
Regie führte McDonagh, der auch das Drehbuch schrieb. Der irische Filmemacher ist vor allem für "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" und "The Banshees of Inisherin" bekannt. "Wild Horse Nine" ist sein erster Spielfilm seit Letzterem. Besonders viel Aufmerksamkeit bekommt schon jetzt Malkovichs Leistung. Noch vor der Premiere in Venedig wurde darüber spekuliert, ob ihm "Wild Horse Nine" die dritte Oscar-Nominierung seiner Karriere einbringen könnte. Bislang war Malkovich zweimal für den wichtigsten Filmpreis Hollywoods nominiert: 1985 für "Ein Platz im Herzen" und 1994 für "In the Line of Fire". Gewonnen hat er die begehrte Trophäe bislang nicht.
Von einer möglichen dritten Chance auf den Oscar wollte sich der Schauspieler in Venedig allerdings nicht allzu sehr beeindrucken lassen. Im Gespräch mit Journalisten machte Malkovich deutlich, dass für ihn vor allem zähle, ob der Film als Ganzes gelungen sei und das Ensemble gute Arbeit geleistet habe. Dass der 72-Jährige irgendwann freiwillig Schluss machen könnte, scheint ebenfalls nicht unmittelbar bevorzustehen. Auf einen möglichen Ruhestand angesprochen, stellte Malkovich in Venedig klar, dass er derzeit keine Pläne habe, seine Karriere zu beenden.
Das deutsche Publikum kann sich ab dem 12. November selbst ein Bild von seiner möglicherweise preisverdächtigen Leistung machen. Dann startet "Wild Horse Nine" hierzulande im Kino.