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Geschworene sprechen Urteil Weinstein wegen Sexualverbrechen schuldig

Tagelang berät sich die Jury im Prozess gegen Harvey Weinstein. Nun steht die Entscheidung fest. Die Geschworenen sprechen den Ex-Filmmogul schuldig - allerdings nicht in allen Anklagepunkten. Trotzdem muss der 67-Jährige mit einer jahrelangen Haftstrafe rechnen.

Im Vergewaltigungsprozess gegen Harvey Weinstein hat die Jury den ehemaligen Hollywood-Mogul wegen Sexualverbrechen schuldig gesprochen. Das teilten die Geschworenen dem Obersten New Yorker Gericht nach tagelangen Beratungen mit. Weinstein droht nun jahrelange Haft. In dem spektakulären Vergewaltigungsprozess kam die Jury aus Laienrichtern zu der Entscheidung, den 67-Jährigen wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung zu verurteilen. Nicht schuldig sei Weinstein jedoch im schwersten Anklagepunkt des "raubtierhaften sexuellen Angriffs" und dem Vorwurf einer weiteren Vergewaltigung. Das Strafmaß wird von Richter James Burke später verkündet.

Der Prozess gilt als Meilenstein der MeToo-Ära, die von dem Fall ausgelöst wurde. Weinstein war in dem Prozess zur Last gelegt worden, 2006 die Produktionsassistentin Mimi Haleyi Oralsex aufgezwungen und 2013 die Jungschauspielerin Jessica Mann vergewaltigt zu haben. Der ehemalige Filmmogul wurde nach der Urteilsverkündung in Handschellen abgeführt. Er muss bis zur Verkündung des Strafmaßes durch Richter Burke am 11. März im Gefängnis bleiben.

Weinsteins Anwälte wollen Berufung gegen die Entscheidung einlegen. Chefverteidigerin Donna Rotunno kündigte nach dem Schuldspruch Rechtsmittel gegen das Urteil an. "Der Kampf ist noch nicht vorbei." In einem Berufungsverfahren könnte Weinsteins Verteidigung beispielsweise die Rolle des Richters ins Visier nehmen und diesen in seiner Verfahrensführung als voreingenommen darstellen.

Verteidigung gab Zeuginnen Mitschuld

In den vergangenen Wochen hatte die Staatsanwaltschaft in dem Verfahren versucht, mithilfe von insgesamt sechs Hauptzeuginnen in teils drastischer Detailtiefe ein Muster Weinsteins offenzulegen - das eines Mannes, der seine Macht in der Filmindustrie systematisch ausnutzte, um sich junge Frauen gefügig zu machen; eines Mannes, der Frauen für Sex Karrierehilfe versprach und sie bei einem Nein zum Geschlechtsverkehr zwang.

Die Verteidigung hingegen hatte den Zeuginnen eine Mitschuld gegeben und Weinstein in einer Opferrolle dargestellt. Frauen hätten ihn über Jahrzehnte wegen seines Einflusses und Geldes ausgenutzt und seien sich ihrer Handlungen und Signale an ihn bewusst gewesen. Jeglicher Sex habe einvernehmlich stattgefunden.

Der Prozess hatte von Anfang an gegen eine mögliche Vorverurteilung des Angeklagten wegen der breiten gesellschaftlichen Debatte und der intensiven Berichterstattung in den vergangenen Jahren zu kämpfen. Bei der Auswahl der Geschworenen zu Beginn des Verfahrens erklärten sich auffallend viele der potenziellen Kandidaten von vornherein für befangen.

Die Jury-Beratungen zogen sich über Tage hin. Nachrichten ans Gericht ließen dabei den Schluss zu, dass die Jury sich zwischenzeitlich in mehreren Anklagepunkten nicht einig war. Die juristischen Kämpfe sind für Weinstein auch abseits des New Yorker Verfahrens nicht zu Ende. Inzwischen haben mehr als 80 Frauen Weinstein sexuelle Vergehen vorgeworfen. In Los Angeles wurde er ebenfalls wegen Vergewaltigung und sexueller Nötigung angeklagt. Auch dort könnte es zu einem Prozess kommen.

Quelle: ntv.de, jpe/dpa/AFP