"Geschmacklose Wurstfabrik"Quentin Tarantino rechnet mit Hollywood ab

Fehlbesetzungen, Anbiederung ans Publikum und "blöder Mist": Quentin Tarantino spart nicht mit Kritik an jüngeren Hollywood-Produktionen. Nur wenige aktuelle Filme konnten den Oscar-Preisträger überhaupt noch überzeugen.
Quentin Tarantino ist für klare Worte bekannt - und mit seiner aktuellen Einschätzung des modernen Kinos dürfte er erneut für Diskussionen sorgen. Der Kultregisseur hat sich äußerst kritisch über die heutige Filmindustrie geäußert und dabei insbesondere Hollywood scharf attackiert.
In einem Essay für das renommierte Filmmagazin "Sight and Sound" beschreibt der Oscar-Preisträger seine zunehmende Frustration mit aktuellen Produktionen. Nach eigener Aussage falle es ihm inzwischen schwer, neue Filme anzusehen, ohne massive Schwächen zu entdecken. So schreibt Tarantino, es sei für ihn heutzutage "fast unmöglich", einen neuen Film anzuschauen, ohne ihn "in der Luft zu zerreißen".
Besonders deutlich wird der Regisseur bei seiner Bewertung der Traumfabrik. "Mängel, Ungereimtheiten, Anbiederung an das Publikum, Fehlbesetzungen oder einfach nur blöder Mist ruinieren in der Regel jeden neuen Film, der aus dieser geschmacklosen Wurstfabrik kommt, die sich früher einmal Hollywood nannte. Heutzutage ruft das gesamte Konzept dessen, was ein Film eigentlich ist, in mir eher Verachtung als Nachsicht hervor."
Trotz seiner harten Kritik gibt es einige aktuelle Produktionen, die Tarantino überzeugen konnten. Nach eigenen Angaben haben ihm lediglich vier Filme aus den vergangenen sechs Jahren wirklich gefallen. Dazu zählt Steven Spielbergs Musical-Neuverfilmung "West Side Story" aus dem Jahr 2021. Ebenfalls auf seiner persönlichen Bestenliste stehen die ersten beiden Teile von Kevin Costners Western-Epos "Horizon - Eine amerikanische Saga", auch wenn der zweite Teil bislang noch nicht regulär in den Kinos veröffentlicht wurde.
Großes Lob für einen Netflix-Film
Besonders begeistert zeigt sich Tarantino außerdem von "The Rip", einem Actionfilm von Joe Carnahan mit Ben Affleck und Matt Damon in den Hauptrollen. Dem Regisseur zufolge habe bei dem Projekt "das Gesamtpaket gestimmt". Er lobt "Carnahans Regie, die großartige Besetzung, die visuelle Gestaltung des Films (verantwortet von Kameramann Juan Miguel Azpiroz) - doch das wahre Glanzstück dieser hervorragenden Gesamtkomposition ist das sensationelle Drehbuch von Carnahan und Michael McGrale".
Der Film habe ihn "sofort gepackt und über seine gesamte Laufzeit hinweg komplett gefesselt". Bemerkenswert: Während Tarantino von dem Titel schwärmt, fällt die Resonanz der Kritiker deutlich zurückhaltender aus. Auf der Bewertungsplattform "Rotten Tomatoes" kommt "The Rip" derzeit auf 77 Prozent positive Kritiken.
Abgesehen von den genannten Produktionen habe er zwar noch "ein paar anderen" Filmen etwas abgewinnen können. Ein Werk, das ihn wirklich in seinen Bann gezogen habe, habe er in den vergangenen Jahren jedoch kaum entdeckt, so Tarantino. "Was mich wirklich in seinen Bann gezogen und in das magische Land des Vergnügens entführt hätte, das ich früher regelmäßig besucht habe und das der Grund dafür war, dass ich Filme mehr liebte als alle anderen Kunstformen", habe er vermisst. Statt ins Kino zieht es den Filmemacher inzwischen deshalb häufiger zu anderer Unterhaltung. Heutzutage lese er nach eigener Aussage "lieber ein Buch".