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"Es war unkontrollierbar" Depp schildert Heards Gewaltausbrüche

Im Verleumdungsprozess gegen seine Ex-Frau sagt Johnny Depp zum zweiten Mal gegen Amber Heard aus. Er bezichtigt die 36-Jährige des verbalen Missbrauchs und schildert mehrere mutmaßliche Fälle der häuslichen Gewalt.

Nach der verlorenen Verleumdungsklage gegen die Zeitung "The Sun" in Großbritannien verklagt Johnny Depp seine Ex-Frau Amber Heard jetzt vor einem Gericht in Virginia. Im Verleumdungsprozess sagt der Hollywood-Star am zweiten Tag in Folge gegen seine Ex-Frau aus. Depp verklagt Heard auf 50 Millionen Dollar (46 Millionen Euro) wegen eines Beitrags in der "Washington Post", in dem sie von häuslicher Gewalt sprach.

Depp warf der "Aquaman"-Darstellerin unter anderem aggressives Verhalten, verbalen Missbrauch und physische Gewalt vor. Er sei von ihr gemobbt worden und habe "endlose Paraden von Beleidigungen" aushalten müssen, nur damit sie ihr "eigenes Verlangen nach Konflikten" stillen konnte, sagte er aus. Dinge, die er seiner Ex-Frau im Laufe der Beziehung im Vertrauen erzählt habe, habe sie später "als Waffen gegen mich eingesetzt", um ihn "kleinzumachen, zu verwirren und in eine Depression zu treiben", so der 58-Jährige weiter.

Außerdem warf Depp Heard vor, ihn aus Frust geschlagen, geschubst und mit Gegenständen beworfen zu haben. In diesen Situationen sei er stets weggegangen und habe sich in diversen Zimmern eingeschlossen, um seine Ruhe zu haben. Bei einem Streit sei Heards Schwester Whitney anwesend gewesen und habe sich zwischen die beiden gestellt, um ihn vor den Schlägen seiner Ex zu schützen. In mehreren Audioaufnahmen des Ex-Paares, die den Geschworenen vorgespielt wurden, ist Heard zu hören, wie sie zugibt, Depp geschlagen zu haben.

Depp: Ex drohte mit Suizid

Während eines weiteren Streits, bei dem Heard wild auf ihn eingeschlagen habe, habe er seine Arme gehoben, um sein Gesicht zu schützen, berichtete Depp weiter. Die 36-Jährige habe ihm kurz darauf ein mit Blut verschmiertes Taschentuch gezeigt und ihm unterstellt, ihr die Nase gebrochen zu haben. Er sei sich jedoch sicher, nicht einmal in die Nähe ihres Gesichts gekommen zu sein.

Trotz aller Probleme, die er und seine Ex-Frau hatten, habe er sich nie von ihr getrennt, "weil auch mein Vater geblieben ist". Depp hatte dem Gericht in seiner Anhörung am Dienstag von seiner "grausamen" und "gewalttätigen" Mutter Peggy Sue berichtet, die ihm, seinen Geschwistern und ihrem Vater gegenüber gewalttätig gewesen sein soll. Ähnlich wie einst seine Mutter habe auch Heard mehrfach mit Suizid gedroht, falls er sie verlassen sollte. Im Streit habe sie oft geschrien, dass sie nicht ohne ihn leben könne. "Es war unkontrollierbar", sagte Depp. Er habe sich irgendwann eingestehen müssen, dass er seine Mutter geheiratet hatte.

Depp gab zu, im Laufe ihrer turbulenten Ehe mehr Drogen konsumiert und Alkohol getrunken zu haben, um sich und sein Herz vor ihren täglichen Ausbrüchen "zu distanzieren". Er behauptete aber, weder physisch abhängig noch gewalttätig gewesen zu sein. Auch Heard habe sehr viel getrunken, merkte der 58-Jährige an. Sie habe "mit Leichtigkeit zwei Flaschen Wein an einem Abend" trinken können und auch regelmäßig zu Drogen wie MDMA, Pilzen, Speed sowie verschreibungspflichtigen Medikamenten gegriffen.

"Würde niemals eine Frau schlagen"

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Amber Heard zeigte während der Aussagen ihres Ex-Mannes nur wenige Emotionen.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Der "Fluch der Karibik"-Star nahm auch Bezug auf den Vorwurf von Amber Heard, dass er sie geschlagen hätte, nachdem sie eine abfällige Bemerkung über eine seiner Tätowierungen gemacht habe (der Schauspieler hatte sich in den 1990er-Jahren während seiner Beziehung zu Schauspielerin Winona Ryder "Winona Forever" auf den Arm tätowieren lassen und es nach der Trennung in "Wino Forever" geändert). "Das ist nicht passiert", behauptete Johnny Depp. "Ich habe sie nie geschlagen, ich habe noch nie eine Frau geschlagen. Ich würde auch niemals eine Frau schlagen, nur weil sie sich über ein Tattoo lustig macht, das ich auf meiner Haut trage."

