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Die "Wahrheit" der Queen of Pop Madonna unterstützt Verschwörungsfantasie

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Sorgt für Kopfschütteln: Madonna.

(Foto: imago images / Picturelux)

Eigentlich gilt Madonna als kritischer Geist, der auch jemandem wie Donald Trump schon mal die Stirn bietet. Nun jedoch begeistert sich die Sängerin ausgerechnet für eine Verschwörungsfantasie, der auch der US-Präsident bereits erlegen ist. Der Aufschrei lässt nicht lange auf sich warten.

Mit dem Lager rechtspopulistischer Verschwörungsfantasten hatte Madonna bislang eigentlich wenig gemein. Politisch gilt sie als Unterstützerin der Demokraten. Für die Belange der LGBTQ-Gemeinde setzt sie sich ebenso ein wie für die "Black Lives Matter"-Bewegung. Auch US-Präsident Donald Trump, dem sie erst vor sieben Tagen auf ihrer Instagram-Seite vorwarf, die USA in eine Diktatur zu verwandeln, bietet sie immer wieder die Stirn.

Was die Corona-Krise anbelangt, werden die Anwandlungen der Queen of Pop jedoch zusehends eigenartig. Im März etwa sorgte ein bizarrer Post von ihr für Aufsehen. Darin sinnierte Madonna über das Virus, während sie in einer Badewanne voller Rosenblätter saß und im Hintergrund sanfte Klaviermusik ertönte.

Die gute "Covid-19-Luft"

"Das Wunderbare daran ist, dass es uns alle gleich macht", stellte die 61-Jährige etwa fest. Das Virus interessiere sich nicht dafür, wer oder was man sei. "Es ist der große Gleichmacher. Und was so schrecklich daran ist, ist auch so großartig daran", so Madonna, ehe sie schlussfolgerte: "Wenn das Schiff untergeht, gehen wir alle zusammen unter."

Schüttelten bei diesen Worten noch viele nur mit dem Kopf, sorgte Madonna wenig später für handfesten Ärger. Weil sie angeblich positiv auf Antikörper gegen das Coronavirus getestet worden war, fielen bei ihr alle Hemmungen. Sie wolle jetzt "eine lange Fahrt im Auto unternehmen, das Fenster herunterkurbeln und die Covid-19-Luft einatmen", erklärte die Sängerin und machte anschließend Party ohne jegliche Rücksicht auf irgendwelche Vorsichtsmaßnahmen.

"Diese Frau ist meine Heldin"

Nun jedoch scheint Madonna den Vogel abgeschossen zu haben. Das jedenfalls berichtet unter anderem die britische "Daily Mail". Demnach teilte der Popstar am Dienstag nicht nur ein Video einer Gruppierung, die sich "America's Frontline Doctors" ("Amerikas Front-Ärzte") nennt und äußerst umstrittene Vorschläge im Kampf gegen die Pandemie unterbreitet. Auch über eine angeblich unterdrückte "Wahrheit" schwadronierte Madonna in bester Verschwörungsmanier.

"Die Wahrheit wird uns alle befreien! Aber einige Menschen wollen die Wahrheit nicht hören. Insbesondere die Mächtigen, die aus dieser langgestreckten Suche nach einem Impfstoff Kapital schlagen", schreibt Madonna laut einem der "Daily Mail" vorliegenden Screenshot in einem Post in den sozialen Netzwerken, den sie später offenbar wieder löschte. "Sie würden sich lieber von Angst leiten, die Reichen reicher und die Armen und Kranken kränker werden lassen", adressiert Madonna offenbar weiter die "Mächtigen". Dabei sei die Lösung des Problems bereits gefunden, ist sie sich anscheinend sicher. "Diese Frau ist meine Heldin. Danke, Stella Immanuel", heißt es schließlich abschließend in Madonnas Post.

Dämonen und Außerirdische

Stella Immanuel ist eines der Aushängeschilder der Gruppierung namens "America's Frontline Doctors", die im Umfeld der rechtsgerichteten Organisation "Tea Party Patriots" angesiedelt ist und deren Video Madonna ebenfalls teilte. Immanuel hat sich bereits in der Vergangenheit mit hanebüchenen Aussagen hervorgetan, wie etwa auf ihrem Twitter-Kanal nachzulesen ist. Unter anderem behauptet sie, Erkrankungen wie Endometriose gingen auf Träume zurück, in denen die Betroffenen Sex mit Dämonen und Hexen hätten. Sie glaubt, an den Schalthebeln der Macht säßen auch Außerirdische und vermutet, es werde an einem Impfstoff gegen Religiosität gearbeitet. 2015 veröffentlichte sie ein Buch mit dem Titel "Ein Zehn-Punkte-Plan, um Amerika zu Gott zurückzubringen".

In dem von Madonna verbreiteten Video, das eine Pressekonferenz der "America's Frontline Doctors" zeigt, vertreten Immanuel und ihre Unterstützer die Meinung, das Malariamedikament Hydroxychloroquin sei ein geeignetes Heilmittel gegen eine Covid-19-Erkrankung. Auch Trump hält die Arznei für eine wirksame Methode im Kampf gegen das Virus und hat sie zwei Wochen lang prophylaktisch eingenommen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht dagegen bislang keinerlei Beweise dafür, dass Hydroxychloroquin einen Heilungseffekt bei Covid-19 hat. Sie verweist stattdessen auf die Gefahren bei einer Einnahme: "Der Missbrauch von Hydroxychloroquin kann zu schweren Nebenwirkungen, Krankheit und sogar dem Tod führen."

"Im Namen von Jesus"

Twitter, Facebook, Instagram und Youtube versahen das Video der "America's Frontline Doctors" mit Warnhinweisen, es könnte falsche Informationen beinhalten, oder entfernten es mit dieser Begründung sogar (weswegen wir es an dieser Stelle auch nicht verlinken). Inzwischen kursiert es jedoch wieder vielfach im Netz. Madonnas Post dagegen bleibt verschwunden, nachdem es dafür laut "Daily Mail" jede Menge Kritik von den mehr als 15 Millionen Followern der Sängerin gehagelt hatte.

Immanuel wiederum reagierte auf ihre Art und Weise auf das Einschreiten der sozialen Netzwerke gegen ihre Botschaften. Bei Twitter etwa schrieb sie: "Hallo Facebook, aktiviert meine Profilseite und meine Videos wieder oder eure Computer werden abstürzen. Ihr seid nicht größer als Gott. Das verspreche ich euch. Wenn meine Seite nicht zurückkommt, wird Facebook im Namen von Jesus zusammenbrechen." Ob sie wohl immer noch Madonnas Heldin ist?

Quelle: ntv.de, vpr