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Marvelous Mrs. Brosnahan "Wie ein Klischee, aber wahr!"

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Rachel Brosnahan hat bereits ordentlich Serienerfahrung. In "The Marvelous Mrs. Maisel" spielt sie erstmals die Hauptrolle.

(Foto: Amazon / Sarah Shatz)

Man muss schon zweimal hingucken, weil sie sich so verwandelt hat. In "House of Cards" spielte Rachel Brosnahan eine junge Prostituierte, ihre Rolle in "The Marvelous Mrs. Maisel" könnte nicht unterschiedlicher sein. Das soll auch so, berichtet die 26-jährige Brosnahan im Gespräch mit n-tv.de. Mit ihren Darbietungen in der Serie "Manhattan" oder dem Film "Patriots Day" hat sie eine Wandelbarkeit bewiesen, die ihresgleichen sucht. Nun ist sie zum ersten Mal der Star einer Produktion und wie dafür gemacht.

n-tv.de: Es heißt, Sie stünden bereits an der Schwelle zum ganz großen Hollywood-Ruhm.

Rachel Brosnahan: Ich bin mir nicht so richtig sicher, was das bedeutet. Ich weiß nicht … Was soll ich mit dieser Information anfangen? (lacht) Ich habe so großes Glück gehabt - und das meine ich jetzt nicht übermäßig demütig. Ich liebe meinen Job. Das passiert nicht so oft. Wenn das irgendwas mit Ruhm zu tun hat: cool!

Stimmt es, dass Sie sich nicht gern fotografieren lassen?

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Rachel Brosnahan bei der Premiere von "The Marvelous Mrs. Maisel" in Berlin.

(Foto: Amazon / Michael Tinnefeld)

Vermutlich. Nicht, dass es mich großartig stören würde. Es fühlt sich nur seltsam an. Ich weiß nicht, was ich mit meinen Beinen anfangen soll oder mit meinen Händen. Oder mit meinem Gesicht! "Halt still und seh' heiß aus"? Und ich dann so … (schneidet Grimasse) Ich bin auch furchtbar darin, Selfies zu machen. Immer wenn ich das doch mal muss, frage ich mich danach, wieso um alles in der Welt ich so dämlich gucke.

Das kann man ja üben …

Aber muss ich das? So schlimm ist es dann auch nicht, das nicht exzellent zu beherrschen. Ich bin eine ganz normale Person!

Sie arbeiten nun ja schon eine ganze Weile erfolgreich als Schauspielerin. Wann war Ihnen klar, dass das jetzt wirklich Ihr Beruf und nicht nur ein toller Nebenjob ist?

Als ich meinen Job als Kellnerin gekündigt habe. Daran erinnere ich mich noch ganz deutlich, weil es so großartig war. Die Geschichte klingt wie ein Klischee, aber sie ist wahr. Als ich meine Miete zahlen konnte, ohne als Kellnerin oder als Nanny dazuverdienen zu müssen, wusste ich: Ich kann es wirklich schaffen. (raunt) Nicht, dass ich seitdem nicht ab und an in Erwägung gezogen hätte, wieder als Kellnerin zu arbeiten …

Vorerst wohl nicht, schließlich ist "The Marvelous Mrs. Maisel" bereits für eine zweite Staffel bestätigt worden. Midge könnte Ihre Paraderolle werden!

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Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Mir war es immer wichtig, nicht zweimal dasselbe zu machen. Eine Rolle wie Midge habe ich noch nie gespielt. Ich hoffe, wenn Ihnen gefällt, was ich mit ihr mache, sehen Sie sich auch meine anderen Arbeiten an und bemerken, dass die ganz anders sind. Wenn jetzt alles gut läuft, wird mir das Türen öffnen, noch mehr großartige, andere Rollen zu spielen.

Was hat die Rolle der Midge für Sie außergewöhnlich gemacht?

Ich liebe Historienfilme und -serien. Ich recherchiere nämlich gern!

Das klingt, als seien Sie auch gut in der Schule gewesen.

Manchmal. Wenn mich etwas tatsächlich interessiert hat, was wir lernen mussten, war ich großartig. Wenn nicht, nun ja … Aber recherchieren tue ich wirklich gern! Je unterschiedlicher die Welt, in der ich arbeite, von der ist, in der ich lebe, desto aufregender! Historienstücke, Fantasy - auf so was stehe ich. Das Skript für den Piloten von "The Marvelous Mrs. Maisel" war eins der besten, die ich je gelesen habe. Aber es war noch aus einem anderen Grund außergewöhnlich: Es gibt nicht viele Historienformate über Frauen, vor allem keine Komödien. Und es gibt erst recht keine lustigen Historienformate über Frauen, die von Frauen geschrieben, produziert und umgesetzt werden.