Ebenfalls bestritt der 58-Jährige den Vorwurf seiner Ex-Frau, sie im Mai 2014 während eines Privatflugs von Boston nach Los Angeles unter Alkohol- und Drogeneinfluss geschlagen und getreten zu haben. Er habe vor Abflug zwei Opioid-Schmerzmittel eingeworfen, von denen er damals nach einem Unfall am "Fluch der Karibik"-Set abhängig war, rechtfertigte sich Depp. Heard habe zwar "aktiv" Streit provoziert - da seine Tabletten jedoch "extreme Downer" gewesen seien, habe er einfach nur schlafen wollen und sich mit einem Kopfkissen im Badezimmer eingeschlossen. Dort sei er den ganzen Flug über geblieben und habe auf dem Boden geschlafen.

Außerdem wiederholte Depp seine Version eines Streits im März 2015 in Australien, bei dem er ein Stück seines Mittelfingers verloren hatte. Zu dem Zeitpunkt sei er mehrere Monate lang "trocken" gewesen, so der zweifache Vater. Als Heard nach einem Wutausbruch den Raum verlassen habe, habe er sich an die Bar gesetzt und Wodka getrunken. Kurz darauf sei sie zurückgekehrt, habe ihn beschimpft, mit Flaschen beworfen und eine Zigarette in seinem Gesicht ausgedrückt.

Kackte Heard Depp ins Bett?

Die zweite Flasche, die Heard nach ihm geworfen habe, sei an der Bar zerschellt und habe seine Hand getroffen, wobei ein Stück seines Mittelfingers abgetrennt worden sei. Gegenüber dem Arzt, der die Fingerkuppe im Krankenhaus wieder annähte, habe der Schauspieler gelogen und den Vorfall als Unfall abgetan, um seine Frau zu schützen. Während Depp von dem mutmaßlichen Vorfall berichtete, war Amber Heard, die zuvor meist einen neutralen, wenngleich angespannten Gesichtsausdruck hatte, offenkundig den Tränen nahe.

Am Abend von Heards 30. Geburtstag im April 2016 sei es erneut zu einem großen Streit zwischen dem Ehepaar gekommen, weil Depp wegen eines Meetings zu spät zu ihrer Party erschienen sei, wie er weiter aussagte. Heard sei noch in derselben Nacht mit ihren Freundinnen auf das Coachella-Festival gefahren, er habe in einem der Gästezimmer übernachtet. Am nächsten Morgen habe er von seiner langjährigen Haushälterin erfahren, dass jemand Exkremente auf seiner Seite des Ehebettes hinterlassen habe. Heard habe ihm zwar später gesagt, dass es sich um Kot der gemeinsamen Hunde handelte. Da die Yorkies jedoch "nur vier Pfund" wiegen und der Haufen groß gewesen sei, halte er dies für sehr unwahrscheinlich, sagte Depp.

Bei einem der letzten Male, die er persönlich mit seiner Ex gesprochen habe, im Mai 2016, sei es erneut zu einem Streit gekommen, sagte Depp weiter. Heard habe geschrien und ihn attackiert. In dem Wissen, dass einige Angestellte des Hollywood-Stars sie vom Flur aus hören konnten, habe sie mehrfach gebrüllt: "Hör auf, mich zu schlagen, Johnny, schlag mich nicht!" - und das, obwohl er mehrere Meter entfernt von ihr gestanden habe. Als die Angestellten ins Zimmer gestürmt seien, sei Heard sichtlich überrascht gewesen. Es sei so auffällig gewesen, dass sie in Bezug auf die vermeintliche Gewalt gelogen habe, dass die Angestellten Depp zu seinem Schutz aus dem Zimmer geführt hätten.

Wie lange sich der Verleumdungsprozess, der vor rund einer Woche begann, hinziehen wird, ist nicht klar. Mehrere US-Medien gehen davon aus, dass es bis zu sechs Wochen dauern könnte, ehe ein Urteil fällt. Allein auf der Liste der möglichen Zeugen sollen knapp 120 Personen stehen. In den kommenden Tagen werden Heards Anwälte den Hollywood-Star wohl ins Kreuzverhör nehmen. Heard soll erst in einigen Wochen aussagen.

Quelle: ntv.de, lpe

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