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Ein Nachruf auf Bud Spencer Wer soll denn jetzt die Bösen verhauen?

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Bud Spencer in "Plattfuß in Hongkong": Wo er auftrat, gab es was auf die Rübe.

(Foto: imago stock&people)

Er war der Schutzpatron der Schwachen, der Betrogenen und der Kinder. Er war der Meister der Backpfeifen. Er war Nilpferd, die linke Hand des Teufels und Banana Joe. Für ganze Generationen ist Bud Spencer nichts anderes als ein Superheld.

Doppelbackpfeife und Dampfhammer. Die Nachricht, dass Bud Spencer tot ist, schmerzt. Es ist ein gezielter Schlag in die Magengrube. Ein Schlag, der Erinnerungen freisetzt und einen in die Kindheit zurückversetzt. Weil sofort Erinnerungen entstehen von Sommer, Schwimmbad und Eis am Stiel. Von Ferien, ersten Kinobesuchen und Fernsehabenden, an denen man länger aufbleiben durfte, weil Bud Spencer und Terence Hill liefen.

Doppelbackpfeife und Dampfhammer - bei der einen gibt's was auf die Ohren, der andere ist ein Schlag von oben auf den Kopf. Beide waren Spezialitäten von Bud Spencer, dem dicken und schlagkräftigen Teil dieses dynamischen Duos. Gemeinsam mit Terence Hill schlug er Banditen in die Flucht, trickste Betrüger, skrupellose Gangster und Mafiosi aus. Sie waren "Die rechte und die linke Hand des Teufels", "Das Krokodil und sein Nilpferd", "Vier Fäuste für ein Halleluja" und "Zwei wie Pech und Schwefel" - untrennbar vereint und leicht entzündbar sobald ihnen irgendwo eine Ungerechtigkeit begegnete.

Kein Wunder, dass sich die beiden Italiener in die Herzen der Kinozuschauer spielten. Das Geheimnis ihres Erfolges war einfach: starke Helden und dumme Kriminelle, unblutige Prügel und Action satt, gepaart mit flotten Sprüchen und jeder Menge Witz. Dazu ein starker Gerechtigkeitssinn und die Gewissheit, dass am Ende immer die Guten siegen. Dieses Rezept machte Bud Spencer und Terence Hill zu Filmstars. Und es taugte auch später noch, an Samstagabenden oder Sonntagnachmittagen, als neue Generationen ihre Filme im Fernsehen entdeckten. Hier wurden aus den Kinohelden Legenden.

Bud & Terence: Das perfekte Duo

Bud Spencer spielte dabei stets den gemütlicheren der beiden, seine Rollen waren einfältiger, aber auch beständiger. Nichts brachte seine Figuren aus der Ruhe, nichts konnte ihre Bodenhaftung, ihre Werte erschüttern - im Gegensatz zu Terence Hills Charakteren, die stets eine gewisse Gerissenheit umwehte. So erlebte man Spencer auch in seinen Soloabenteuern - als "Banana Joe", Kommissar Plattfuß, Ritter Hector, Football-Spieler Mücke oder "Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen" -, wo ihm jedoch stets das agile Korrektiv durch Hill fehlte, der Gegenpart, der ihn herausforderte und zu Höchstleistungen anspornte.

Nur im Duett funktionierten diese Filme perfekt: Hill, das clevere Schlitzohr mit vielen Ideen und Spencer, der bärige Typ, dem man sofort vertraute, mit dem man Pferde stehlen konnte. Er war es, der am Ende die Kartoffeln aus dem Feuer holte, der es mit zehn Schlägern gleichzeitig aufnahm und stets triumphierte. Gab es etwas, was dieser Haudrauf nicht konnte? Er war der Superheld ohne Superkräfte, aber mit einem Herz aus Gold und zwei kräftigen Fäusten. Kein Wunder, dass er gerade für Kinder zum unsterblichen Helden wurde.

Dass der Mann gar nicht Bud Spencer hieß, erfuhr man erst später. Aber der Name Carlo Pedersoli - steckte da nicht die zarte Petersilie drin? - erhöhte nur noch die Faszination für ihn. Später erklärte er seine Namenswahl als Mischung aus einer Biersorte und dem verehrten Schauspieler Spencer Tracy.

Dutzendware, die nicht störte

Nach und nach setzte sich das Puzzle zusammen, das hinter dem Helden stand: Dass er vielfacher italienischer Schwimmmeister war, mehrfacher Olympia-Teilnehmer und in der italienischen Wasserballer-Nationalmannschaft spielte. Dass er Jura studiert hatte, in Südamerika als Fließbandarbeiter und Autobauer, in Italien als Komponist, Musiker und Erfinder gearbeitet hatte. Man sah ihn plötzlich auch in italienischen Monumentalfilmen, in blutigen Spaghettiwestern und billigen Abenteuerfilmen.

Dass viele dieser Filme billig heruntergedrehte Dutzendware war, störte einen da schon nicht mehr. Auch als man später seine erfolgreichen Streifen zum x-ten Mal sah, als man die Witze schon auswendig konnte und merkte, dass sie keine Filmklassiker waren, sondern einfach Prügelfilme, die demselben Schema folgten - auch das konnte dem Denkmal Bud Spencer nichts mehr anhaben. Man sah sogar darüber hinweg, dass er ein Anhänger des Populisten Berlusconi war, dass er bei Regionalwahlen für dessen Partei Forza Italia antrat.

Dass er später aus Geldnot wieder seine alten Rollen aufwärmen musste, brach einem fast das Herz. Doch die Zuneigung überwog. Man freute sich, dass er wieder da war, etwas ergraut und faltig zwar, aber unverkennbar Bud Spencer. Man verfolgte die Veröffentlichung seiner Autobiografie, die vielen Interviews und freute sich diebisch, als ein Schwimmbad nach ihm benannt wurde. Nun ist Bud Spencer im Alter von 86 Jahren gestorben. Ein Schlag. Doppelbackpfeife und Dampfhammer. Aber die Erinnerung an ihn ist unsterblich.

Quelle: n-tv.de

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