Unterhaltung

Boney M. vs. Boney M.Liz Mitchell von Auftritt bei Rechtspopulisten entsetzt

07.09.2026, 17:42 Uhr
00:00 / 03:50
603630458
Sie hat auch früher die Lieder von Boney M. wirklich gesungen: Liz Mitchell. (Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress)

Boney M. ist nicht gleich Boney M. So treten etwa sowohl Liz Mitchell als auch Maizie Williams unter dem Namen der Band auf, in der sie früher mal gemeinsam waren. Dass die eine nun ausgerechnet eine Einladung von Reform UK annimmt, macht die andere fassungslos.

Liz Mitchell, die frühere Leadsängerin von Boney M., hat empört auf den Auftritt einer Formation unter dem Namen Boney M. beim Parteitag der rechtspopulistischen britischen Partei Reform UK reagiert.

"Sie wussten, dass sie nur eingeladen wurden, damit diese Songs für ihre Zwecke benutzt werden können - Songs, die Menschen auf der ganzen Welt so viel bedeuten", teilte Mitchell mit. "Vor aller Welt bei einer Veranstaltung aufzutreten, die Menschen in Not nicht willkommen heißt, bedeutet, die eigene Seele und Herkunft für Geld zu verkaufen."

Bei der Veranstaltung der Partei von Nigel Farage in Birmingham war am Wochenende eine von Maizie Williams angeführte Version von Boney M. aufgetreten. Williams' Manager Donavon Nelson wies jede politische Nähe zu Reform UK zurück.

421477885
Auch sie war in den 70ern Teil von Boney M., sang die Songs aber im Studio nicht mit ein: Maizie Williams. (Foto: picture alliance/KEYSTONE)

Man unterstütze keine Partei und mische sich nicht in Politik ein. Der Auftritt sei zunächst als Feier im Anschluss an eine Konferenz angekündigt worden. Erst im Nachhinein sei bekannt geworden, dass es sich um eine Reform-UK-Veranstaltung gehandelt habe, so Nelson.

Fans schockiert

Mitchell hatte zuvor auf Facebook berichtet, sie habe verstörte Nachrichten von Fans erhalten, die sich schockiert über den Auftritt gezeigt hätten. Die Sängerin stellte klar, dass sie damit nichts zu tun habe. Es schmerze sie zutiefst, dass ihre Musik instrumentalisiert werde.

593305556
Boney M. in ihrer ursprünglichen Besetzung: Marcia Barrett, Bobby Farrell, Liz Mitchell und Maizie Williams (v.l.n.r.). (Foto: picture alliance/dpa)

Die Sängerin verwies auf ihre Familiengeschichte: Ihr Vater sei Teil der Windrush-Generation gewesen, die ab den späten 1940er-Jahren aus der Karibik nach Großbritannien eingewandert war, sie selbst sei aus Jamaika gekommen. Es sei wichtig, dass Großbritannien ein Land bleibe, das Einwanderer und Asylsuchende willkommen heiße.

Nelson betonte, der Auftritt habe lediglich "Freude verbreiten" sollen, "unabhängig von Hautfarbe oder Glauben". Es tue ihm leid, dass die Darbietung missverstanden worden sei.

Umstrittene Rechtslage um den Bandnamen

Maizie Williams gehörte zu den Mitgliedern der von Frank Farian produzierten Popband, die vor allem in den 1970er-Jahren weltweit große Erfolge feierte. Ihre Stimme ist auf den bekannten Hits der Band allerdings nicht zu hören, weil Farian im Studio nur Mitchell und Marcia Barrett singen ließ.

"Es macht mich traurig, dass rücksichtslose Hochstapler, die keine Ahnung davon haben, wie diese Lieder tatsächlich gesungen wurden, vorgeben, jemand zu sein, der sie nicht sind", so Mitchell, die ebenfalls weiterhin mit der Musik von Boney M. auftritt. "Und das, obwohl sie wissen, dass sie selbst nie einen der Songs von Boney M. gesungen haben."

Die Rechtslage zur Nutzung des Bandnamens ist juristisch umstritten. Williams, die sich nach der Auflösung der Band Ende der 1980er-Jahre mit Mitchell zerstritt, tritt seit den 1990er-Jahren mit anderen Musikern als Boney M. featuring Maizie Williams auf.

Quelle: ntv.de, vpr/dpa

GroßbritannienPopmusikReform UKRechtspopulismusMusik