Was ist in diesem Fall anders?

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Midge Maisel ist alles andere als perfekt - Rachel Brosnahan gefällt das an ihrer Rolle.

(Foto: Amazon / Sarah Shatz)

Midge repräsentiert eine besondere und authentische Form von Weiblichkeit. Sie ist kompliziert, sie hat Fehler, aber sie ist gleichzeitig auf unerschütterliche Weise unverfroren selbstbewusst.

Und trotzdem bleibt sie Sympathieträger!

Weil es echt ist. Sie fühlt sie einfach gut und schämt sich nicht, das zu sagen. Es sollte viel mehr solcher Figuren geben. Frauen entschuldigen sich andauernd oder sie kämpfen mit lähmender Unsicherheit und Selbstzweifeln. Es gibt aber eben auch solche, die sich großartig fühlen. Die um ihre Intelligenz und Fähigkeit wissen und das nicht verschweigen. Solche Frauen sind in Filmen und Serien bis heute unterrepräsentiert. Eine zu spielen, fühlt sich radikal an. Das sollte es eigentlich nicht mehr, aber so ist es.

Zu Beginn der Serie ist Midge jedoch vor allem um ein spezielles Set an Fähigkeiten besorgt: Sie kümmert sich um ihr Aussehen, ausgefallene Partys, das Wohlbefinden ihres Ehemannes. Können Sie sich auch mit diesem Teil der Figur identifizieren?

Uns eint unsere Zielstrebigkeit. Midge weiß genau, was sie will, und sie verfolgt ihre Ziele mit 110-prozentigem Einsatz. Sie schweift nicht ab. Ich glaube, ein bisschen bin ich auch so. Der Blick ist immer in die Zukunft gerichtet. Kommt mir etwas in den Sinn, muss ich es sofort angehen. Allerdings bin ich nie so spezifisch gewesen. Ich wusste jedenfalls noch nicht mit 12 Jahren, was der perfekte Haarschnitt für mich ist.

Irgendwann findet sich die einstige Vorzeigehausfrau auf einer Demo für Frauenrechte wieder. Hat es Sie überrascht, dass die Serie so politisch wird?

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Zu Beginn der Serie spielt Brosnahan die perfekte Ehefrau, doch damit ist es schnell vorbei.

(Foto: Amazon / Sarah Shatz)

Ich habe sie nie als politisch begriffen. Der Fokus liegt ja nicht auf spezifischen Streitfragen, sondern auf den Charakteren. Trotzdem fühlt sich die Serie wahnsinnig relevant an. Wenn wir unsere Arbeit gut gemacht haben, werden die Zuschauer sich denken: "Wow, wir sind echt weit gekommen, seit sich Frauen nachts das Gesicht abgeklebt haben, um Falten zu verhindern." Aber sie werden auch merken, dass einige Fragen, die Midge sich stellt, bis heute offen sind: "Was bedeutet es, eine Frau zu sein? Was wird von einem erwartet? Wie beurteilen einen die Leute? Was bedeutet Mutterschaft? Und kann man wirklich alles haben?"

Und auch im Bereich Comedy haben es Frauen bis heute nicht leicht.

Oh ja. Ich bewundere Frauen, die eine Meinung haben und nicht davor zurückschrecken, zu sagen, was sie denken.

Mit ein bisschen Erfahrung vom Dreh, würden Sie sich für ein bisschen Stand-up auf die Bühne trauen?

Ich hatte das Glück, mit Midge gemeinsam die technische Seite von Comedy kennenzulernen. Zunächst einmal redet sie ja einfach drauf los und zufällig ist das lustig. Das zu nutzen, lernt sie erst - wie man sich auf der Bühne hinstellt, wie man das Publikum liest, wie man einen Gag landet. Aber schon als Midge vor Zuschauern zu stehen, war echt furchteinflößend. Um also Ihre Frage zu beantworten: Auf keinen Fall. Nein. Das würde mich traumatisieren. Ich bekomme meine Witze lieber weiter geschrieben und erzähle sie Statisten!

Mit Rachel Brosnahan sprach Anna Meinecke.

"The Marvelous Mrs. Maisel" startet am 29. November in der englischen Originalversion bei Amazon Prime Video. Die deutsche Synchronfassung gibt es ab dem 26. Januar 2018.

Quelle: n-tv.de

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