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"No Music For Genocide"Über 1100 Künstler fordern ESC-Boykott

22.04.2026, 12:03 Uhr
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Drei der Unterzeichner: Peter Gabriel, Macklemore und Roger Waters (v.l.). (Foto: dpa / picture alliance / Collage: ntv.de)

In knapp einem Monat geht in Wien das Finale des 70. Eurovision Song Contests über die Bühne. Mehrere Länder boykottieren die Veranstaltung, weil auch Israel an ihr teilnimmt. Nun erhöhen mehr als 1100 Künstler - von Peter Gabriel bis Macklemore - mit einer Kampagne weiter den Druck.

Wenige Wochen vor dem 70. Eurovision Song Contest (ESC) in Wien haben mehr als 1100 Kulturschaffende und namhafte Musikerinnen und Musiker in einem offenen Brief den Boykott der Veranstaltung gefordert. Zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern gehören Musikgrößen wie Peter Gabriel, Brian Eno, Paul Weller und Paloma Faith.

Auch der umstrittene Ex-Pink-Floyd-Musiker Roger Waters ist einer der Initiatoren. Diverse seiner Äußerungen in der Vergangenheit brachten ihm den Vorwurf des Antisemitismus und vereinzelte Auftrittsverbote ein. Auch US-Rapper Macklemore, der den offenen Brief ebenfalls unterschrieben hat, wird seit Jahren vorgehalten, er bediene sich antisemitischer Stereotype.

Neben einzelnen Musikerinnen und Musikern haben zudem Bands wie Massive Attack, Sigur Rós, Mogwai, Primal Scream, Of Monsters And Men, Hot Chip, Idles oder Kneecap ihre Namen unter das Dokument gesetzt. Außerdem unterschrieben mehrere ehemalige ESC-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer, darunter die dänische ESC-Gewinnerin von 2013, Emmelie de Forest.

Vorwurf der "Heuchelei"

Die Kampagne "No Music For Genocide" ("Keine Musik für den Genozid") verlangt den Ausschluss Israels aus dem Musikwettbewerb. Dabei werden auch Parallelen zum Ausschluss Russlands nach dem Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 gezogen. Die Künstler werfen der Europäischen Rundfunkunion (EBU), die für den ESC verantwortlich ist, "Heuchelei" vor. Der ESC werde dazu genutzt, die militärischen Handlungen Israels im Gazastreifen reinzuwaschen und zu "normalisieren".

In dem Schreiben heißt es: "Wir solidarisieren uns mit den palästinensischen Aufrufen an öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, Künstler, Organisatoren von Screening-Partys, Crews und Fans, den Eurovision Song Contest zu boykottieren, bis die EBU den beteiligten israelischen Sender KAN ausschließt." Dass mit Spanien, Irland, Island, Slowenien und den Niederlanden fünf Länder ihre diesjährige Teilnahme am ESC abgesagt haben, weil auch Israel zu dem Wettbewerb zugelassen wurde, wird begrüßt.

Trotz der daran anhaltenden Kritik entschied die EBU im Dezember, dass Israel auch 2026 teilnahmeberechtigt ist. Die Organisation betont regelmäßig den unpolitischen Charakter des Wettbewerbs.

Keine Erwähnung des Hamas-Massakers

Dem halten die Unterstützerinnen und Unterstützer der Kampagne nun entgegen: "Die heuchlerischen Reaktionen der EBU auf die Verbrechen Russlands und Israels haben jegliche Illusion von der angeblichen 'Neutralität' des Eurovision Song Contests zerstört. 2022 erklärte die EBU, Russlands Teilnahme würde dem Wettbewerb schaden. Doch mehr als 30 Monate Völkermord im Gazastreifen - neben ethnischer Säuberung und Landraub im belagerten Westjordanland - scheinen nicht auszureichen, um dieselbe Politik auf Israel anzuwenden."

Man weigere sich zu schweigen, "wenn Israels genozidale Gewalt das Leben der Palästinenser übertönt und zum Verstummen bringt", heißt es in dem Schreiben zudem. Die aktuellen kriegerischen Auseinandersetzungen Israels mit dem Iran oder der Hisbollah im Libanon finden in der Erklärung indes keine Erwähnung. Auch das Massaker der Hamas am 7. Oktober 2023, bei dem etwa 1200 Israelis starben und das zum Auslöser des militärischen Vorgehens Israels im Gazastreifen wurde, wird nicht benannt.

Das Finale des diesjährigen ESC findet am 16. Mai in Wien statt. 2025 hatte der Sänger JJ mit dem Titel "Wasted Love" in der Schweiz den Sieg für Österreich errungen und den Wettbewerb somit in sein Heimatland gebracht.

Quelle: ntv.de, vpr/spot

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