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"Green Book" bester Film Mercury macht Malek zum Oscar-Champion

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Er ist der Champion: Die Rolle des Rocksängers Freddie Mercury katapultiert Rami Malek an die Spitze der Hollywood-Schauspieler.

(Foto: REUTERS)

Ohne Moderator, aber dafür mit kämpferischen Preisträgern geht in Los Angeles die 91. Verleihung der Academy Awards über die Bühne. Mit gleich vier Auszeichnungen wird "Bohemian Rhapsody" bedacht. Doch der "beste Film" ist ein anderer.

Überraschungssieger bei den Oscars: "Green Book", die Tragikomödie über die Rassendifferenzen in den USA, ist mit dem Hauptpreis für den besten Film ausgezeichnet worden. Das Werk von US-Regisseur Peter Farrelly setzte sich bei der Gala in Hollywood unter anderem gegen den Favoriten "Roma" des Mexikaners Alfonso Cuarón durch.

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Malek gelang es, sich so in Mercury hineinzufühlen, dass seine Performance diesem überraschend ähnlich war.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Überraschend kam der Triumph von "Green Book" auch deshalb, weil der Film stark umstritten ist. Afroamerikanische Kritiker werfen den Machern vor, die zur Zeit der Rassentrennung angesiedelte Geschichte aus einer "weißen" Perspektive heraus zu erzählen.

Regisseur Farrelly sagte jedoch bei Entgegennahme der Oscar-Trophäe, sein Film handle davon, wie "Liebe" die Differenzen zwischen den Menschen überwinde: "Wir sind als Menschen alle gleich." Der auf wahren Begebenheiten beruhende Film erzählt von einem afroamerikanischen Jazzpianisten, der mit einem italo-amerikanischen Fahrer in den Sechzigerjahren in den Südstaaten auf Tournee unterwegs ist. Sie überwinden ihre gegenseitigen Vorurteile und freunden sich an.

Alle Preise, alle Gewinner: Lesen Sie mehr Details aus der Oscar-Nacht in unserem Liveticker nach.

"Green Book" holte insgesamt drei Oscars. Mahershala Ali erhielt für seine Rolle als Pianist Don Shirley den Preis als bester männlicher Nebendarsteller. Auch holte "Green Book" den Oscar für das beste Originaldrehbuch.

Deutsche Nominierte gehen leer aus

Für den Favoriten Cuarón verlief der Abend aber keineswegs völlig enttäuschend. Der Mexikaner gewann mit "Roma" die drei wichtigen Preise für die Regie, die Kamera und das beste nicht-englischsprachige Werk. Sein Schwarz-Weiß-Film um eine Haushälterin im Mexiko-Stadt der Siebzigerjahre ist stark von Cuaróns Kindheitserlebnissen geprägt.

Wie seine Hauptfigur seien "70 Millionen Haushaltsbedienstete in der Welt" durch keinerlei Arbeitsrechte geschützt, sagte der Regisseur. Gedreht hatte er "Roma" für den Streamingdienst Netflix, für den die drei Oscars einen Riesenerfolg in seinem Wettbewerb mit der traditionellen Filmproduktionsbranche darstellen.

In der Sparte des besten fremdsprachigen Films stach "Roma" unter anderem Florian Henckel von Donnersmarcks "Werk ohne Autor" aus. Der deutsche Regisseur konnte also nicht an seinen Triumph von 2006 anknüpfen, als er mit dem Stasi-Drama "Das Leben der Anderen" den Oscar gewonnen hatte.

Den Preis für den besten Schauspieler in einer Hauptrolle holte Rami Malek für seinen Auftritt in "Bohemian Rhapsody", dem Film über die legendäre britische Rockband Queen. Der ägyptischstämmige US-Schauspieler spielt darin den 1991 an den Folgen von Aids verstorbenen Sänger Freddie Mercury. Das Werk konnte insgesamt vier Oscars abräumen und war damit der erfolgreichste Film bei der Verleihung. Malek setzte sich unter anderen gegen Christian Bale durch, der mit seiner Verwandlung in den früheren US-Vizepräsidenten Dick Cheney in "Vice" von vielen als Favorit gesehen worden war.

"Lasst uns das Richtige tun!"

Eine faustdicke Überraschung war die Auszeichnung der Britin Olivia Colman als beste Hauptdarstellerin. Geehrt wurde sie für ihre Rolle als die britische Königin Anne aus dem 18. Jahrhundert in "The Favourite - Intrigen und Irrsinn". Als große Favoritin war ihre US-Kollegin Glenn Close ("Die Frau des Nobelpreisträgers") ins Rennen gegangen. Die 71-jährige Hollywood-Veteranin bleibt damit weiterhin ohne Oscar, obwohl sie bereits sieben Mal nominiert war.

In den Nebendarsteller-Kategorien wurden zwei afro-amerikanische Darsteller geehrt: Regina King gewann mit ihrer Rolle einer kämpferischen Mutter in dem Drama "If Beale Street Could Talk"; Mahershala Ali holte sich nach "Moonlight" seinen zweiten Oscar für "Green Book".

Für sein adaptiertes Drehbuch zur Polit-Satire "BlacKkKlansman" bekam Spike Lee einen Oscar. Seine Dankesrede nutzte er, um ein politisches Statement zu setzen. "Vor der ganzen Welt erweise ich unseren Vorfahren, die dieses Land aufgebaut haben, meine Ehre", sagte der US-Regisseur. Vor 400 Jahren seien ihre Vorfahren aus Afrika geraubt und versklavt worden. Es sei wichtig, von den Vorfahren zu lernen, sagte er. "Dann erlangen wir unsere Menschlichkeit wieder."

Der Afro-Amerikaner Lee kritisierte indirekt außerdem die aktuelle Regierung in den USA. "Die Präsidentschaftswahlen von 2020 sind nicht mehr weit weg. Lasst uns aktiv werden und auf der richtigen Seite der Geschichte stehen", sagte er. Das sei eine moralische Wahl zwischen Liebe und Hass. Unter Stehbeifall beendete er seine Rede mit den Worten: "Lasst uns das Richtige tun!" als Anspielung an seinen gleichnamigen Film von 1989 ("Do The Right Thing").

Kein Moderator - dafür mitreißende Auftritte

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Nahm einen Oscar mit und hielt eine politische Rede: Spike Lee.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die 91. Oscar-Verleihung hatte diesmal keinen festen Moderator, dadurch fiel die Gala deutlich straffer und geschäftsmäßiger aus als früher. Lediglich zu Beginn der Show im Dolby Theatre in Los Angeles kam Stimmung auf, als die Band Queen mit Rockhymnen "We will rock you" und "We Are The Champions" die Zuschauer begeisterte. Den Part von Freddie Mercury übernahm dabei der US-Sänger Adam Lambert, der seit einigen Jahren mit zwei der ursprünglichen Band-Mitglieder auf Tour geht.

Den romantischen Gegenakzent zu Queen setzten Lady Gaga und Bradley Cooper, die inbrünstig den Hit "Shallow" aus dem Musikfilm "A Star Is Born" vortrugen. Lady Gaga bekam für das Lied auch einen Oscar.

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Quelle: n-tv.de, ftü/fzö/dpa/AFP

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