"Man hat sich geschminkt"Thomas Anders vergleicht sich mit Bill Kaulitz

Der eine ist Popper, der andere dann doch eher Rocker. Der eine ist braunhaarig, der andere - zumindest bis zuletzt - blond. Der eine ist hetero-, der andere homosexuell. Trotzdem fühlt sich Ex-Modern-Talking-Sänger Thomas Anders irgendwie mit Tokio-Hotel-Frontmann Bill Kaulitz verwandt.
Sänger Thomas Anders hat eine Parallele zwischen seinem früheren Ich und Tokio-Hotel-Frontmann Bill Kaulitz gezogen. In einer Talksendung des Fernsehsenders Welt und des Musikmagazins "Rolling Stone" erinnert sich der Sänger an die Aufregung um sein androgynes Auftreten in den 80er-Jahren.
"Vom Musikalischen war es nicht rebellisch", blickt der 63-Jährige auf seine Zeit bei Modern Talking an der Seite von Dieter Bohlen zurück. "Bei der Optik wurde ein bisschen herumgespielt. So ein bisschen war das Bill Kaulitz der 80er", erzählt Anders in der Sendung, wie in einer Pressemitteilung bekannt gegeben wurde.
Mit seinem auffälligen Look war Anders damals allerdings nicht allein: "Die Nation hat sich darüber aufgeregt: die langen Haare, Lipgloss und so etwas. Das war aber die Zeit, in der sich sehr viele Künstler androgyn gegeben haben. Man hat sich geschminkt. Duran Duran, von Boy George wollen wir gar nicht reden. Die Männer fingen damals an, mit Kajal zu hantieren."
Mit Bohlen "hat es einfach nicht funktioniert"
Gemessen werde in Deutschland allerdings mit zweierlei Maß, findet der Sänger. "Alles, was aus dem Ausland kommt, hat bei uns sowieso den Freifahrtschein und ist irgendwie cool. Aber wenn es ein Deutscher macht, dann ist das plötzlich etwas Hochinteressantes."
Er selbst habe mit seinem damaligen Aussehen kein Problem, versichert er. Schließlich wäre er "ohne diesen Typen von früher" heute nicht der, "der hier steht".
Deutlich nüchterner fällt sein Blick auf das Verhältnis zum ehemaligen Modern-Talking-Kollegen Dieter Bohlen aus. Musikalisch habe die Zusammenarbeit funktioniert, eine enge Freundschaft sei daraus jedoch nie entstanden, sagt Anders. "Natürlich gab es ganz entspannte Momente, in denen man abends zusammensaß und lachte. Am besten verstanden haben wir uns im Studio, wenn es um die Musik ging." Sie seien im Leben aber sehr unterschiedlich und hätten verschiedene Auffassungen. "Und da hat es einfach nicht funktioniert."
Gefeiert habe man trotzdem, etwa bei Auszeichnungen. "Wir haben gefeiert, wenn wir eine Goldene Schallplatte verliehen bekommen haben. Man hat sich zusammen gefreut, logisch. Aber danach ist jeder wieder seinen Weg gegangen." Das finde er aber "gar nicht so dramatisch". Denn: "Das gibt es ganz oft, auch bei Künstlern. Wie viele Bands erklären in ihren Biografien, dass sie beruflich top funktionierten, aber jeder eine andere Lebenseinstellung hatte."