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Morrissey im Verschwörungsmodus "Vergewaltigungshauptstadt Berlin"

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Ein Querkopf war er schon immer, doch jetzt wird es absurd: Morrissey.

(Foto: dpa)

Mit seiner Gruppe The Smiths schreibt Morrissey Musikgeschichte. Und noch heute liegen dem Sänger viele Fans und Kritiker zu Füßen. Eigentlich. In einem Interview spricht der Brite nun über Themen wie den Brexit, Donald Trump und Flüchtlinge - und sorgt für Entsetzen.

"Morrissey redet sich um Kopf und Kragen", titelt der "Rolling Stone" - und ist mit seiner Meinung nicht allein. Grund für die Empörung ist ein Interview, das der frühere Frontmann von The Smiths dem "Spiegel" gegeben hat. Anlass war zwar die Veröffentlichung seines neuen Albums "Low In High School". Doch das Gespräch drehte sich vor allem um politische Fragen, auch wenn der Sänger erklärt: "Ich bin nicht politisch, ich bin apolitisch."

In dem Interview offenbart der 58-Jährige bei diversen Themen nicht nur eine unbequeme und nonkonformistische Meinung, sondern auch einen ausgeprägten Hang zu Verschwörungstheorien und jede Menge Zorn - auf "die politische Elite und das Establishment", Medien und das "deutsche Imperium".

"Wie das 'Dritte Reich'"

Gefragt, ob er seine Empfehlung, keine Nachrichten mehr zu schauen, im Song "Spent The Day In Bed" ernst meine, antwortet Morrissey etwa: "Ja. Die Menschen sollten damit aufhören um ihrer eigenen geistigen Gesundheit willen. (...) Die Nachrichten sind nur noch Social Engineering, und dabei geht es um Kontrolle und nicht um Information." Auch die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten sei den Medien zuzuschreiben, erklärt der Sänger: "Die amerikanischen Medien haben Trump geholfen, ja, sie haben ihn erst erschaffen. Ob sie ihn kritisieren oder über ihn lachen, das ist ihm egal, er will nur sein Bild und seinen Namen sehen. Die amerikanischen Medien haben sich selbst ins Bein geschossen."

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Mit The Smiths wurde Morrissey in den 80ern bekannt.

(Foto: imago stock&people)

Wenn es um ihn selbst geht, hat Morrissey hingegen vor allem die britische Presse als Feindbild auserkoren. "Sie reden gern mit mir, aber dann drucken sie ein Interview, in dem sie eben nicht schreiben, was ich gesagt habe", behauptet der Musiker im "Spiegel"-Gespräch. Die letzte Lüge, die über ihn verbreitet worden wäre, sei, dass es in seinem Song "Jacky" um den Brexit ginge. "Aber so ist die britische Presse. Das ist die 'Loony Left', die verrückte Linke, die sind so extrem. Sie sind inzwischen wie das 'Dritte Reich'. Sie lassen sich nicht beeinflussen, und man darf keine andere Meinung mehr haben", so Morrissey.

"Ungeziefer" Trump

Mit Blick auf die Politik erklärt der Sänger, er habe kein Vertrauen in die politische Elite mehr - und holt zum Rundumschlag aus. "Theresa May ist absurd. Donald Trump ist absurd. Sie haben keinen Sinn dafür, wie man Menschen führt", sagt Morrissey und tituliert Trump als "Ungeziefer". Gäbe es einen Knopf, mit dem man den US-Präsidenten tot umfallen lassen könnte, würde er ihn "im Interesse der Menschheit" drücken.

Die Behauptung, er sei ein Brexit-Befürworter, weist der Musiker zwar zurück, aber er sei "sehr stolz auf die Briten, dafür, dass sie die BBC ignoriert haben, Sky News ignoriert haben, die immer sagten: Wenn wir die EU verlassen, werden wir alle sterben". Das Brexit-Referendum sei "der größte demokratische Sieg in der Geschichte der britischen Politik seit vielen, vielen Jahren".

Zugleich räumt Morrissey ein, noch nie in seinem Leben wählen gewesen zu sein. Als überzeugter Tierschützer hebe er seine Stimme für die Partei auf, die das Schlachten von Tieren abschaffe. "Wenn du erlaubst, dass das Schlachthaus weiterhin existiert, sagst du: Der Holocaust ist großartig. Auschwitz war fantastisch. Lasst uns damit weitermachen. Es ist exakt dasselbe", holt der Sänger dabei zu einem aberwitzigen Vergleich aus.

Spacey "unnötig attackiert"?

Weniger Verständnis scheint Morrissey dagegen für die Opfer sexueller Übergriffe in Hollywood zu haben. Man müsse die Dinge in die richtige Relation setzen, erklärt er. "Die Leute wissen genau, was passiert. Und sie spielen mit", sagt der Sänger etwa mit Blick auf die Schauspielerinnen, die von Filmproduzent Harvey Weinstein belästigt wurden. "Hinterher ist es ihnen peinlich oder es gefiel ihnen nicht. Und dann drehen sie es um und sagen: Ich wurde attackiert, ich wurde überrascht, ich wurde in das Zimmer gezerrt. Aber wäre alles gut gelaufen und hätte es ihnen eine große Karriere ermöglicht, würden sie nicht darüber reden", ist sich der Musiker sicher.

Er hasse Vergewaltigungen und Übergriffe, stellt Morrissey klar. "Aber in sehr vielen Fällen betrachtet man die Umstände und denkt sich, dass die Person, die als Opfer bezeichnet wird, lediglich enttäuscht ist", fügt er hinzu. Auch Kevin Spacey sei wohl "unnötig attackiert worden", findet Morrissey. "Soweit ich weiß, war er mit einem 14-Jährigen in einem Schlafzimmer. Kevin Spacey war 26, der Junge 14. Da fragt man sich doch, wo die Eltern des Jungen waren. Man fragt sich, ob der Junge nicht ahnte, was passieren könnte", nimmt der Sänger auf den ersten von mittlerweile Dutzenden Missbrauchsvorwürfen gegen Spacey Bezug.

"Ich will, dass Deutschland deutsch ist"

Schließlich geht Morrissey in dem "Spiegel"-Interview auch auf die Situation in Deutschland ein. Deutschland sei ihm ein Freund, versichert er. Er wolle jedoch "kein Teil eines deutschen Imperiums sein", erklärt er seine Ablehnung der EU. Zugleich sei er traurig, dass Berlin "wegen der offenen Grenzen" zur "Vergewaltigungshauptstadt" geworden sei. Nachgefragt, ob er gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sei, erklärt der Brite mit der Wahlheimat USA: "Okay, reden wir über den Multikulturalismus. Ich will, dass Deutschland deutsch ist. Ich will, dass Frankreich französisch ist. Wenn man versucht, alles multikulturell zu machen, hat man am Ende gar keine Kultur mehr."

Morrissey wurde in den 80er-Jahren als Frontmann der Gruppe The Smiths bekannt. Obwohl die Band nur fünf Jahre existierte, war ihr Sound wegweisend für das Independent-Genre. Nach der Auflösung von The Smiths 1987 machte Morrissey als Solokünstler weiter. Er gilt seit jeher als Querkopf.

Quelle: ntv.de, vpr